Im Nahen Osten ist Krieg, kein Frieden in Sicht und mehr Menschlichkeit bitter nötig. Bloss wie? Darüber rede ich am Mittwoch, 25. März 2026 mit Susanne Brunner, der Ausland-Chefin von Radio SRF. Eine Fortsetzung folgt am 25. Juni 2026 im Gespräch mit Monika Bolliger. Die ehemalige NZZ- und Spiegel-Journalistin ist seit 2024 beim Echo der Zeit, Radio SRF. Wir erörtern, wie geopolitische Machtinteressen regionale Perspektiven prägen (könnten).
Susanne Brunner wuchs in Kanada, Schottland und im Kanton Glarus auf. Zum gründlichen Recherchieren motivierte sie, «dass meine vielen kritischen Fragen während meiner Schulzeit nur selten zufriedenstellend beantwortet wurden». Ihre erste Stelle als Korrespondentin begann 2000 in den USA. Dort lebte die Journalistin auch während 9/11, «also zu einer Zeit, welche 2003 in den US-Angriff auf den Irak mündete». Und mit welcher Erkenntnis? «Ich weiss nicht», so Brunner, «ob man die USA im Moment wirklich verstehen kann.»
Von 2018 bis 2022 erkundete Brunner von Amman, der Hauptstadt Jordaniens aus den Nahen Osten. «Leid zu verarbeiten», bemerkt sie, das gehöre «zu jedem menschlichen Leben». Mehr Mühe bereite ihr «die Empathielosigkeit, wie ich sie besonders, aber nicht nur, in Kriegen beobachte». Offenbar sei «nichts billiger als irakisches Blut», habe ihr 2020 ein Aktivist nach niedergeschlagenen Protesten in Kerala gesagt. Kurz vor seinem eigenen Tod.
Seit 2022 leitet Brunner die Auslandredaktion von Radio SRF. Und 2024 wurde sie zur «Schweizer Journalistin des Jahres» gewählt. Die engagierte Preisträgerin reist immer wieder in den Nahen Osten. Management gehöre zwar zu ihrem Job, aber eine Chefin, die sich weiter im Feld bewege, sei «glaubwürdiger und nützlicher».
Am 15. Januar 2026 berichtete Brunner im Radio, wie der palästinensische Schriftsteller Akram Surani den zerstörten Gazastreifen erlebt. Mit viel Angst, Verzweiflung und manchmal, trotz allem, etwas Humor. «Ohne Zuversicht», räumt Susanne Brunner ein, «wäre ich schon lange nicht mehr Journalistin.» Am 3. März 2026 führte sie ein weiteres Gespräch mit Akram Surani. Der Iran-Krieg habe das Leiden im Gazastreifen verdrängt und mache die Lebensbedingungen noch schwieriger, stellte er fest. Und: «Jetzt haben wir Angst, dass der Gazastreifen in diesen Krieg hineingezogen wird. Wir sehen die Kampfflugzeuge, hören die Explosionen, und wir legen die Hand aufs Herz in der Hoffnung, dass es uns nicht wieder mit voller Wucht trifft.»
Einen Aufbruch bewirkte Ende 2010 der Arabische Frühling. Monika Bolliger erwähnt ihn ernüchtert, weist aber auf vielfältige Ansätze hin, Horizonte zu öffnen. Teils basieren sie auf der Erkenntnis, dass alle verlieren, wenn die Spirale der Rache weiter dreht und Geopolitik vornehmlich eigene Machtinteressen verfolgt. Die Journalistin geht in ihrem Buch «Tripolis. Der Nahe Osten im Spiegelbild einer Stadt» (Rotpunktverlag, Zürich 2021) weiter darauf ein.
Mehr friedliche Diplomatie regt auch Alain Gresh in seinem lesenswerten Buch «Israel-Palästina» (Rotpunktverlag, Zürich 2024) an. Der langjährige Chefredaktor und Herausgeber des «Le Monde diplomatique» wuchs bei seiner jüdischen Mutter und seinem koptischen Stiefvater in Kairo auf.
Hilfreich sind wohl israelisch-jüdische und palästinensisch-arabische Menschen, die ihr Leiden gegenseitig anerkennen: über den Völkermord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden, das Vertreiben von Hunderttausenden von Palästinensern und Palästinenserinnen, gegenseitige Massaker, den Krieg in Gaza oder jenen im und über den Iran hinaus.
Ja, das palästinensische und israelische Existenzrecht sowie die (Grenz-)Beschlüsse der Vereinten Nationen sind international zu akzeptieren. Hoffentlich auch durch eine engagierte Schweiz, die dazu beiträgt, Politik zu demokratisieren und eine Weltkonföderation zu fördern, die sich gemeinsam um friedliche Verbindlichkeiten bemüht.
Die Nahost-Gespräche, moderiert von Ueli Mäder, finden am Mittwoch, 25. März mit Susanne Brunner um 19.30 Uhr im Hotel Schützen, Rheinfelden, statt und
mit Monika Bolliger am 24. Juni ebenfalls um 19.30 Uhr im Hotel Schützen, Rheinfelden. Platzzahl beschränkt, Anmeldung oder Ticketkauf erforderlich.
Titelbild: Ueli Mäder © Christian Jaeggi
Buchtipps:
Monika Bolliger: Tripolis. Der Nahe Osten im Spiegelbild einer Stadt, Rotpunktverlag, Zürich 2021, ISBN 978-3-85869-927-5
Alain Gresh: Israel-Palästina, Rotpunktverlag, Zürich 2024, ISBN 978-3-03973-057-5
