Gesellschaft

Erstens kommt es anders, und zweitens…

Das bisherige Börsenjahr hat die Anleger bereits mehrfach überrascht, positiv wie negativ.

In diesem Jahr ist es besonders schwer, eine Prognose zum Marktverlauf abzugeben. Bereits mehrfach wurden die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuss erwischt und mussten ihre Anlagen neu ausrichten. Da stellt sich die Frage, ob ein übermässiger Fokus auf die Tagesaktualitäten überhaupt Sinn macht.

Freud und Leid der Anleger

Die wenigsten Investoren haben Anfang des Jahres mit einer derart guten Entwicklung der Finanzmärkte und insbesondere der Aktienbörsen gerechnet. Marktfreundliche Kommentare der Notenbanken und der Hoffnungsschimmer auf eine baldige Einigung im Handelsstreit sorgten für jubelnde Anleger. Die Wachstumssorgen rund um die Weltwirtschaft traten in den Hintergrund. Gleiches galt für die vielen ungelösten Politrisiken. Neben dem Handelsstreit denken wir an den Brexit oder den italienischen Budgetstreit. Zudem werden die geopolitischen Unruheherde auch nicht weniger. All diese Unwägbarkeiten spielten vorübergehend keine Rolle mehr und die Investoren erfreuten sich an satten Kursgewinnen. Nach den Verlusten zum Ende des letzten Jahres waren diese äusserst willkommen.

Allerdings hatten die Anleger die Rechnung ohne die Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump gemacht. In vermuteter Eigenregie hat der Deal-Maker die Hoffnung auf eine baldige Einigung im Handelsstreit mit China durch den überraschenden Erlass weiterer Zölle zerschlagen. Zudem dehnte er seine Angriffsfront auf Mexiko aus. Diese Wendung im Handelsstreit ist den Aktienmärkten nicht gut bekommen und sie haben im Mai mit spürbaren Kursverlusten reagiert. Gesucht waren dagegen sichere Häfen wie erstklassige Staatsanleihen sowie der Schweizer Franken.

Mit den jüngsten Ereignissen rund um die globalen Handelsstreitigkeiten haben sich auch die Wachstumsaussichten für die Wirtschaft eingetrübt. Ursprünglich sind die Ökonomen von einer Belebung in der zweiten Jahreshälfte ausgegangen. Die chinesische Konjunktur sollte dank staatlicher Unterstützung an Dynamik zulegen und so die exportorientierten Regionen wie Europa und Japan mit sich ziehen. Nun sind die Befürchtungen negativer Auswirkungen des Handelskriegs auf die zweitgrösste Volkswirtschaft wieder gestiegen. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 sorgten rückläufige Stimmungsindikatoren als Folge der zusätzlichen Handelshemmnisse für Verunsicherung unter den Anlegern.

Auch die Notenbanken sind wieder unfreiwillig in das Zentrum des Marktgeschehens gerückt. Anfang Jahr war ihre plötzliche Zurückhaltung gegenüber der Zinsnormalisierung ein Haupttreiber für die gute Börsenstimmung. Nun werden von einer steigenden Anzahl von Marktbeobachtern sogar wachstumsbelebende Massnahmen gefordert. Die Notenbanken sollen es als Lender of last resort wieder einmal richten und mit zusätzlichen Stimulierungen eine weitere Abkühlung oder gar Rezession der Wirtschaft verhindern. Eine Zinswende sieht definitiv anders aus. Die Renditen sind bereits deutlich gesunken und nehmen die Erwartung baldiger Schützenhilfe der Zentralbanken vorweg.

Was tun?

Wie soll man sich als Anleger nun bezogen auf diesen Meinungsumschwung verhalten? Die jüngsten Ereignisse zeigen einmal mehr, wie sensibel in beide Richtungen die Börse auf den täglichen Nachrichtenfluss reagiert. Es ist beinahe unmöglich, seine Anlagen auf die stetig wechselnden Einflussfaktoren auszurichten. Einerseits werden dadurch unnötig hohe Transaktionskosten generiert. Andererseits ist man mit seinem Handeln meist zu spät, weil sich die jeweiligen Ereignisse unmittelbar in einer Anpassung der Wertpapierpreise niederschlagen. Deshalb gilt es auch bei volatilem Kursverlauf, die mittel- bis langfristige Ausrichtung der persönlichen Anlagestrategie im Fokus zu behalten. Nur so kann basierend auf dem eigenen Risikobudget das langfristige Anlageziel erreicht werden.

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