Kolumnen

Grossvater werden ist nicht schwer…

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Dass der Mensch während seines ganzen Lebens – also von der Wiege bis zur Bahre – lernen und dazu lernen muss, ist eine Binsenwahrheit. Und darum ist es höchst löblich, dass hierzulande die Elternbildung eine grosse Palette entsprechender Kurse anbietet: von «Wenn Ihr Kind krank ist» über «Pubertät – Zeit der Widersprüche» bis «Trennung, Scheidung – und die Kinder?» Super!

Beim Durchblättern des Angebots sträubten sich indessen unvermittelt meine Nackenhaare. «Schau mal, dieser Kurs!», rief ich meine Gattin herbei, «Grosseltern werden – was müssen Sie wissen?» Und während ich darüber zu lamentieren begann, was man den heutigen Grossmüttern alles zumutet, lächelte meine Frau milde: «Nicht Grossmütter – Grosseltern steht da ganz deutlich!»

Päng. Das sitzt. Und dann erst noch das Kleingedruckte: «Die Babypflege verändert sich laufend. Es werden Fragen zur Pflege, zum Thema Wickeln und Schlafen behandelt. Eigene Fragen und Wünsche können eingebracht werden.»

Jetzt kam der altgediente Grossvater ins Sinnieren. Wie kann ich 1.) um Gotteswillen beeinflussen, dass ich zum werdenden Grossvater werde? Wenn man Glück hat, erfährt man es irgendwann mal – oder vielleicht auch nicht. Es ist 2.) unbestritten, dass sich Grosseltern über gelegentliche Besuche ihrer Enkel in der Regel unerhört freuen: Sie sind ja so herzig und unser aller Stolz, diese Kleinen. Und ein allfälliges Wickeln liegt 3.) alleweil im Bereich des Möglichen (meist der Grossmütter). Aber warum müssen die älter werdenden Leutlein 4.) wissen, was sich in der Babypflege laufend verändert? Das ist 5.) doch wohl eher Sache der glücklichen Mutter und – sofern bekannt und vorhanden – des meist jungen Vaters, welche die Eckpfeiler ihres entsprechenden Wissens ganz ohne Kurs weiter vermitteln können. Also – wenn sie es können.

Oder könnte es sein, durchfährt es mich siedend heiss, dass die Schnapsidee der Bürokraten im Bundeshaus doch keine war. Da geisterte vor einiger Zeit die Absicht durch die Schweiz, Grosseltern müssten von wegen Hütens ihrer Enkel entsprechend ausgebildet sein. Allerdings verschwand die sogenannte «Grossmutterlizenz», als sie zum Lacher der Nation geworden war, sang- und klanglos in der Versenkung. Aber wenn ich es mir heute richtig überlege…

Sie haben ja recht, liebe Leser: Ich weiss, dass ich hochkantig durch eine solche Prüfung gefallen wäre, vielleicht – nein: wahrscheinlich, sogar ziemlich sicher – mit einem leisen inneren Lächeln. Und heute bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, dass nicht nächstens auch ein Kurs «Stilltreffen für frischgebackene Grosseltern» angeboten wird.

Man kann wirklich nie wissen.