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Museum Langmatt wieder eröffnet

Das Impressionisten-Museum Langmatt in Baden erscheint im neuen Glanz. Die umfassend renovierte Jugendstilvilla mit Galerie und einem neuen Glaspavillon im Park öffnet wieder ihre Türen.

Die Jugendstilvilla an der Römerstrasse in Baden wurde um 1900 von Architekt Karl Moser für Jenny und Sidney Brown, Mitbegründer der BrownBoveri & Cie, der BBC, erbaut und war seit langem sanierungsbedürftig. Nun ist die umfassende Renovation nach zwei Jahren abgeschlossen und das Museum durch einen zusätzlichen Glaspavillon erweitert worden. «Ohne Bauverzögerung und ohne Kostenüberschreitung», betont Direktor Markus Stegmann. Die Bevölkerung stand mit fast 80 Prozent Stimmbeteiligung hinter der Finanzierung. Zu reden gab lediglich der Notverkauf von drei Bildern von Cézanne, der nun die Existenz des Museumsbetriebs langfristig sichert.

Jugendstilvilla mit Fachwerk und Galerieanbau

Das Architekturbüro Ernst Niklaus Fausch Partner AG renovierte nicht nur die historische Anlage in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege Aargau, sondern baute auch den neuen Pavillon im Park. Ein zusätzlicher grosser Raum war unabdingbar, da das Museum bei Vernissagen und anderen Anlässen stets zu wenig Platz hatte. Auf den Neubau war man besonders gespannt.

Pavillon «en plein air» des Architekturbüros Ernst Niklaus Fausch Partner AG. Foto: © ZVG

Der filigrane Glaspavillon en plein air grenzt ohne direkte Berührung an den neuen Eingangsbereich des Museums. Er nimmt die Idee der Freilichtmalerei der Impressionisten auf, wie eine «transparente, gläserne Hülle zwischen Park und Villa», so Markus Stegmann. Beim Eintreten in den grosszügigen, hellen, lichten Raum bleibt der umliegende Park allseitig sichtbar. Auf den Fensterflächen verteilen sich gezeichnete Blüten, Blätter und Insekten, ein Kunstprojekt von Julia Steiner, das zugleich als Vogelschutz dient. Die glänzende Chromstahldecke holt die Natur durch Spiegelungen ins Innere und schafft eine Wechselwirkung zwischen Kunst, Architektur und Natur.

Blick ins Innere des Pavillons

Das Museum sieht «glücklicherweise» immer noch gleich aus, sogar die Kletterpflanzen beim Eingang sind dieselben. Auch das Interieur erscheint unverändert. Die nach aktuellen Sicherheitsstandards angepasste Haustechnik ist für das Publikum unsichtbar. Nicht einmal die neuen Fenster oder der Lift fallen auf. Das Architektenteam hat sein Bestes gegeben, dabei sei die Verkabelung bis zum Schluss die grösste Herausforderung gewesen.

Wirklich neu ist neben dem Pavillon das Entrée zum Museum mit Kasse, Shop, Garderobe und dem Lift zur barrierefreien Erschliessung. Es steht anstelle des ehemaligen Ökonomiegebäudes, das in seiner Geschichte mehrfach umgebaut wurde und entkernt werden durfte.

Neuer Eingangsbereich des Museums

Während der Umbauphase waren fünfzig der hochkarätigen Impressionisten unterwegs in verschiedenen Museen: in der Fondation de l’Hermitage in Lausanne, im Wallraf-Richartz-Museum in Köln und zuletzt im Belvedere in Wien. Die internationale Presse schrieb begeistert ganzseitig über den für sie bisher verborgenen Schatz. Durch die Aufmerksamkeit im Ausland erhält die Privatsammlung von Jenny und Sidney Brown nun auch internationale Wertschätzung.

Blick in die Bildergalerie 

In den renovierten Museumsräumen sind die impressionistischen Meisterwerke, die zwischen 1908 und 1941 ins Haus kamen, mit der Ausstellung Welcome back – Die Sammlung kehrt zurück wieder zu sehen, stimmungsvoll umgeben vom restaurierten historischen Mobiliar, Teppichen und Kristallleuchtern.

Blick ins «Venezianer-Zimmer» mit Venezianischen Veduten (1743-1744) von Apollonio Domenichini (1715-1770)

Zusätzlich werden im Obergeschoss Werke von Kunstschaffenden gezeigt, die die Umbauphase des Hauses künstlerisch dokumentieren: vom Cartoonisten Silvan Wegmann (*1969) humorvolle Darstellungen der verschiedenen Renovationsetappen; vom Künstlerinnen-Duo BiglerWeibel, Jasmin Bigler (*1993) und Nicole Weibel (*1990), Interventionen in Form einer Mehrkanal-Videoinstallation; von Reto Boller (*1966) verschiedene Installationen auch im Park. Zusätzlich informiert eine Kabinettausstellung im Schaufenster Archiv über die Resultate des Provenienz-Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit externen Spezialistinnen und Spezialisten.

Der neu angelegte Garten nach historischem Vorbild

Der Park der Langmatt ist durch einen Zaun gut abgeschirmt. Tritt man aber einmal durch das Eingangstor, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Die alten hohen Bäume, die Linden, Buchen und Eiben empfangen einen und strahlen grosse Ruhe aus. Der Garten wurde schon durch die Hausherrin Jenny Brown mithilfe eines Gärtners sorgsam gepflegt. Historische Fotografien und Gemälde zeugen von einem bunten Staudengarten, romantischen Rosenlauben und einem Naschgarten. Unter strengen Auflagen der Gartendenkmalpflege soll nun diese Idylle wieder erblühen. Doch noch brauchen die Pflanzen etwas Zeit, um sich zu entfalten. Einst gab es im Park einen Kinderspielplatz, auch dieser ist wieder hergerichtet.

Mein Lieblings-Durchgang durch die alte Eibe-Hecke

Fast von Beginn weg führte ich während über dreissig Jahren Gruppen durch das Museum Langmatt. Es hat mir immer grosse Freude bereitet, den Besuchenden das Haus, die Bilder und die Familie Brown vorzustellen. Mit der «neuen» Langmatt beende ich nun dieses Engagement und freue mich, als private Besucherin oder als Publizistin für das online Magazin Seniorweb.ch über die Aktivitäten und kommenden Ausstellungen zu berichten.

Fotos: rv

Sonderausstellungen
«Welcome
 Die Sammlung kehrt zurück» bis 10. Januar 2027
«Silvan Wegmann / BiglerWeibel / Reto Boller» bis 13. September 2026

Weitere Informationen finden Sie hier: Museum Langmatt in Baden 

 

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