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Wörter per Zufallsgenerator

Ein falsches Wort kann eine Ehekrise auslösen, eine Freundschaft auflösen, für dicke Luft sorgen. Ein falsches Wort in der Zeitung wiegt nicht schwer. Sonst hätte es nicht so viele.

Fangen wir mit einer tragischen Geschichte an: Tödlicher Baumsturz, steht im Titel einer Unfallmeldung. Was ist da nur geschehen? Ist ein Baum umgestürzt und dabei gestorben? Oder ist jemand vom Baum gefallen? Oder ist ein Baum umgefallen und jemand ist dabei zu Tode gekommen? Das Letztere ist richtig.

Aber der Baumsturz tönt doch irgendwie falsch. Gut, ein Umsturz wars auch nicht. Den Baumsturz muss in diesem Zusammenhang einfach beiseite gelassen werden: Morscher Baum erschlug Mann, wäre eine aussagekräftige Titelzeile.

Knapp daneben

Das rechte Wort zur rechten Zeit ist auch in der Zeitung manchmal nicht zur Stelle. Und man behilft sich mit einem ähnlich tönenden. Und schickt damit die ganze Sprachkultur aus Mangel an Reflexion einfach zum Teufel. Weil es ja fast richtig tönt. Zum Beispiel, wenn ein Bewerber für ein Restaurant den Zuspruch erhält. Nah dabei ist auch daneben. Den Zuschlag hat er erhalten. Zuspruch braucht er vielleicht später, wenn die Beiz nicht so gut laufen sollte.

Oder jetzt im Herbst, wo überall welkige Blumen mit hängenden Blättern und verdorrten Blüten zu sehen sind. Bisher hiess das Adjektiv welk oder verwelkt. Nicht welkhaft oder welklich – und auch nicht welkig. Ins selbe Kapitel der Wörterverbiegung gehört die Aromatik. Eine Frucht, ein Gericht kann aromatisch sein, das Substantiv dazu kommt indes einfacher daher, heisst einfach Aroma.

Endung gut, alles gut?

Die Unsitte, einem Substantiv noch eine Endung anzuhängen – die Freudigkeit, die Problematik, die Mangelhaftigkeit – führt oft einfach zu schwerfälligeren – und nicht wie beabsichtigt, zu schwergewichtigeren  – Sätzen. Es gibt natürlich Ausnahmen. Eine Liebe, zum Beispiel, ist etwas Anderes als eine Liebschaft.

Ins gleiche Kapitel gehört die Zonierung. Noch nie gehört? Aber in einer Zeitung war es so zu lesen: Von der Zonierung her sei das Projekt realisierbar. Nicht etwa aufgrund des Zonenplans oder der Bau- und Zonenordnung. Wieder so eine Kreationierung – oder so ähnlich.

Fürs Kopfkino

Zum Schluss noch eine Berichterstattung, die Bilder im Kopf heraufbeschwört: Da tigert jemand herum und schüttelt Hände, während hinter ihm die Bagger ihre Runden drehen, auf die seine Blicke schweifen. Mit der Ergänzung, dass die Bagger seit zwei Wochen auffahren.

Da wird es doch Zeit, dass sie endlich mit der Arbeit beginnen. Und nicht einfach Runden drehen. Dafür könnte der Tiger seine Runden drehen und Hände schütteln und seine Blicke müssten nicht mehr auf den Baggern herumschweifen. Hoffentlich gelingt das Bauvorhaben, dessen Start so holprig beschrieben wird. Blöd, wenn die Balkone wegtigern und die Fenster abschweifen würden.

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