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Mein Hut, der hat drei Ecken…

Alles unter einen Hut zu bringen, ist beim Thema «Hut» kein einfaches Unterfangen, zu vielfältig und unterschiedlich sind Formen und Geschichte des Hutes.

Der Reiz des Themas Hut liegt in der Spannung zwischen praktischem Nutzen, Zugehörigkeit zu einer gewissen Gesellschaftsschicht, Wunsch nach Schönheit und Attraktivität. Der Hut drückt einerseits Tradition und Konvention aus, anderseits den Anspruch, Individualität und Geschmack des Trägers oder der Trägerin hervorzuheben.

Strohhut mit Muschelornamenten aus Dajak, Borneo

Der Hut muss für vieles herhalten: Von alten Hüten wollen wir nichts mehr wissen. Aus Respekt zum Gruss den Hut zu ziehen – vor 100 Jahren noch gang und gäbe – ist heute ziemlich aus der Mode gekommen. Dafür geschieht es oft genug, dass jemand, der in seiner Aufgabe versagt hat, den Hut nehmen muss – auch wenn er im Leben nie einen Hut aufsetzen würde. Aber sind Hüte zu Ladenhütern geworden? Das nun doch nicht gerade, obwohl sich in unserer Gegenwart Modediktate nur noch bedingt durchsetzen. Ausgefallene Hüte verbreiten immer noch einen Hauch von Extravaganz. Auch Kinder vergnügen sich gern mit Hüten, ob diese nun drei Ecken haben oder nicht.

Raupenhelm eines Berner Dragoneroffiziers, 1848

Hüte bezeichneten vielfach die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen, zu gewissen Regionen oder Berufen. Es gibt Anlässe, in denen auch heute noch ein bestimmter Hut zu tragen ist: der Kardinalshut in der katholischen Kirche, der Doktorhut in angelsächsischen Universitäten, der Hut im Militär und in der Seefahrt sowie in verschiedenen Berufen – auch wenn Köche Wert darauf legen, dass ihre hohe weisse Kopfbedeckung «Kochmütze» heisst. Vergessen wir nicht den unsäglichen Tropenhelm, eine Mischung aus kolonialistischem Standessymbol und scheinbar praktischem Sonnenschutz. Der Tirolerhut, oft auch als Jägerhut getragen, wirkt in manchen Augen etwas lächerlich, diente aber im österreichischen Alpenraum als Identitätsmerkmal. Die Melone, der Hut des eleganten Herrn der 1920er Jahre, ist heute vielleicht weniger verbreitet, aber immer noch bekannt, nicht zuletzt durch den unvergesslichen Charlie Chaplin. Auch den Texanerhut kennen wir aus vielen Wildwestfilmen. – Und was wäre ein Kaminfeger ohne Zylinder?

Zylinder aus Haarfilz Schweiz um 1900

Der steif wirkende Zylinder galt als Hut des gehobenen Bürgertums und besass in seinen Anfängen ein revolutionäres Image. Sein Vorläufer war von französischen Hutmachern aus der englischen Mode übernommen worden und signalisierte Ende des 18. Jahrhunderts eine freiheitlich-revolutionäre Haltung. Er wurde von Männern getragen, die sich für die amerikanische Unabhängigkeit begeisterten, und in den deutschen Ländern von denjenigen, die den Ideen der Grossen Französische Revolution huldigten. Aber schnell verlor der Zylinder seine subversive Bedeutung. Schon 1824 konnte sich der bayerische Kronprinz Ludwig im Kreise seiner Kunstfreunde mit Zylinder malen lassen, ohne dass jemand an eine Revolution gedacht hätte.

grosser Filzhut aus Mexiko um 1900

Sich mit einem passenden, repräsentativen Hut portraitieren zu lassen, war übrigens über Jahrhunderte bei Honoratioren sehr beliebt. Denken Sie an Gemälde von Albrecht Dürer, Frans Hals, Rembrandt bis zu Van Gogh. Die standesgemässe Kopfbedeckung gehörte fraglos zu einem offiziellen Bildnis. Wer vollständig bekleidet sein wollte, trug einen Hut. Das blieb bis ins 20. Jahrhundert so, allerdings wählten die Portraitierten ihren Hut seit dem 19. Jahrhundert mehr und mehr nach individuellen Vorlieben aus. Der Hut, ausgefallen oder klassisch, diente von nun an als Merkmal ihrer Persönlichkeit, weniger als Zeichen des Standes. Bei den Damen wurden die Hutkreationen immer ausgefallener. Und das ist bis heute so: Denken Sie an die Treffen des englischen Adels, z.B. bei Pferderennen, wo die Damen sich mit ihren Hüten gegenseitig zu übertrumpfen versuchen.

runde Kappe aus Stoff, ganz mit Glasperlen bestickt aus Afghanistan 20. Jh.

In diesem Beitrag können nur einzelne Schlaglichter auf den Hut und seine Beziehung zu seinen Trägern und Trägerinnen in der jeweiligen Gesellschaft gesetzt werden. In allen Teilen der Welt erfanden die Menschen Hüte, die ihnen dienten und gefielen. Die sibirischen Pelzmützen sind uns ebenso bekannt wie die Bast- oder Strohhüte der Reisbauern in Asien. Jahrhundertelang trugen die Männer im arabischen Raum von Marokko bis Afghanistan einen Fez, bis Kemal Atatürk die Türkei in den 1920er Jahren in einen modernen, laizistischen Staat verwandelte und den Fez als «alten Hut» – Zeichen des Islams und des untergegangenen Osmanenreiches – verbot. Das Wort Fez (auch Fes oder Tarbusch genannt) wurde übrigens als Begriff für die typisch muslimische Kopfbedeckung vor allem in Marokko benutzt.
In der Türkei verschwand der Fez – ganz im Gegensatz zur Kopfbedeckung der Frau: Das Kopftuch als Bekenntnis zur muslimischen Religion erhitzt nun die Gemüter in Europa.

Bis zum 29. März 2015 zeigt das Schlossmuseum Burgdorf in Zusammenarbeit mit dem am gleichen Ort befindlichen Museum für Völkerkunde eine Ausstellung Hut & Co. Zu sehen sind die unterschiedlichen Formen von Hüten aus vielen Ländern und vergangenen Zeiten, Braut- und Federkronen, Tauf- und Trauerhauben, Strohhüte aus Nah und Fern. Sie sollen aufzeigen, dass der Hut in seiner grossen Vielgestaltigkeit auch Träger expliziter Botschaften sein kann.

Das Museum veranstaltet Führungen und einen Workshop.
Alle Informationen dazu sind auf der Webseite zu finden.

Alle Fotos: © Schlossmuseum Burgdorf BE

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