FrontKolumnenStreitpunkt Familienpolitik

Streitpunkt Familienpolitik

Oder wie ein hohes Gut zerredet wird

Unsere Zukunft sind nicht wir. Unsere Zukunft sind unsere Kinder. Für sie arbeiten, sorgen wir, für sie sind wir da, auch wenn sie erwachsen sind, auch wenn sie selber Kinder haben. Einen Milliarden-Beitrag leisten wir Grosseltern volkswirtschaftlich bei der Unterstützung, bei der Kinderbetreuung, selbst dann, wenn wir nur ihren Garten richten, der bei den Kindern zu kurz kommt.

Der demografische Wandel ermöglicht es, dass wir übernehmen, was unsere erwachsenen Kinder neben ihrem Job nicht mehr zu leisten vermögen: vor allem die alleinige Kinderbetreuung. Nur: Nicht alle können gleichermassen davon profitieren. Der Beruf hat sie zwangsweise in eine andere Stadt, in einen anderen Kanton geführt. Sie sind auf sich alleine gestellt, sind auf Hilfe von aussen angewiesen. So gehört die Grossfamilie endgültig der Geschichte an. Die bäuerliche Gemeinschaft kann definitiv nicht mehr in die Zukunft gerettet werden. Zu eng sind die Wohnverhältnisse, zu teuer angemessene Wohnsituationen, zu unterschiedlich die Lebenssituationen.

Es bildet sich einen neue „Familie“. Nicht nur, weil beinahe jede zweite Ehe geschieden wird, sondern auch deshalb, weil die gesellschaftliche Entwicklung neue Lebensformen geradezu erfordert. Der normale 8-Stunden-Arbeitstag weicht zusehends neuen Arbeitsabläufen. Hohe Flexibilität wird zusehends zur Normalität. Das Handy, das mobile Internet ermöglichen eine dauernde Präsenz.

Die Frauen nehmen den Platz und den Raum ein, der ihnen in Gesellschaft, in Bildung, Politik und Wirtschaft zusteht. Sie sind immer besser und angemessener ausgebildet und nehmen für sich in Anspruch, was wir Männer schon immer taten: Beruf und Familie unter einem Hut zu vereinen. Der genormte Schulalltag kann nicht mehr in Übereinstimmung mit dem neuen Familienleben gebracht werden. Der gemeinsame Mittagstisch ist nur noch eine Ausnahmeerscheinung, das gemeinsame familiäre Abendessen muss extra geplant, oft erzwungen werden.

Die Gesellschaft befindet sich in einem enormen Wandel, weit stärker in den urbanen Zentren als auf dem Land. Davon zeugt auch das Abstimmungsresultat über den Familienartikel am 7. März 2013. Das Volk stimmte zu, die ländlichen Kantone bestimmten das Ständemehr und konnten so eine angemessene Reaktion auf den Wandel für Erste verhindern.

Der Wandel ist nicht aufzuhalten

Doch der Wandel ist unaufhaltsam, auch wenn sich bewahrende, konservative Kreise mit aller Kraft dagegen stemmen und mit allen Mitteln versuchen, zu retten, was nicht mehr zu retten ist: die traditionelle Familie. Die Debatte im Nationalrat, die Arena vom letzten Freitag waren beherrscht von einem gehässigen Gezänk. Die SVP-Initiative, die einen Steuerabzug von etwa 10`000 CHF für die Familien fordert, welche ihre Kinder zu Hause betreuen, wird als politische Aktion für „zurück an den Herd“ diffamiert. Die Kinder der Linken, deren Eltern subventionierte Betreuungsplätze einfordern und eben diese steuerliche Entlastung bereits geltend machen können, werden mit dem Etikett „Staatskinder“ versehen. Die Gegensätze sind kaum zu überbrücken, auch wenn bei den bürgerlichen Parteien CVP und FDP die Konfliktlinie mitten durch die Parteien gehen, hier fortschrittliche Frauen, da traditionell politisierende Männer. Nur die eigentlich Betroffenen standen und stehen nicht im Vordergrund dieser Debatten: unsere Kinder und Kindeskinder.

Für sie haben wir die Zukunft zu richten. Sie haben Anrecht auf eine liebevolle Betreuung, sowohl zu Hause als auch, wenn sie in den Kindertagesstätten betreut werden. Das Gezänk um unkoordinierte, parteipolitisch ausgerichtete Entlastungsvorschläge führt nur zu einer immer unübersichtlicheren Steuerpolitik, zu einem nervenden Gebastel. Wie die St. Galler Ökonomie-Professorin Monika Bütler fordert, ist die frühkindliche Bildung in unserer aktuellen Gesellschaft völlig neu zu ordnen. Mit dem heutigen Wildwuchs bei den subventionierten und überreglementierten Kinderbetreuungsangeboten müsse schleunigst aufgeräumt werden. Sie fordert eine Steuerreform, die die Familien mit Kindern entlastet und vor allem eine reduzierte Steuerbelastung des Zweitverdienstes mit sich bringt.

Genauso wie wir im 19. Jahrhundert die Schule zur Volksschule machten, genauso müssen wir die Kinderbetreuung als Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen lernen, geschieht sie zu Hause oder auch ausserhalb. Noch sind überregulierten Kinderbetreuungsplätze für viele Eltern unerschwinglich oder so teuer, dass der gesamte Verdienst der Frau draufgeht. Das ist weder im Interesse der Gesellschaft noch der Wirtschaft und vor allem nicht im Interesse der Kinder.

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