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Seine Autobiographie schreiben

Mit der nonprofit Internet-Cloudlösung www.meet-my-life.net ist es möglich, Lebensgeschichten und gelebte Alltagskultur ganz einfach zu erfassen.

Seine Biographie zu schreiben ist jetzt dank meet-my-life.net nicht mehr nur das Privileg von Berühmtheiten. Im Gegenteil sollen nun im ganzen deutschen Sprachraum quer durch alle Bevölkerungsschichten in den nächsten Jahren Tausende ihr Leben und ihre Lebensumstände ganz einfach aufschreiben können. So jedenfalls lautet die Zielsetzung der Schreibplattform www.meet-my-life.net.

Das aus der Universität Zürich mit Unterstützung des Instituts für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK) entwickelte Schreibkonzept erlaubt jedermann auf einfachste Weise, autobiografische Erinnerungen wachzurufen und zu verschriftlichen. Geschrieben wird «live» direkt im Internet, cloudbasiert und damit ortsunabhängig von jedem Computer aus. Die Publikation für die Öffentlichkeit, natürlich primär für die eigene Familiengeschichte, erfolgt simultan zum Schreiben als «work in progress», sofern man nicht die Variante «Privacy Option» wählt. Mit dieser webbasierten Cloudlösung wird sichergestellt, dass wertvolle Lebenserinnerungen nicht mehr auf lokalen PCs mit der Zeit verloren gehen, sofern sie überhaupt aufgeschrieben werden. Kommende Leser- aber auch Forschergenerationen sollen dank dieser nicht-kommerziellen Plattform einen Fundus an wertvollen Informationen, wie es früher war, erhalten.

Das Leben der Nachkriegsgeneration

Die Initianten dieses non-profit-Start-ups streben langfristig einen repräsentativen Querschnitt an Lebensgeschichten durch alle sozialen Schichten an. Ihr Credo: Jede Lebensgeschichte ist es Wert, dokumentiert zu werden. Inhalt ist viel wichtiger als literarische Perfektion, im Gegenteil ist die Imperfektion gerade auch ein Teil dieses überlieferten immateriellen Kulturgutes und Teil der schreibenden Person. Davon zeugt z. B. auch die äußerst bewegende Autobiographie des 81jährigen Deutschen Joachim Wollschon, die auf www.meet-my-life.net zu lesen ist: Als Teenager Flucht aus der DDR, Vergewaltigungen durch die Frau seines Lehrmeisters, jugendlicher Straftäter in St. Pauli, Fremdenlegionär, Weltenbummler, … Aber auch das Leben des bekannten Unternehmers Walter Fust ist nachzulesen, eines Arztes, der lange Jahre in Afrika gearbeitet hat, eines pensionierten, aber immer noch aktiven Pfarrers, einer ehemaligen Nonne.

Vereinfachtes Schreiben für jedermann

Damit besonders auch weniger Schreibgewandte ihre Lebensgeschichte aufzeichnen können, wurden so viele Schreibhemmnisse wie möglich aus dem Weg geräumt. Die größte Vereinfachung besteht darin, dass die Schreibenden nicht einfach vor einem blanken Bildschirm sitzen, sondern ihre Geschichte(n) auf Wunsch ganz einfach in Interviewform anhand von und 500 Fragen in über 40 Kapiteln und Unterkapiteln sozusagen im Dialog mit sich selbst erzählen können. Dabei sind die Schreibenden in der Auswahl der Kapitel und Fragen völlig frei. Sie können selbstverständlich auch von diesem Schreibvorschlag abweichen und ein eigenes Inhaltskonzept gestalten. Oder schon Bestehendes einfach übernehmen. Grundkenntnisse am PC und im Umgang mit Internet genügen vollauf, um sein Leben auf meet-my-life.net selbst aufzuschreiben und gleichzeitig zu publizieren. Der zeitraubende Prozess bis hin zu etwas Gedrucktem entfällt, wobei die Möglichkeit der Publikation eines „richtigen“ Buches dank der Exportfunktion als Worddokument jederzeit kostengünstig gegeben ist.

Schreiben im persönlichen Netzwerk

Speziell an diesem neuen Konzept sind nicht nur die Cloudlösung, die hilfreiche Vorstrukturierung als autobiographisches Interview, sondern auch das automatisierte Einladen von Verwandten, Freunden und Bekannten zum Lesen, Dokumentieren und Kommentieren des fortlaufend Geschriebenen. Damit müssen sich die Autorinnen und Autoren nicht mehr ausschließlich auf das eigene Erinnerungsvermögen verlassen. Es ist auch eine zusätzliche Schreibmotivation, eröffnet dies doch Chancen, lange eingeschlafene Kontakte mit früheren Lebensgefährten wieder aufleben zu lassen und sein soziales Netzwerk zu reaktivieren. Die damit verbundenen positiven Rückmeldungen verbessern gerade bei älteren Menschen ganz direkt das persönliche Wohlbefinden und Selbstwertgefühl, wie zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen. (Vgl. z. B. Maercker/Forstmeier: Der Lebensrückblick in Therapie und Beratung. Springer, 2012).

Projekt wird wissenschaftlich unterstützt

Unterstützt wird das Projekt von einem wissenschaftlichen Advisory Board mit renommierten Wissenschaftlern verschiedener Fakultäten. Darüber hinaus attestiert das Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK) der Universität Zürich, dass meet-my-life.net durch die Verschriftlichung von Oral History einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des kulturellen Erbes leiste. Gelebte Volkskultur und Lebensumstände sollen nicht mehr verloren gehen, sondern auf meet-my-life.net für die Nachwelt und die wissenschaftliche Forschung für immer erhalten bleiben. Das Geschriebene wird zusätzlich an der Universität Zürich in Word-Format gesichert, damit es der Forschung und Interessenten für alle Zukunft zur Verfügung steht.

Personen, die an der Publikation ihrer Lebensumstände interessiert sind, können direkt auf www.meet-my-life.net zu schreiben beginnen oder sich an customers@meet-my-life.netwenden. Besonders vertrauenserweckend ist, dass alle, die mit dem Gedanken spielen, ihre Lebenserinnerungen aufzuzeichnen, sich ohne Preisgabe des Namens zuerst für einen (obligatorischen) gratis Probemonat anmelden können, ohne ihren Namen bekannt geben zu müssen. meet-my-life.net will sich werbefrei ähnlich wie Wikipedia durch Gönner und freiwillige Jahresbeiträge der Autoren finanzieren; nur für das erste Jahr ist nach dem gratis Probemonat ein Kostenbeitrag von CHF 39.50 zu entrichten. (In der „Privacy Option“ CHF 49.50). In den Folgejahren möchten sich die Initianten diese Plattform durch freiwillige Beiträge der Autoren/-innen sowie von Gönnern und Sponsoren finanzieren.

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