Jeder Mensch gerät im Lauf des Lebens in Grenzsituation. Dieser Begriff hatte Karl Jaspers durchdacht und ausgeleuchtet. Für den Philosophen ist eine Grenzsituation jener Moment, in dem die existenzielle Angst den Menschen erfasst. Die letzte und endgültige Grenzsituation ist der Tod, dem der Mensch nicht entkommt. Tritt dieser Moment ein, wird der Sterbende alle seine Ansprüche aufgeben müssen. Das kann ihn in Angst versetzen. Jeder besteht diese letzte Prüfung auf seine Art.
Eine Grenzsituation, die der Mensch selber geschaffen hat, ist die Angst vor der Atombombe. Im Ukraine-Krieg droht der Aggressor damit und löst Schrecken aus. Die Atombombe könnte der letzte Akt des Ukraine-Krieges werden. Die Drohung schwebt über Europa. Im Iran wurde ein Krieg begonnen, weil Israel verhindern will, dass der Iran Atombomben baut. So wird der Krieg für Hunderttausende Menschen zu einer Grenzsituation.
In diesem Hitzesommer stehen Menschen nun in einer neuen Grenzsituation, die es trotz früheren ähnlichen Ereignissen in dieser Härte bei uns nicht gegeben hat. Die Wiesen trocknen aus, die Flüsse fliessen träge dahin, die Fische sterben und die Äcker werden langsam zu Wüsten. Bauern leben bereits in der Grenzsituation und die Angst wächst, dass das Futter für den Winter schon im Sommer verfüttert werden muss. Auf den Alpen fehlt das Wasser.
Die Menschen geraten in die existenzielle Angst, alles zu verlieren. Das Bewusstsein mahnt, dass es so nicht weitergehen kann, denn der von den Menschen verursachte Klimawandel zerstört die Natur mit überbelasteten Schadstoffen. Wir selbst sind die Verursacher unserer Nöte. Die Angst, die man lange fern vor unserem Land gesehen hat, ist uns auf den Leib gerückt. Die besonders Betroffenen erleben die Grenzsituation als Existenzverlust. Mit bagatellisierenden Ausreden, solche Situationen habe es immer schon gegeben, lässt sich die Angst nicht vertreiben.
Der Basler Philosoph Anton Hügli* schreibt: «Wenn Menschen dieser Grenzsituation voll und ganz bewusstwerden und sich nicht länger darüber hinwegtäuschen mit Illusionen wie die, dass irgendeine Instanz dieser Welt (oder Gott) uns retten könnte, oder dass es schlicht genügte, fortzufahren wie bis anhin, nur mit besseren politischen, militärischen und diplomatischen Massnahmen . . .», müssten sie die Gefahr ernstnehmen. Der Mensch in seiner Hybris glaubt, er könne mit technischen Mitteln das gute Leben herstellen. Zugleich erwartet die Mehrzahl eine Antwort vom Staat. Sind diese Erwartungen nicht trügerisch?
Die Klimaerwärmung ist ein langer Prozess. Lange hatte die verletzte Erde in unseren Breitengraden geschwiegen, bis sie sich in diesem Hitzesommer mit Waldbränden und Wassernot äussert stark meldet und uns Menschen aufzeigt, was eine Grenzsituation bedeutet. Die Leidtragenden erleben nun den Schrecken des Erkennens, dass wahr wird, was die Klimaforscher schon vor Jahrzehnten vorausgesagt haben.
Die zunehmende existenziell Bedrohung kann nicht weggeredet werden. Aber trotzdem können rigorose Massnahmen politisch nicht durchgesetzt werden. Menschen glauben, es gebe genügend schöpferische Potenzen, mit denen das Schlimmste verhindert werde und regnen werde es auch wieder. Vielleicht aber geht ein goldenes Zeitalter zu Ende.
Nun spricht die Erde ein Machtwort. Ich meine, sie sagt, die spielerische Zeit der Vergnügungen, des Massentourismus, Konsumismus ist vorbei. Ihr könnt mit KI alles wissen, aber zum Leben braucht ihr das Geschenk der Erde. Wenn ihr aus der Grenzsituation, die ihr selbst geschaffen habt, herauskommen wollt, dann gelingt dies durch eine bessere Pflege und Sorgfalt.
