…war er als Beobachter des Geschehens hautnah dabei: Eric Gujer, Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung. In seiner Rede an der Generalversammlung der AG für die Neue Zürcher Zeitung am 18. April 2026 liess er daran keinen Zweifel. Als sich beim in die Neuzeit versetzten Gründungsakt der Engelfürst Luzifer zu Wort meldete, war sich Gujer sicher, alles verstanden zu haben: «Dieses Schweizer Volk will alles. Leere Züge und volle Bankkonten; keine Ausländer, aber genügend Krankenschwestern; Wohlstand durch Exporte, aber keinen Verzicht auf Souveränität. Die Schweizer müssen alles verlieren, bis sie verstehen, wie gut es ihnen geht. Sie brauchen keine Schlange. Sie vertreiben sich selbst aus dem Paradies.» Hoppla.
Und Luzifer fährt fort, so Gujer: «Herr, jeder Schweizer ist ein Widerspruch auf zwei Beinen. Er ist freiheitsliebend, ein kleiner Anarchist mit gesunder Skepsis gegenüber dem Staat. Aber er ist auch ein Angsthase, der für alles eine Versicherung abschliesst und den Schutz des Staates sucht. Er will das beste Gesundheitssystem der Welt und eine 13. AHV-Rente, hält Wirtschaftswachstum aber für eine Bedrohung seines Paradieslis ohne Dichtestress.»
Als sie die Schweiz erschufen: Gott Vater und der Engelfürst Luzifer. Von der NZZ genau beobachtet. KI generiet.
Und so weiter, auf zwei vollen NZZ-Seiten. Alle bekommen ihr Fett ab: der Bundesrat, die «sieben kleinen Götter», die masslosen Banker, die Parteien – insbesondere die Mitte und die Hellebarden-Partei SVP –, aber auch, man staune, Fasnächtler, Jodler, Schützen, Turner, die Bauern, sowieso die Jusos und die Junge SVP.
Gujer ist zweifellos ein glänzender Analytiker. In seinen Leitartikeln bringt er in kurzen Sätzen auf den Punkt, wie es ist auf dieser Welt, aus seiner Sicht von der Falkenstrasse in Zürich aus. Er unterlässt es jedoch konsequent, Lösungen aufzuzeigen. Immerhin: An Selbstironie fehlt es ihm nicht. Ein «Blättchen namens – wie heisst es noch gleich – ach, NZZ», habe Guy Parmelin, als er bei der Beschaffung von Luftabwehrwaffen scheiterte, liebevoll «Monsieur Fehlschuss» genannt.
Tatsächlich: Die Analyse ist so treffend wie wirkungslos. Sie wird wohl rasch als Humoreske abgehakt werden – von allen Seiten. Höchstens die SP, das Führungsduo Meier/Wermuth, müsste sich mit einem geharnischten Leserbrief, besser noch mit einem gepfefferten Kommentar melden. Nicht etwa, weil die beiden verunglimpft worden wären, sondern weil sie im Rundumschlag gar nicht erst erwähnt werden.
Einzig Simone Brander, Zürcher SP-Stadträtin, findet Gnade und Aufnahme im Pamphlet. Dazu lässt Gujer Gott selbst sagen: «Es ist nicht einfach, das Universum nach Gottes Ebenbild zu erschaffen, wenn man nur Gott ist und nicht die Stadträtin Simone Brander. Sie weiss genau, was sie will: einen Velo-Express-Highway als Umfahrung um das verödete Dingsbums, das einmal Zürich war.»
Wie sehr sich Gujer – und nicht zu Unrecht – über eidgenössische Eigenheiten ereifert, wurde mir kürzlich durch einen behördlichen Brief der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich deutlich vor Augen geführt. Die SVA teilt mir – und allen AHV-Bezügerinnen und -Bezügern – in vorauseilendem Gehorsam mit, dass im Dezember 2026 die 13. AHV-Rente gleichzeitig mit der 12. ausbezahlt werde.
Wie hoch diese ausfallen wird, könne man allerdings noch nicht definitiv sagen. Es «könnte sich noch einiges ergeben», schreiben die Behörden, absichernd, wie sie sind.
Die SVA kennt ihre Pappenheimer. Sie weiss aus zahlreichen Anfragen, was die Rentnerinnen und Rentner wirklich interessiert: Mit wie viel sie im Dezember tatsächlich rechnen können und ob die 13. Rente überhaupt ausbezahlt wird. Denn finanziert ist sie bekanntlich noch nicht. Das Parlament hat es bislang nicht geschafft, eine Lösung herbeizuzaubern, auch nicht mit Luzifers Hilfe.
Und die Rentnerinnen und Rentner? Sie wollen vor allem eines: Gewissheit. Sie wollen sich absichern, versichern – ganz so, wie Gujer schreibt: «Angsthasen»?

Bewahre uns von den tatenlosen Bewahrern.
anscheinend will eine mehrheit der chaos-initiative zustimmen. damit erreicht herr blocher noch sein lebensziel: weg von europa, asylanten, flüchtlinge und «arme» ausländerInnen raus. splendid isolation. dafür treicheln und hellebarden zu hauf.