FrontKolumnenMan nehme....

Man nehme….

Aus aktuellem Anlass schaute ich wieder einmal in meine Kochbücher. Erscheinungsdaten, Autorinnen und Autoren, Themenschwerpunkte. Lauter überraschende Entdeckungen.

Die Bücher befinden sich in meiner Küche in einem Gestell, nebeneinander und übereinander auf einem Tablar mit den Massen: 51 cm breit, 30 cm tief, 31 cm hoch.

So kann man sich ungefähr eine Vorstellung von der Menge der gehorteten Bücher machen.

Ganz schwach erinnere ich mich, dass ich vor Jahren eine etwa gleich grosse Zahl solcher Bücher einem jungen Junggesellen verschenkt habe. Kochen war sein Lieblingshobby und er bezog zusammen mit Freunden eine erste eigene Wohnung. Ich erinnere mich auch an meine damalige Erleichterung. Entsorgen war bereits ein Thema!

Zur Klärung der Situation: Kochen war nie meine Leidenschaft, auch nicht meine Begabung. Bücher hingegen sind für mich noch heute begehrte Objekte. Ich musste mir geradezu angewöhnen, zuerst ein Buch wegzugeben,  bevor ich es durch ein neues ersetzte. Das gelang und gelingt manchmal, bei weitem nicht immer!

Deshalb betrachte ich meine Kochbücher vielleicht auch unter anderen Gesichtspunkten als das Kochfachleute tun würden. Beim Durchsehen interessierte mich vor allem eine Frage: Welches meiner Kochbüch ist das älteste? Es heisst «Schweizer Kochbuch», verfasst und herausgegeben von einem Alex. Buchhofer,  Küchenchef, Leiter der «Berner Kochkurse für Frauen und Töchter», gegründet 1889, Lehrer der Fachschule für junge Köche. Auf sechs Zeilen ist aufgelistet, dass der Autor tätig war in London, Ouchy, Menton, Vevey, Interlaken, Bern, Mülhausen, Dresden, Luzern, Rigi-Kulm, Zürich, Badenweiler, St. Moritz. Beeindruckend.

Ich halte die Fünfte Auflage in Händen (12.-15. Tausend), ohne Angabe einer Jahreszahl. Zum Glück ist auch das Vorwort zur ersten Auflage enthalten. Diese erschien in Bern im Jahre 1894. Mein Exemplar stammt aus dem Nachlass einer Tante, die in unserer Familie einen legendären Ruf als gute Köchin hatte.

Ebenfalls ein Schweizer Kochbuch ist die «Ächti Schwizer Chuchi» von Marianne Kaltenbach. Sie hat Schweizer Küchenrezepte rund ums Jahr gesammelt und sie in ihrem Buch monatsweise dargestellt. Es ist ein Vergnügen, die Monate durchzugehen und die entsprechenden Gerichte zu finden. Die «Luzerner Chügelipastete» natürlich im Januar, serviert beim Bärteli-Essen. Die «Schlaatemer Rickli» das Geheimrezept meiner Mutter, das sie von ihrer Schaffhauser Verwandtschaft übernommen hatte, im Mai. Denn die Rickli durften früher im Kanton Schaffhausen an keiner Hochzeit fehlen. Und im Dezember finden wir die verführerischsten Gebäcke, von denen mich die «Geduldszeltli» und die  «Hosenknöpfe» interessieren würden.

Schweizerisch ist auch das  Buch, das die Schweizer Botschaft in Washington seinerzeit herausgegeben hat unter dem Titel: «Lets Cook Swiss».  Die Rezeptüberschriften sind meist in Deutsch, die Übersetzung in Klammern. Da finden wir etwa «Nidwaldner Stunggis» (Pork Stew), «Fotzelschnitten» (French toast dipped in sugar and cinnamon) und «Basler Leckerli» («Basler Goodies»). Kochen als grenzüberschreitende Tätigkeit.

Kochbücher sind oft sehr schön aufgemacht. Eines, das eBalance Kochbuch aus dem AT-Verlag, kaufte  ich seinerzeit nicht wegen der 100 Erfolgsrezepte zum leichten Abnehmen. Sondern weil ich die Food-Fotografin Clara Tuma kannte. Und es mich faszinierte, dass auch Speisen in Szene gesetzt werden wollen und in Szene gesetzt werden können.

Um die Neugier, die sich da und dort vielleicht breit gemacht hat, zu befriedigen: Selbstverständlich ging es auch bei mir nicht ohne Betty Bossi-Kochbücher. Blitzschnelle Küche, Grossmutters Küche, Kochen für Kinder und weiteres findet sich da. Und eine «limited edition» mit goldenem Titelblatt, die Jubiläumsausgabe von 2006 zu «50 Jahre Betty Bossi».

Wenn ich diese Bücher so durchstöbere, durchblättere, finde ich da und dort Spuren des mehrfachen Gebrauchs. Bleistiftnotizen, mit denen ich ein Rezept auf das von mir gewünschte Mass heruntergeschrieben habe. Seiten, die sich beim Aufklappen wie von selbst öffnen. Im «easy day» von Betty Bossi stosse ich auf Namen von Gerichten wie «Kaspars Pflaumensüppchen», «Pasta mit Pesto und Amore» oder «Bacchus Bananas». Und denke, so ein gelegentlicher Aufenthalt in der Küche könnte zu einer wahren Bereicherung meines Alters werden!

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel