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Hommage an Bob Dylan

Die Zürcher Theatergruppe Hora feiert ihr 25jähriges Bestehen mit einer grandiosen Bühnenshow am Schauspielhaus Zürich zu Bob Dylans Universum.

Theater Hora, das einzige professionelle Theater der Schweiz, dessen Ensemblemitglieder geistig behindert sind, wird 25 und feiert sich selbst in einer grossen Bühnenshow mit einer Hommage an Bob Dylan. Insgesamt hat Hora bis heute über 50 Theaterprojekte auf die Bühne gebracht. Mit ihrem Stück «Disabled Theater» 2013 feierte die Truppe einen internationalen Grosserfolg und wurde auch zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Auch andere Stücke wie «Mars Attacks!», «Human Resources» oder «Normalität. Ein Musical» liefen erfolgreich. Letztes Jahr inszenierte Milo Rau gemeinsam mit dem Hora-Ensemble und professionellen Schauspielern im Schiffbau des Zürcher Schauspielhauses das Stück «Die 120 Tage von Sodom» nach Motiven von Pasolini und Sade, eine berührende und umstrittene Grenzerfahrung, die für viel Diskussion sorgte.

Unbändige Spiellust und unglaubliche Präsenz

Das neue am Schauspielhaus Zürich uraufgeführte Stück nennt sich «Bob Dylans 115ter Traum» und ist eine hintergründige Reflexion über den «unangepasstesten aller Popstars: Bob Dylan». Ausgehend von dessen Abstürzen und Höhenflügen, Spleens und Unberechenbarkeiten, spielt die Hora-Truppe in über 30 Szenen die eigenen Erwartungen an Bob Dylans Universum. Geboten wird ein schräger Assoziationsteppich an rührigen und nachdenklichen Auftritten, die nicht immer leicht zu entschlüsseln sind. Spürbar ist die unbändige Spiellust, mit der die Hora-Spieler mit ihrem Handicap sich selbst spielen, und die unglaubliche Präsenz, mit der sie ihre Rollen meistern.

Musizierend sich der Welt von Bob Dylan annähern. (zvg)

Das ganze Spektakel fängt schon im Vorfeld der Aufführung an, indem im Foyer die ganz in Weiss gekleideten Hora-Spieler mit Plakaten mit Aufschriften wie «An so einem Abend» durch die eintreffenden Zuschauer zirkulieren, auf der Bühne clowneske Figuren mit roter Nase zu Meeresrauschen ein Spielzeug-Unterseeboot hin- und herschieben, die sechsköpfige Musikgruppe und die Hora-Band-Sängerin Denise Wick Ross ihre Plätze einnehmen. Mit von der Partie ist Regisseur Michael Elber, der aus dem Hintergrund die Einsätze der Spielertruppe dirigiert. Die Spieler betreten mit dem Publikum schäkernd die Bühne, treten vors Mikrofon, erzählen allerlei Geschichten wie jene von Odyssee, schleichen gespensterhaft umher, zupfen, streichen und blasen auf Instrumenten, tanzen und lieben sich. Dazwischen spielt die Musikgruppe Dylan-Varianten, singt Denis Wick Ross mit rauher, monotoner Stimme Dylan-Lieder wie «We have a long way to go», werfen die Clowns Konfetti in die Luft, mischen sich einzelne Spieler unter die Zuschauer. Am Premierenabend tritt auch eine lettische Volkstanzgruppe auf.

Ein Panoptikum an Selbstdarstellungen

Alle Szenen sind schön choreografiert, die einzelnen Auftritte wohl durchdacht. Facettenreich hör- und erlebbar sind Wünsche nach Aufbruch und Liebe. Ein Panoptikum an Selbstdarstellungen wird ausgebreitet, die dem Thema des Abends, die Welt von Bob Dylan musikalisch und gedanklich zu reflektieren, variantenreich annähern. Meist bleibt es beim Versuch. Das tut dem Vergnügen an dieser bunten Bühnenshow keinen Abbruch. Unverkennbar ist die ansteckende Spielfreude der Hora-Truppe, die den Abend unvergesslich macht. Dafür gabs am Premierenabend tosenden Applaus.

Michael Elber, der vor einem Vierteljahrhundert Hora mitgründete, wird Ende Jahr die künstlerische Leitung abgeben. Weil ihm ein wenig die Kräfte ausgegangen seien, sagt er. Er ist mitverantwortlich am beachtlichen Erfolg von Hora. Dafür gebührt ihm grosser Dank.

Theater Hora gastiert bis 8. Dezember mit «Bob Dylans 115ter Traum» an verschiedenen Spielstätten in der Schweiz. Nähere Angaben finden Sie unter www.hora.ch.

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