Gesellschaft

1816 – Das Jahr ohne Sommer

Vor 200 Jahren erlebten das Zürcher Oberland sowie weite Teile der Ostschweiz die letzte schwere Hungerkrise.

Am letzten Maitag war ins Ritterhaus in Bubikon/ZH eingeladen worden zur Vernissage der Ausstellung „Schneesommer und Heisshunger“. Diese Ausstellung ist Teil des Projektes „1816 – Das Jahr ohne Sommer“, welches unter dem Patronat der Kulturkommission Zürioberland mit den verschiedensten Veranstaltungen in der Region und über die Region hinaus das Katastrophenjahr und seine Auswirkungen zum Thema macht.

Dölf Burkard, Präsident der Ritterhausgesellschaft Bubikon.

Gegen hundert Personen lauschten in der renovierten ehemaligen Kapelle des Ritterhauses den Melodien des Ad-Hoc-Chores „1816“ und dem Willkommgruss von Dölf Burkard, Präsident der Ritterhausgesellschaft Bubikon. Das Ritterhaus ist ein angemessenes Ambiente für die Ausstellung. Gilt es doch als die am vollständigsten erhaltene Johanniterkommende in Europa mit 800jähriger Geschichte. Dass es heute so gut erhalten ist, verdankt es den Bemühungen der Ritterhausgesellschaft seit 1936!

 

 

 

Regierungsrätin Jacqueline Fehr

Die Zürcher Regierung hatte es sich nicht nehmen lassen, durch ihre Kulturministerin, Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Grüsse, gute Wünsche und grosse Wertschätzung für das Wirken der regionalen Kulturförderung übermitteln zu lassen. Was das Projekt für die Identitätsstiftung der Region bedeutet, führte dann Werner Egli, Präsident der Kulturkommission Zürioberland und Stadtpräsident von Uster, in seinem überzeugenden Votum aus.

Das Herzstück der Veranstaltung bildeten die Ausführungen von Dr. Daniel Krämer, Historiker an der Universität Bern, der über Vulkane, Klima und Hunger forscht. Ihn ergänzten die Ausstellungsgestalter Pat Alder und Dr. Dominik Sauerländer.

So haben die Menschen im Jahre 1816 gegessen.

Der Ausbruch des Vulkans Tambora 1815 in Indonesien beeinflusste das Klima weltweit. Das hatte 1816 zu einem „Jahr ohne Sommer“ geführt, von dem Asien, Europa, Nordamerika betroffen waren. Auch in der Schweiz litten die Menschen. In den Regionen Zürioberland, Appenzell, Glarus gab es mangels Sonnenschein, als Folge von Kälte und Nässe, Missernten und eine grosse Teuerung. Aus lauter Hunger assen die Menschen damals Wurzeln, Moos, Hagebutten, Gras…..Die Todesfälle in den einzelnen Gemeinden überstiegen die Geburten bei weitem. Von der 1815 versprochenen Solidarität der Kantone des damaligen Staatenbundes war wenig zu spüren.

Ballade und Appenzeller Hackbrettmusik mit Philipp Langenegger und Werner Alder

Auch eine Delegation aus der Ostschweiz war ins Ritterhaus gekommen. Der Kurator Thomas Fuchs des Appenzeller Museums in Herisau wies auf die eigene laufende Sonderausstellung zum „Hungerjahr 1816/17“ hin. Philipp Langenegger trug die Ballade „sHatili – e truurigi Gschicht vom Johr 1817“ von Walter Rotach vor. Untermalt mit melancholischer Hackbrettmusik durch Werner Alder ging sie allen zu Herzen.

Anschliessend wurde die Ausstellung „Schneesommer und Heisshunger“, platziert in den oberen Räumen des Ritterhauses, durch Hans Thalmann, ehemaliger Stadtpräsident von Uster und Vater der Projektidee, eröffnet. Gezeigt werden verschiedenste Zeugnisse, Dokumente, Objekte der damaligen Hungerzeit.

Christine Bernet, Gemeindepräsidentin von Bubikon

Als letzte Rednerin verglich Christine Bernet, Gemeindepräsidentin von Bubikon, in eindrücklicher Weise die Katastrophenzeit von 1816 und die Situation ihrer Gemeinde mit unseren heutigen Lebensbedingungen. Damit leitete sie zum Apéro und zum individuellen Besuch der Ausstellung über.

Das „Jahr ohne Sommer“ liegt zweihundert Jahre zurück. Die damaligen Ereignisse sind aber topaktuell. Der Klimawandel ist eine der Herausforderungen der Gegenwart. Naturkatastrophen bringen immer wieder Not und Leid über ganze Regionen. Weltweit leiden Menschen unter Hunger. Der streitbare Jean Ziegler aus Genf bezeichnet das zu Recht als Skandal! Es ist sinnvoll und heilsam, sich durch die Ausstellung im Ritterhaus Bubikon und all die weiteren Veranstaltungen mit diesen Fragen konfrontieren zu lassen!

Programm und weitere Infos unter:

www.zürioberland-1816.ch

www.museum.herisau.ch

NZZ vom 1.6.16 „Der Sommer, der ins Wasser fiel“

Bilder: Josef Ritler