StartseiteMagazinLebensartEin Gürtel zum Geleit

Ein Gürtel zum Geleit

Nach einem frühen Tod wurde im frühen Mittelalter im heutigen Niederwangen ein Kind mit einem kostbaren Gürtel bestattet. Bei Ausgrabungen ist der Archäologische Dienst das Kantons Bern auf das Schmuckstück gestossen, das nun Gegenstand einer Publikation und eines Vortrags wird.

Das Wangental in der Gemeinde Köniz war im Frühmittelalter ein bedeutender Siedlungsraum. Durch archäologische Ausgrabungen von 1998 bis 2012 sind allein in Niederwangen bislang über 120 Gräber aus dem 6. bis 9. Jahrhundert n. Chr. bekannt. Der Archäologische Dienst legt demnächst eine neue Publikation darüber vor. Nach der Bergung von Funden auf den Ausgrabungen, konservatorischen Massnahmen im Labor und einer abgeschlossenen detaillierten Analyse treten einige besondere Stücke hervor, wie diese silbertauschierte Gürtelgarnitur aus dem 7. Jahrhundert n. Chr.

Das Ensemble von 17 erhaltenen Metallteilen stammt aus dem Grab eines Kindes von 4 bis 8 Jahren. Der Kindergürtel war besonders fein verziert und hatte in der Herstellung hunderte feine Einlagen und Schläge mit kleinsten Punzen benötigt, mit dem die Silberverzierung und Messingtauschierung ins Eisen eingedrückt worden waren. Am schmalen Ledergurt des Kindes hingen Riemen oder Bänder, deren Abschlüsse gleich gefertigt und zusätzlich mit winzigen Kreis- und Kreuzverzierungen versehen waren.

Derartig verzierte Gürtel haben ihren kulturgeschichtlichen Ursprung bei Reiternomaden in Zentralasien. Die Bändel klapperten und flatterten beim Galopp zu Pferde. Diese Gürtelmode wurde über das byzantinische Reich und die Langobarden in Italien in unsere Gegend vermittelt.

Vom Gürtel mit Riemen sind 17 Metallstücke mit Silbereinlagen erhalten geblieben. Foto: © ADB/SAB, Daniel Marchand

In der Tracht der damaligen Bevölkerung hatten gewebte und gefärbte Stoffe eine hohe Bedeutung. Glänzend verzierte Gürtel waren darüber hinaus ein besonderer Blickfang. Auf die Ledergürtel wurden Schnallen und Beschläge genietet, die aus Eisen geschmiedet, aber oft mit glänzenden Metalleinlagen – sogenannten Tauschierungen – verziert waren. Das kleine Kind mit dem besonderen Gürtel lag neben weiteren Gräbern auch an einem aussergewöhnlichen Bestattungsplatz. Hierfür hatte man sich im frühmittelalterlichen Niederwangen jahrhundertealte Gemäuer eines römischen Gebäudes gesucht und deren Ruine als Bestattungsort wiederverwendet.

Am 10. September 2026, 18.30 Uhr präsentiert der Archäologische Dienst des Kantons Bern die neue Publikation «Niederwangen im 1. Jahrtausend» an einer öffentlichen Vernissage im Oberstufenzentrum Köniz. Mit Sibylle Birrer, Vorsteherin Amt für Kultur, Tanja Bauer, Gemeindepräsidentin Köniz und Adriano Boschetti, Kantonsarchäologe. Mit einem Vortrag von Hauptautorin Christiane Kissling.

Text und Fotos: Archäologischer Dienst des Kantons Bern.

Titelfoto: Das mittige Kreuz ist kleiner als 3 Millimeter. Foto: © ADB/SAB, Badri Redha

 

Spenden

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, Sie zum Denken angeregt, gar herausgefordert hat, sind wir um Ihre Unterstützung sehr dankbar. Unsere Mitarbeiter:innen sind alle ehrenamtlich tätig.
Mit Ihrem Beitrag ermöglichen Sie uns, die Website laufend zu optimieren, Sie auf dem neusten Stand zu halten. Seniorweb dankt Ihnen herzlich.

IBAN CH71 0028 7287 1801 7101 L

Newsletter & Mitgliedschaft

Lernen Sie uns über den kostenlosen Newsletter kennen und werden Sie Mitglied von Seniorweb.

Beliebte Artikel

Mitgliedschaften für Leser:innen

  • 20% Ermässigung auf Kurse im Lernzentrum und Online-Kurse
  • Reduzierter Preis beim Kauf einer Limmex Notfall-Uhr
  • Vorzugspreis für einen «Freedreams-Hotelgutschein»
  • Zugang zu Projekten über unsere Partner
  • Massgeschneiderte Partnerangebote
  • Buchung von Ferien im Baudenkmal, Rabatt von CHF 50 .-