FrontGesellschaftDer Urknall kommt in Hörweite

Der Urknall kommt in Hörweite

Mit Wissenschaftlern und Forscherinnen von Focus Terra auf Expeditionsreise ins Sonnensystem und darüber hinaus.

Wer hat schon kein Interesse am Urknall? Wer würde nicht gern erfahren, warum die Erde weder ein Wüsten- noch ein Wasser-, sondern unser blauer Planet ist? Oder wer möchte nicht live dabei sein, wenn die Marssonde InSight auf die Reise zum Mars ins All geschossen wird.

lllustration: Studio Nippoldt; Bilder: NASA, Fabian Neyer (modif.) © focusTerra – ETH Zürich

Nun gibt es die Chance, mit dem Team von FocusTerra auf grosse Expedition ins Weltall zu gehen – wenn auch nur virtuell in der neuen Ausstellung. Ulrike Kastrup und ihre Leute führen uns durch das Sonnensystem und machen überall da Station, wo über neueste Forschung an Universität und ETH zu berichten ist. Zu komplex, niemals zu kapieren, mögen Sie denken. Dem ist nicht so, die Forscherinnen und Wissenschaftler werden kurzerhand zu Helden von Comics gemacht, die in Sprechblasen und mit Grafiken berichten, woran sie gerade arbeiten. So leuchtet ein, was Peter Zweifel vom Department Erdwissenschaften bei der demnächst startenden Marsmission InSight erfahren will. Mit einer Sonde an Bord von InSight will er Marsbeben und Gezeitenauswirkungen sowie die Zusammensetzung des Planeten dokumentieren und zusammen mit zwei weiteren Experimenten aus der ETH mehr von der Entstehung der terrestrischen Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars) erfahren.

Studio Nippoldt; © focusTerra – ETH Zürich

Starten soll InSight in Regie der NASA am 18. Mai, denn Erde und Mars müssen in einer Konstellation stehen, die nur alle zwei Jahre auftritt, damit die Reise des Forschungsgeräts so kurz wie möglich wird. Bis Ende 2018 die ersten Bilder zur Erde und zur ETH auf den Bildschirm in der Ausstellung focusTerra gelangen, zeigt eine Simulation, wie InSight auf dem Mars landet, die Sonnensegel ausbreitet und die Arbeiten aufnimmt. Ein Modell der Forschungsanlage steht zudem im Mittelpunkt der Ausstellung.

Claude Nicollier, Wissenschaftler, live beim Selfie mit Claude Nicollier, Weltraumfahrer, gezeichnet, bei der Vernissage. © focusTerra / Matthias Auer

Die ETH ist ausserdem an den Weltraummissionen Swarm (Vermessung des Erdmagnetfelds) und LISA (Erfassung von Gravitationswellen) beteiligt. Aauch diese Forschungen werden in der Ausstellung so dargestellt, dass Laien sie mit ein bisschen Konzentration nicht nur nachvollziehen können, sondern dass wir Besucher das Glück über ein Resultat, das unerhört und neu ist, oder die Faszination beim Suchen nach Lösungen miterleben dürfen. Hier ist gemeinhin abwegige Forschung einleuchtend umgesetzt, und wir werden elegant beim üblichen Wissensstand über das Sonnensystem abgeholt. Doktoranden und Professorinnen, die an der ETH oder der Universität ihre Forschungen in Geophysik oder Isotopenchemie, Astrophysik oder Seismologie machen, erzählen uns von ihrer Arbeit und ihren Zielen. Gezeichnet hat die Comic-Geschichten die Illustratorin Astrid Nippoldt. Beispiele gefällig?

Maria Schönbächler ist Professorin für Geochemie und hat eine neue Theorie, wie das Wasser auf die Erde kam: Bislang galt, dass eisreiche Kometen Wasser auf die fast fertige junge Erde brachten. Schönbächlers Forschungen an Meteoriten legen nahe, dass viel früher Teile von Asteroiden, so genannte Chondriten, die auf die unfertige Proto-Erde trafen, die Wasserlieferanten waren. Der chemische Hinweis liegt darin, dass das Erdwasser dem Chondritenwasser viel ähnlicher ist, als jenem in den Kometen.

Experiment «Gravitationstrampolin». © focusTerra / Matthias Auer

David Sollberger entwickelte als Doktorand in der Explorationsgeophysik Methoden, um das Innere der Erde und anderer Himmelskörper zu untersuchen. Er probierte sie auch an den bisher für eher uninteressant gehaltenen Daten über den Monduntergrund aus, gesammelt bei den Apollomissionen. Nach 44 Jahren sagen diese Daten nun mehr aus, als man je erwartete. Zu Sollbergers Geschichte bietet die Ausstellung auch ein interaktives Spiel an: Per Knopfdruck zeigt ein Bildschirm die Seismogramme von Mond und Erde. Auch zu anderen Forschergeschichten gibt es Experimente im Mikroformat, die Besucher eigenhändig ausführen können: Beispielsweise können mit einem Werkzeug Krater in eine glatte Oberfläche geschossen werden, simulierte Meteoritenaufschläge

Henner Busemann misst Edelgase in Kometenstaub und in Proben aus dem Weltall. Studio Nippoldt; © focusTerra – ETH Zürich

Oder wir können erfahren, wie die Bahn einer Weltraumsonde anzulegen ist, wenn sie an einem Himmelskörper nahe vorbeifliegen und nicht von dessen Gravitation verschluckt werden soll. Oder das Gravitationsmodell des Sonnensystems als eine Art Trampolin mit Kugeln für Sonne und Planeten: Einsteins Relativitätstheorie, nämlich dass die Gravitation als Verformung von Raum und Zeit verstanden werden soll, wird verständlich. Bereits gelingt es, Gravitationswellen aus Milliarden Jahre alten Kollisionen im All aufzuzeichnen und zu hören. Die Hoffnung wäre, dereinst den Urknall vor vielen Milliarden Jahren zu hören. An diesen Forschungen ist die Doktorandin Neda Meshksar am Institut für Geophysik beteiligt, wie sie auf ihrer Comicgeschichte erzählt. Alle Bildergeschichten kann man in einem grossformatigen Comicbuch nachlesen, welches in der Ausstellung für 10 Franken gekauft werden kann.

Wer eine App auf sein Smartphone lädt und sich damit auf Entdeckertour begibt, dem wird am Ende eine exklusive Begegnung zuteil: Marsty, das grüne Marsmenschlein erwartet einen zum freundschaftlichen HiFive-Gruss. Durchaus ein Gadget für Grosselten, die bei ihren Enkeln punkten wollen, meint Ulrike Kastrup.

bis 16. Juni 2019
Teaserbild: Die Autorin mit dem Marsty – eine Begegnung dank der Augmented Reality App
Weitere Informationen zur Ausstellung Expedition Sonnensystem und zu den Begleitveranstaltungen finden Sie hier.

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