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Was zum Vorschein kommt

Soll ich mit KI arbeiten? Das wäre für mich eine neue Form der Kommunikation. Das geschieht mit einem Apparat. Das Ergebnis würde eine Differenz zu meinem Denken schaffen. Wenn ich fragen würde, wer ich sei, ergebe es wohl ein neues Profil. Ich könnte mich aber auch darauf beschränken, meine Kolumnen korrigieren zu lassen. Aber ich gehöre zur alten Schule. Ich lasse den Text lieber gegenlesen. Das bietet mir die Chance, einer Person mit Fleisch und Blut zu begegnen. So könnte ich mit ihr auch einmal einen Kaffee trinken und Gedanken austauschen. Das ist eine freundlichere Form der Kommunikation und sie schafft eine angenehme Differenz.

Einem Menschen begegnen, heisse, von einem Rätsel festgehalten werden, las ich einmal. Das klingt doch wunderbar. Zugleich weiss ich selber, dass ich mir manchmal ein Rätsel bin. Ich kann unbeherrscht reagieren. Da kommt etwas zum «Vorschwein», das behandelt werden müsste. Bei Siegmund Freud rutschte einem Patienten dieses Wort aus dem Mund. Er nannte dies eine aufschlussreiche Fehlleistung.

Wenn ich Zeitungen lese, kommt fast jeden Tag irgendeine Storie zum «Vorschwein». Da geht es nicht nur um Epstein-Geschichten, sondern auch um Telefonbetrug und Diebstahl, um Verleugnung und versteckte Rache, wie sie anonym auf Plattformen zu lesen ist. Würde ich KI bitten, die ärgsten Dinge zusammen zu stellen, die zum «Vorschwein» kommen, müsste ich wahrscheinlich eine unendlich lange Liste vor mir durchgehen. Vielleicht tischte KI auch die vielen banalen, alltäglichen Dinge auf, wie etwa, ein bekannter Mann habe gerade die dritte Ehe geschlossen und schon blühten Teufelsblumen auf dem verlassenen Beet.

Auch in der Politik ragen Köpfe hervor, die sich gar nicht erst durch eine Fehlleistung verraten, wer sie sind. Die Medien berichten täglich davon. Nein, ich denke nicht an den amerikanischen Präsidenten, auch nicht an seinen russischen Freund im Kreml. Diese müssen sich nicht versprechen, man weiss ja schon, dass sie psychoanalytisch resistent sind. Aber, was der Kremlfürst versteckt, weiss KI natürlich nicht.

Gerüchte pflege ich nicht weiterzugeben. Doch gelingt es mir nicht ganz davon abzusehen, was in der Welt alles vermutet wird. Kommen sie zum «Vorschwein» bin ich ihnen gegenüber nicht ganz immun. Sie sättigen die Neugierde zwar nicht, aber sie sind Stoff für Gerede und Empörung. Vielleicht müsste ich ein Beispiel am Schriftsteller Martin Suter nehmen, der auf die Frage, wie er sich orientiere, sagte, er konsumiere keine Medien. Aber wenn er an einer Bar hocke und einen Prosecco trinke, vernehme er, was los sei. Das weckt wiederum mein Misstrauen. Wird an der Bar nicht vielleicht gerade über Dinge gesprochen, die den Charakter einer Fehlleistung haben.

Was also bleibt mir? Ich brauche wie jeder Mensch Unterhaltung. Ich kann nicht immer nur den ernsten Sachen nachgehen, obwohl ich neben dem Fernsehsessel den Notvorrat eines Buches bereitlege, um es zur Hand zu nehmen, wenn ich mit Zappen nichts finde, was mir passt.

Und jetzt sollte ich noch in die digitalen Sphären eintauchen, um Kommentare zu lesen, Diskussionen über eine Sache zu verfolgen, die Menschen mit Pseudonymen schreiben. Nein, von feigen Menschen, die ihren Namen verschweigen, habe ich keine Achtung und lese nichts, was sie auf verschiedenen Plattformen schreiben. Ich will nicht überheblich sein, aber dieses anonyme Notengeben interessiert mich nicht.

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1 Kommentar

  1. Zum Glück bekommen viele, die von der bunten aber geschmacklosen Suppe der KI gekostet haben und im Haifischbecken der sog. Sozialen Medien geschwommen sind, Brechreiz und Ekel vor dem, was da gerade abgeht und der eigene Magen sowie der hoffentlich kluge Verstand melden: Nichts wie weg hier!
    Distanz verschafft immer den grösseren Überblick und ist bekömmlicher. Mitunter scheint selbst der Zeitgeist von allen guten Geistern verlassen..

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