FrontKolumnen«Männliches Elter unser…»

«Männliches Elter unser…»

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Unsere Gesellschaft hat seit geraumer Zeit ein gewaltiges Problem – jenes nämlich, dass es bei den Menschen zweierlei Sorten gibt, die sich in ein paar (allerdings wichtigen) Details unterscheiden. Natürlich ist dieser Unterschied nicht neu, und es braucht ihn ja auch, auf dass die Menschheit nicht aussterbe. Nein, das Desaster ist ein sprachliches! Wie lauten die beiden ersten Wörter, welche die Babies – kaum der Brust entronnen – in der Regel vor sich hin brabbeln? Genau: «Mama» und «Papa».

Das muss subito ein Ende haben, denn die lieben Kleinen, die sich verbal an Mutter und Vater zu wenden getrauen, äussern sich bereits in ihren vollen Windeln sexistisch! Ohne gross auf den Vater einzugehen (der spielt sowieso bloss eine untergeordnete Rolle), wird neuerdings der Ausdruck «Mutter» ins Visier genommen: Dieser sei ein «sexistisches Stereotyp, das die Frau in eine überlieferte Rolle dränge». Und darum – hört, hört! – seien die Bezeichnungen Vater und Mutter abzuschaffen und durch das Neutrum «das Elter» zu ersetzen. Wobei wohl mit männliches Elter und weibliches Elter jeweils darzulegen ist, welcher der beiden Menschen gemeint ist, die sich erdreisteten, zusammen ein Kind in die garstige Welt zu setzen.

Diese Schnapsidee wurde allerdings seinerzeit nicht etwa vom Emanzenverein Hintertupfigen anlässlich seiner jüngsten Generalversammlung im «Goldenen Ochsen» geboren, sondern stammt vom Ausschuss für Chancengleichheit des Europarats, der endlich unsere Muttersprache (pardon: Weibliches-Elter-Sprache) säubern und weitere diskriminierende Ausdrücke eliminieren will: Der «Fussgängerstreifen» wird zum «Zebrastreifen», der «Anfängerkurs» zum «Einstiegskurs», das «Mitarbeitergespräch» zum «Beurteilungsgespräch», und «Mannschaft» wird durch das gute alte deutsche Wort «Team» ersetzt. Die Hauptstadt eines zentraleuropäischen Landes (sie liegt an der Aare), die sonst ja nicht gerade für ihr Tempo bekannt ist, hat damals jedenfalls flugs einen entsprechenden Leitfaden für ihre Stadtverwaltung erlassen.

Doch zurück zur innovativen Wortschöpfung «Elter». Der Duden, diese durch nichts zu stürmende Bastion der deutschen Sprache, wird mitziehen, zweifellos – der macht ja praktisch jede verbale Vergewaltigung mit. Aber wie halten es denn die Kirchen und mit ihnen das Buch der Bücher, die Bibel? Vielleicht beten wir in Zukunft «Männliches Elter unser im Himmel, geheiligt werde dein Name…» Und das Glaubensbekenntnis? «Ich glaube an Gott, das männliche Elter, den Allmächtigen…». Und das vierte Gebot würde sich so anhören: «Du sollst dein männliches Elter und dein weibliches Elter ehren!»

Der Herr im Himmel möge uns vor solchem Irrsinn bewahren. Ja, Sie lesen richtig: «Herr» ist vorderhand noch nicht verboten, was mittlerweile nicht ganz selbstverständlich ist.

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