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Unterschiedlicher könnten sie nicht sein

Karin Keller-Sutter und Viola Amherd: vier Monate nach ihrem Amtsantritt

Seit dem 5. Dezember 2018 sitzen Karin Keller Sutter und Viola Amherd im Bundesrat. Karin Keller-Sutter, immer elegant gekleidet, schon vor ihrer Wahl. Seit sie Johannes Schneider Amann vor acht Jahren den Vortritt lassen musste, war sie auf Bundesrats-Kurs. Viola Amherd war schon auf ihrem Rückzug aus Bern, heim ins Wallis. Sie hatte es zur Vizefraktionschefin der CVP gebracht, hat ruhig, umsichtig, kompetent, aber auch unauffällig, ja unaufdringlich im Nationalrat für ihre Partei, die CVP, die Fäden gezogen. Sie ist mir zum ersten Mal 2005 begegnet. Sie war in den Nationalrat gewählt worden und unterzog sich einem Kurs der Universität St. Gallen für neugewählte Parlamentarierinnen.

 

Etwa 12 waren es, die vom Angebot Gebrauch machten. Es ging um die parlamentarischen Instrumente, um Postulate, Motionen, Parlamentarische Initiativen und um das, was ein neugewähltes Mitglied der Bundesversammlung alles wissen muss, wenn es effektiv und erfolgreich mitwirken will. Es ging aber auch um die Kommunikation: Wie schreibe ich eine Pressemitteilung, wie verfasse ich ein Statement für das Fernsehen vor der Kamera, für das Radio vor dem Mikrophon, wie bereite ich mich auf ein Fernseh-Interview vor, welche Anforderungen stellt eine Arena an Neugewählte?
Viola Amherd war äussert aufmerksam, wollte alles wissen, wollte alles probieren, hinterfragte dieses und jenes und liess sich nicht so leicht überzeugen. Schlicht: Eine lernbegierige, offene Neuparlamentarierin.

 

Ganz anders Karin Keller-Sutter. Sie war immer auf der Hut, immer kontrolliert, immer an der eigenen Wirkung interessiert, beflissen, um ja keinen Fehler zu machen. Vor einem Podiumsgespräch, vor einem Fernseh-Auftritt wollte sie immer alles wissen: Was ist das Ziel der Sendung, welche Bereiche werden abgehandelt, welches ist das Umfeld, das Setting, in dem sie zu agieren hatte. Als sie sich auf die eidgenössische Bühne vorbreitete, das Amt als Regierungsrätin im Kanton St. Gallen hinter sich lassen wollte und das Image einer harten, unbeugsamen Justizdirektorin abzustreifen versuchte, stellte sie Bedingungen, über was zu sprechen sei. Neu sollten es Fragen der Wirtschaft, der Finanzen, der Europapolitik sein. Sie wollte nicht an ihre Vergangenheit erinnert werden. Sie war um ein neues Image bemüht, um ihre Wählbarkeit in den Bundesrat zu steigern. Die Medien waren an ihr interessiert. Den Medienleuten gefielen ihre Tatkraft, aber auch ihr Ehrgeiz. Sie will.

 

Und wenn man nun nach den ersten vier Monaten Bilanz zieht, sind die Unterschiede nicht verwischt worden. Im Gegenteil: Viola Amherd ist ganz leise in das Verteidigungsdepartement VBS eingestiegen. Sie wollte zuerst alles wissen, vertiefte sich in die Dossiers und, wo sich für sie Fragen auftaten, holte sie Expertisen von draussen. Und mit Claude Nicollier engagierte sie einen Mann, der hohe Kompetenz, aber auch Würde ausstrahlt, mit dem sie gar die umstrittene Flugzeugbeschaffung bei einer Volksabstimmung über die Hürde bringen will.

 

Anders Karin Keller Sutter. Sie mischte sich sofort ein, in der Europafrage, beim Rahmenabkommen, bei der Abstimmung über die Umsetzung einer Änderung der EU-Waffenrichtlinie. Sie setzt sich mit den Schweizer Schützen auseinander, bei denen die Änderung eine Entwaffnung darstellt. Sie hat klare Vorstellungen, wie Schweizer IS-Frauen mit Kindern in der Gefangenschaft bei den Kurden, im Irak und gar in Syrien zu behandeln sind: Sie sollen vor Ort vor Gericht gestellt werden.
Und nicht verwunderlich: Die Medien scharten sich um Karin Keller-Sutter. Viola Amherd blieb beinahe unbehelligt. Sie interessierte die Medien weit weniger,

 

Zwei Bundesrätinnen, unterschiedlicher könnten sie nicht sein, beide sind sich treu geblieben. Und das ist gut so.

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