Es ist Sommer und da kommt auch die Sprachkolumne leicht daher. Quasi im Bikini. Das heisst, wir schauen nur aufs Augenfällige bei jedem Pressetext: Auf den Titel, der manchmal sogar eine Schlagzeile ist.
«Mehrheit für 10-Millionen-Schweiz.» Ist brandaktuell. Nur: Was bedeutet diese Schlagzeile? Befürworten die meisten eine Schweiz mit zehn Millionen (oder mehr) Einwohnerinnen und Einwohnern oder ist damit die SVP- Initiative gemeint, die eben keine zehn Millionen Menschen im Lande will? Da ist – der Bikinivergleich – eindeutig zu wenig Stoff in der Aussage.
Werden wir akademischer: «Der Konjunktiv trübt ein erfolgreiches Geschäftsjahr.» Da war ein Linguistiker am Werk. (Ja, wir können auch gescheit!) Wer grammatikalisch nicht so bewandert ist, wird einen solchen Titel einfach überlesen: Konjunktiv, Konjunktur, Konfusion, Kondukteur oder Konfitüre? Irgendwas wird es schon heissen.
Lösen wir auf: Es wäre die Möglichkeitsform gewesen. Es hätte ein gutes Jahr werden können, hätte nur, wäre nicht, würde immer, … Hätte, hätte Fahrradkette, sagen die Deutschen.
«Staatsebenen warnen vor Konsequenzen,» tönt doch sehr, ja, staatsmännisch. Nur dass Staatsebenen auch Politiker, Behörden oder Ämter sein können, das ist neu. Bisher wurde «auf Staatsebene» verhandelt: Interessenvertreter, Politiker, oder Wirtschaftsfachleute trafen sich, im Oval Office zum Beispiel. Oder «auf dem roten Teppich», der kann auch nicht allein konferieren.
Ebenso wenig ein Dorfplatz, auch wenn das so in der Presse vermeldet wird: «Das neue Dorfzentrum ist einen Schritt weiter». Ob es wohl neue Wanderschuhe bekommen hat, das Dorfzentrum? Wobei, nur für gerade einen Schritt …
Wahrscheinlich sind die Behörden mit der Planung etwas weitergekommen. Langsam hoffentlich. Nicht, dass plötzlich vermeldet werden muss, das Dorfzentrum sei davongelaufen. Ins Nachbardorf womöglich.
