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Der lichterglitzernde Weihnachtsbaum

«Ein gewaltiger Tannenbaum, der fast bis zur Decke reichte, geschmückt mit Silberflitter und weissen Lilien – und an der Spitze ein schimmernder Engel».

So erzählt Thomas Mann von Weihnachten bei den Buddenbrooks. Doch woher stammt dieser Brauch eigentlich? Bis Weihnachten veröffentlicht die Seniorweb-Redaktion unter dem Titel „O Tannenbaum“ Geschichten und Anekdoten rund um den Weihnachtsbaum. Den Anfang macht eine kleine kulturgeschichtliche Betrachtung des Weihnachtsbaums, der voller Mythen ist.

Symbol ewiger Lebenskraft

Um den Weihnachtsbaum ranken sich viele Legenden. Eine davon ist, dass er auf das Jubelfest der heidnischen Germanen zurückgehen soll. So haben die Germanen Tannenzweige zur Wintersonnenwende als Symbol ewiger Lebenskraft an öffentlichen Orten und vor ihren Häusern platziert. In nördlichen Gebieten wurden im Winter Tannenzweige ins Haus gehängt, um böse Geister am Eindringen zu hindern und die Hoffnung auf den nächsten Frühling zu nähren. Im Mittelalter wurden sogar ganze Bäume zu bestimmten Festlichkeiten, wie zum Beispiel der Maibaum, geschmückt. Begründet haben sie die Kultur des Weihnachtsbaums damit aber nicht.

Het Meifeest, 1798 in den Niederlanden.

Es gibt verschiedene deutsche Chroniken aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die erstmals von geschmückten Tannenbäumen berichten. Geschmückt zum Beispiel mit Äpfeln, Nüssen, Brezeln, Papierblumen, Puppen, Oblaten und „Zischgold“. Als Zischgold bezeichnete man goldglänzenden Flitter aus dünnen Metallplättchen. Den ersten Weihnachtsbaum mit Kerzen schmückte die Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien im Jahr 1611.

Im 18. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch zunächst bei hohen Beamten und wohlhabenden Bürgern in den Städten, da Tannenbäume zu dieser Zeit in Mitteleuropa noch knapp und daher sehr kostspielig waren. Aus dieser Zeit stammt auch eine der ersten literarischen Erwähnungen des Weihnachtsbaums. In seinem Roman “Die Leiden des jungen Werther” aus dem Jahr 1774 liess Johann Wolfgang von Goethe seinen Protagonisten an einem Sonntag vor Weihnachten vor einem aufgeputzten Baum mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln staunen.

Siegeszug rund um die Welt

Holzschnitt von Ludwig A. Richter (1803 – 1884)

Erst im 19. Jahrhundert hat sich der Weihnachtsbaum zu dem entwickelt, was er bis heute für die meisten Familien bedeutet: ein lichterglitzernder Mittelpunkt für die Bescherung. Es waren vorab die Fürstenhäuser, die den Weihnachtsbaum über ganz Europa verbreiteten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Festbäume erstmals mit mundgeblasenen Glaskugeln geschmückt und Ende des 19. Jahrhunderts traten in den USA die ersten Weihnachtsbäume mit elektrischen Lichtern auf. In dieser Zeit begann auch eine Weihnachtsindustrie zu blühen, die bis heute anhält. Im 20. Jahrhundert trat der Weihnachtsbaum schliesslich seinen Siegeszug um den Rest der Welt an.

Der Weihnachtsbaum galt jeher als eher bürgerliches Symbol, die katholische Kirche setzte sich lange gegen das unreligiöse Brauchtum zur Wehr. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Christbäume in katholischen Kirchen erlaubt. Papst Johannes Paul II. führte das Brauchtum schliesslich im Jahr 1982 im Vatikan ein, als der erste Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz in Rom aufgestellt wurde.

Heute ein Millionengeschäft

Und heute? Der Christbaum ist nicht mehr vom Weihnachtsabend wegzudenken. Auch in diesem Jahr werden wieder Abermillionen Weihnachtsbäume auf der ganzen Welt den Weg in das Wohnzimmer und auf öffentliche Plätze finden und die Herzen von Gross und Klein erfreuen. Heute sind Christbäume Massenware und generieren beträchtliche Umsätze. In der Schweiz werden jährlich rund eine Million Christbäume umgesetzt, was einem Umsatz von 40 bis 50 Millionen Franken entspricht. Neu kann man auch Weihnachtsbäume im Topf mieten. Das spart Zeit und ist laut Werbung „nachhaltig“. Und voll im Trend sind künstliche Christbäume mit oder ohne Lichterglanz in allen Grössen, die immer echter aussehen. Das Geschäft um den Weihnachtsbaum blüht wie nie zuvor.

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