FrontKolumnenWas Wichtig ist wird Gross geschrieben

Was Wichtig ist wird Gross geschrieben

Zwar liegt die letzte Rechtschreibereform schon länger zurück, aber Einiges ist in den Köpfen hängengeblieben. Richtige – oder falsche – Gross- und Kleinschreibung zum Beispiel.

Wer früher recht hatte, hat heute Recht. Wer zuhause war, ist nun zu Hause. Wer skifahren ging, geht jetzt Ski fahren. Und was wichtig ist, wird Gross geschrieben. Nein halt, das wird immer noch klein geschrieben. Auch wenn das nicht mehr allgemein üblich ist. «Zu Verkaufen» liest man immer öfter. «Zu Vermieten», «zu Verschenken» auch. Da werden simple Verben substantiviert, um dem Angebot mehr Gewicht zu geben.

Gross oder klein, je nachdem

Dass nicht mehr jedermann auf der Höhe der Zeit ist, also rechtschreibemässig gesehen, verstehe ich sehr gut. Aber die Profis – und das ist unter anderem die schreibende Zunft – die mindestens sollten sich um korrektes Deutsch bemühen. Also nicht: «Das Bild kostet mehrere Tausend Franken» oder «Er hat mehr als Hundert Franken verloren». Es schreibt ja auch niemand «Das Billett kostete Drei Franken.» Ist halt nicht so viel wie hundert oder tausend Franken.

Zahlen an sich sind keine Substantive. Aber: «Das Bild kostete Zehntausende», oder «Er hat Hunderte von Franken verloren» da werden die Zahlen substantiviziert. Dazu auch, wenn es um Millionen geht. Da heisst es dann plötzlich «Drei Millionen Franken». Schwierig, diese Rechtschreibung.

Männer tragen Toupets

Wenden wir uns Leichterem zu. Der Schönheit einer Frau zum Beispiel. «Die Künstlerin trug auf der Bühne ein Toupet», steht da in einer Theaterbesprechung. Trug sie sicher nicht. Toupets, das sind die kleinen, fiesen Haarersatzteile, die in Slapstickfilmen den Männern immer dann vom (Glatz)-Kopf rutschen, wenn es ernst wird. Im Bett oder im Schwimmbad. Eine Frau aber trägt eine Perücke, denn sie will ja in der Regel keine kahlen Stellen unauffällig kaschieren, sondern mit falschen Locken und dichter Haarpracht brillieren.

Die verlängerte Wurst

«Die Wurst geht in die Verlängerung» ist zwar ein witziger Titel, tendiert aussagemässig aber gegen null. Heisst das, dass die Wurst, welche auch immer, länger wird – was ja mit Blick auf die Grillsaison nicht zu verachten wäre – oder dass «die Wurst» zum Fussball dazugehört? Also nicht zur Spielpause, sondern auf den Rasen.Und wer ist dann dort die Wurst? Der Stürmer, der daneben schiesst oder der im Goal, der keinen Schuss halten kann? Die Auflösung: Der Wurststand am Bellevue darf vorläufig stehen bleiben. Die verlängerte Wurst wird sich freuen.

Komma zu Leben oder Tod

Interviewfrage: «Könnten sie aufhören zu schreiben wie Philip Roth?». Und die Lesenden stutzen. Schreibt der Interviewte denn wie Philip Roth, ist er gar ein Plagiator, der Roths Ideen stiehlt, gar seinen Stil kopiert? Oder soll er, wie Philipp Roth es vor einiger Zeit für sich entschieden hat, mit dem Schreiben aufhören?

Wir wissen es natürlich alle: Da fehlt ein Komma. Und mir kommt bei solchen Interpunktionsfehelrn immer die Schulbuchgeschichte in den Sinn, wo der Zar ein Begnadigungsgesuch ablehnte – oder es doch guthiess? «Begnadige nicht nach Sibirien», schrieb er. Das Komma können Sie jetzt je nach Laune selber setzen.

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