*Anton Hügli: Aus einem mir zugänglichen Vortrag


Die Menschen, die in einer ungebremsten Kapital orientierten Welt leben, werden nicht freiwillig die Annehmlichkeiten des sog. modernen Lebens aufgeben, sei es noch so dekadent und zerstörerisch für die Natur und allem was darin gedeiht. Das menschliche Gehirn, vor allem jedoch das männliche, ist noch immer im Überlebens Modus aus der Urzeit.
Warum sonst zerstören Männer immer noch weltweit allmählich unseren Planeten mit brutalen Kriegen, sinnloser Gewalt an Frauen, Kindern, Familien, anders Denkenden, durch Ausbeutung von Natur, Menschen und Tieren oder aus lauter Gier nach Macht, Reichtum und aus einem dummen, unrealistischen und zutiefst ungerechten Überlegenheitsdenken?
Unsere westliche «Kultur» wird zu Grunde gehen, wenn sich nicht jeder einzelne von uns mit aller Kraft bemüht, sich und sein Leben zu hinterfragen und aktiv mithilft, unsere einzige Heimat, die Erde, in einen besseren Ort für alle zu verwandeln. Meine Meinung.
Danke für den Artikel. Möge er als Aufruf zur Umkehr bei uns allen ankommen.
Auch bei den Regierungen. Vielleicht müssten gewisse Entscheidungen für das Gemeinwohl und den Planeten Erde wenn nötig mit Notrecht durchgesetzt werden. Ohne die Mächtigen, die Reichen und Superreichen zuerst um Erlaubnis zu fragen. Ohne die Einwände der Tourismusverbände, Fluggesellschaften, Banken und der Industrie aufzunehmen.
Für den Philosophen ist eine Grenzsituation jener Moment, in dem die existenzielle Angst den Menschen erfasst. Die letzte und endgültige Grenzsituation ist der Tod, dem der Mensch nicht entkommt. Tritt dieser Moment ein, wird der Sterbende alle seine Ansprüche aufgeben müssen. Das kann ihn in Angst versetzen. Jeder besteht diese letzte Prüfung auf seine Art.
Genau aus diesem Grund hast du offensichtlich diesen Artikel geschrieben. Die Erde wird auch ohne uns weiter existieren!
Im Juni 2025 wurde an der zurückweichenden Gletscherzunge des Morteratschgletschers im Engadin ein außergewöhnlicher Fund gemacht: der Wurzelstock einer mächtigen Lärche (Larix decidua), die vor über 10.000 Jahren wuchs und seitdem von Gletschereis überdeckt war.
Dieser Fund ist von großer wissenschaftlicher Bedeutung, da er die Dynamik der Gletscherentwicklung und die klimatischen Schwankungen der Alpen über die letzten 10.000 Jahre dokumentiert. Er zeigt, dass nach der letzten Eiszeit rasche Gletscherrückzüge und -vorstöße stattfanden, die Vegetation in hochalpinen Lagen ermöglichten und wieder zerstörten. Der Baum von Morteratsch illustriert eindrucksvoll, wie Gletscher und Klima über Jahrtausende interagieren.
Daran ändert sich nichts, auch wenn Lisa Mazzone fast täglich ihre ideologisierten Klimagebete an ihre Sektenmitglieder verbreitet,
oder Prof. Knutti Politik statt Wissenschaft betreibt!
Soviel Allgemeinwissen verbreiten, um endlich mit seiner Meinung zwei Mitmenschen aus dem öffentlichen Leben zu verunglimpfen. Es ist die «heilige» Pflicht der Präsidentin der Grünen, die Bevölkerung mit Vehemenz auf die Dringlichkeit des Klimawandels hinzuweisen. Dass sie Albert Rösti zur Abgabe seines Departementes auffordert, weil er seiner Aufgabe nicht gewachsen ist oder ganz einfach eigene Interessen verfolgt, entspricht mittlerweile auch der Meinung schweizweiter Kreise von Bürgerinnen und Bürgern. Und wollen Sie tatsächlich Prof. Knutti, einer anerkannten Kapazität, das Recht auf seine politische Meinung, verweigern? Herr Reber, ihre Ideologie macht mich nachdenklich.