StartseiteMagazinKulturDie Ästhetik der Brücken

Die Ästhetik der Brücken

Christian Menn prägt mit seinen Brücken die Schweiz. Jetzt ist die erste grosse, reich bebilderte Monografie über ihn erschienen.

Der Bündner Bauingenier und ehemalige Professor der ETH Zürich Christian Menn gilt als der bedeutendste Schweizer Brückenbaur der Gegenwart. Über seine Bauwerke in der Schweiz brettern täglich Hundertausende Autos. Mit seinen inzwischen 88 Lebensjahren verfügt er über rund 60 Jahren Brückenerfahrung. Immer wieder gelang es ihm, mit seinen Entwürfen national und international Beachtung zu finden und Massstäbe zu setzen. Zu seinen bekanntesten Bauwerken gehören die Gantertalbrücke, die Bunken Hill Memorial Bridge in Boston sowie die Sunnibergbrücke bei Klosters.

Goldene Zeit für Brückenbauer

Gantertalbrücke am Simplonpass, 1977 – 1980

Jetzt ist eine reich bebilderte und umfassende Monografie des Brückenbauers Christian Menn im Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich, erschienen. Darin werden unter anderem 30 der wichtigsten Bauwerke und Projekte von Christian Menn mit grossartigen Fotografien von Ralph Feiner präsentiert. Menn zählt zu den international bedeutendsten Figuren des modernen Brückenbaus. Er steht in der Tradition der grossen Schweizer Ingenieure Othmar H. Ammann und Robert Maillart und hat doch eine ganz eigene Position inne.

Bunken Hill Memorial Bridge in Boston, 1998–2002.

Aufgewchachsen im Bündnerland, besuchte Christian Menn in Chur die Kantonsschule und studierte an der ETH Zürich Bauingenieurwesen. Nach ein paar Wanderjahren, die ihn auch nach Paris führten, kehrte er 1957 nach Chur zurück, wo er sein eigenes Ingenieurbüro gründet. Es ist eine goldene Zeit für Brückenbauer. Viele der 90 Betonbrücken, die er in seiner Karriere baute, stammen aus den sechziger und siebziger Jahren. “Wer heute von Thusis durch den San Bernadino fährt, ist auf einem regelrechten Christian-Menn-Erlebnis-Highway unterwegs”, schreibt ZEIT ONLINE. Auf der Nordseite sind es die Bauwerke in der engen Viamala- und Roflaschlucht, darunter die Cristawaldbrücke, und auf der Südseite die Zwillingsbrücken von Mesocco mit ihren filigranen Betonbögen.

 

 

 

Sunnibergbrücke – schönstes Bauwerk

Sunnibergbrücke bei Klosters, 1996 – 1998 (Fotos: Ralph Feiner)

Sein schönstes Werk im Bündnerland ist die Sunnibergbrücke zwischen Serneus und Klosters Dorf. Es ist eine ausgeklügelte Schrägkabelbrücke über das Tal. “Diese Brücke ist Kultur, ist ein Kunstwerk”, frohlockte der ehemalige Bundesrat Moritz Leuenberger in seiner Eröffnungsansprache. Aber Menn ist nicht nur ein Bündner Brückenbauer. Zu seinen bekanntesten Werken ausserhalb von Graubünden zählt die 678 Meter lange Gantertalbrücke am Simplonpass. Von 1980 bis zur Eröffnung der Poyabrücke in Freiburg 2014 war sie die Brücke mit der grössten Spannweite in der Schweiz. Erwähnung verdient auch sein Felsenau-Viadukt, der die Autobahn A1 übers Aaretal bei Bern führt.

Die schön gestaltete Monografie vermittelt auch für interessierte Laien einen anschaulichen Einblick in die mittlerweile berühmten Bauwerke und in die Kunst des Brückenbaus. Spürbar wird das persönliche Engagement von Christian Menn bei jeder seiner Brücken und seine intensive Auseinandersetzung mit der die Bauwerke umgebende Landschaft und Bergwelt. „Die Gestaltung einer Brücke erfordert einerseits viel Wissen, andererseits braucht man ein gewisses Gefühl dafür“, schreibt Christian Menn in bescheidener Art. Seine Brücken sind nicht nur reine Zweckbauten, sondern wahre Kunstwerke. Darüber legt die Ende November 2015 erschienene und mit 276 farbigen und schwarzweissen Bildern reich illustrierte Monografie ein beredtes Zeugnis ab. Hinzu kommen noch lesenswerte Essays, unter anderen von Architekturhistoriker Werner Oechslin und Schriftsteller Iso Camartin. Für Brückenfans ist dieser Bildband ein Muss.

Christian Menn, Brücken, Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich, ISBN 978-3-85881-455-5, Fr. 99.-

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