FrontKulturDie Geheimnisse der Grossmutter

Die Geheimnisse der Grossmutter

Eine Generationen-Zeitreise für Jung und Alt: Theo Fransz inszeniert in der Zürcher Schiffbau-Matchbox «Liebe Grüsse… oder wohin die Reise fällt».

Als Generationentheater angekündigt, handelt das im Jungen Schauspielhaus uraufgeführte neue Stück des holländischen Autors und Regisseurs Theo Fransz vom Jungen Moritz, der mit seinem Vater Fabian die Wohnung seiner Grossmutter Mathilde räumt. Überall scheinen Geheimnisse verborgen zu sein. Mit detektivischem Gespür entdeckt Moritz Ansichtskarten der Grossmutter von einem gewissen Alois, der in Mathilde verliebt war und bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, dass dieser auch der Vater seines Vaters ist. Es sind Ansichtskarten aus fremden Städten, die Alois bereiste und die Mathilde in Gedanken selbst bereist.

Eine rührende Familiengeschichte

Ausgebreitet wird eine rührende Familiengeschichte, die drei Generationen umfasst. Im Verlauf des Spiels ist die Grossmutter gleichzeitig auch die Mutter eines zweiten Jungen, der Moritz aus dem Haus jagen will. Die beiden bekämpfen sich in Bubenmanier mit Colt und Cowboyhut, bemerken gewisse Ähnlichkeiten, erkennen sich aber nicht. Und so wird nur die halbe Wahrheit aufgedeckt. Und das ist gut so. Das Haus wird schliesslich ausgeräumt und die Grossmutter geht ins Altersheim.

In Erinnerungen versunken: Lina Hoppe als Grossmutter Mathilde.

Gespielt wird auf einer schlichten, schmalen Bühne mit Tisch, Stühlen und bunten Teppichen, eingeklemmt zwischen zwei Zuschauertribünen (Bühnenbild: Bettina Weller). Transparente Vorhänge werden laufend auf- und zugezogen und darauf die bereisten Städte projiziert: Amsterdam, Paris, Wien und Rom. Es sind die Städte der Erinnerung, die Mathilde wiederaufleben lässt, ohne diese je bereist zu haben. Und es sind die Erwartungen und Sehnsüchte, die Mathilde mit diesen Städten verbindet. Da ist zum Beispiel der Opernball in Wien, den Mathilde mit Moritz tanzend in der Wohnstube aufleben lässt, derweil tanzende Paare und Kronleuchter auf die Vorhänge projiziert werden und so eine rauschende Ballnacht suggerieren.

Ein vertrautes Generationenbild

Zusammengetragene Ansichtskarten und Geschichten von Kindern und Seniorinnen und Senioren inspirierten Theo Fransz und das Spielensemble zu dieser Familiengeschichte. Geboten wird eine eindrückliche Zeitreise mit spannenden Dialogen, die die Lebenswelt einer Grossmutter und ihrer Kinder offenbart, die voller Geheimnisse ist. Ohne Bitternis werden diese in Rückblenden ans Tageslicht gezerrt, mit humoristischen Einlagen angereichert und so ein Generationenbild vermittelt, das vielen sehr vertraut ist.

Moritz, gespielt von Grégorie Gros, beim Lesen versteckter Ansichtskarten.(Fotos: Raphael Hadad)

Eine reife Leistung liefern die drei jungen Schauspieler Lina Hoppe, Daniel Kuschewski und Grégorie Gros. Sie meistern ihre Rollen mit Bravour und Cleverness. Gros spielt den Jungen Moritz erfrischend selbstbewusst, Hoppe mimt die Grossmutter Mathilde gekonnt charmant eigenwillig, Kuschwewski gestaltet seine Doppelrolle als Vater Fabian und als Junge überzeugend differenziert, hier streng und fordernd, dort verspielt und ungezogen. Alles in allem, gezeigt wird eine vergnügliche Familiengeschichte mit pädagogischem Touch, die für Jung und Alt gleichermassen unterhaltsam und inspirierend ist. Eine schöne Gelegenheit für Seniorinnen und Senioren, mit ihren Enkelkindern einen Theaterbesuch zu wagen.

Weitere Spieldaten: 18. März, 3., 4., 5., 7., 9. 11., 12., 17., 18., 23. April.

Vorheriger ArtikelDie ewigen Opfer
Nächster ArtikelMedizin ohne Schwellenängste

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel