Gesellschaft

Die Kluge liest im Zuge

Eine Zugfahrt ohne Lesestoff kommt bei mir nicht in Frage. Natürlich schätze ich die Landschaft, an der wir vorbeifahren, und die glitzernden Seen. Aber vor dem Einsteigen schnappe ich mir selbstverständlich unser allgegenwärtiges Leseschnellfuttermorgenblatt. Und eine Zugfahrt ohne „via“, die Zeitschrift der SBB, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.

Auch eine aktuelle Tageszeitung habe ich dabei. Ich will nicht behaupten, dass ich sie gründlich durchgehe. Es geht mehr um ein Durchblättern. Vieles habe ich ja bereits in den Morgennachrichten gehört.

Den eigentlichen Lesegenuss verschafft mir „via“. Die Zeitschrift hängt in allen Wagen. Ich setze mich extra so, dass ich das Magazin mit einem Griff erreiche. Glück gehabt, es ist die deutschsprachige Ausgabe. Sie erscheint zehn Mal im Jahr und das Heft gibt es auch in Französisch. Besonders erwähnenswert ist, dass es „via“ auch als Hörzeitschrift gibt, zu beziehen bei der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte.

Quersubventionierung? Wohl kaum!

Anzumerken ist auch, dass diese Lesefreude gratis zu haben ist. Haben die SBB wohl deswegen erwogen, den Preis des Generalabonnements zu erhöhen? Wäre ja nachvollziehbar. Immer mehr Pendler, immer mehr Menschen in den Bahnhöfen, immer mehr Leserinnen und Leser, also muss die Auflage erhöht und irgendwie bezahlt werden! Denn „via“ liegt auch in Boxen an den Bahnhöfen auf. Keine Angst, ich denke, dass sich das Blatt durch die darin enthaltene Werbung selber trägt.

Was macht dieses Printprodukt so attraktiv? Ich habe die Juni-Nummer in der Hand. Die Themen sind breit gespannt. Vom Schwimmen im Wasser bis zum Fliegen auf den Mond ist alles enthalten. „Der Weltraum bleibt meine grosse Faszination“ wird Claude Nicollier, der einzige Schweizer Astronaut zitiert. Er ist heute 74 Jahre alt und hat an vier Nasa-Missionen teilgenommen: 1992, 1993, 1996, 1999.

Nicollier im Interview

Der Mondlandung war kürzlich eine Veranstaltung im Verkehrshaus Luzern gewidmet. Und Claude Nicollier war zur Freude des Publikums persönlich anwesend. Seine Aussage im Verkehrshaus ist auch im Interview im „via“ besonders hervorgehoben. „Egal, wie unmöglich etwas im Leben erscheint, wenn man es wirklich will, kann man alles erreichen“.

Das stimmt natürlich für die Mondlandung. Tausende von Menschen haben jahrelang auf das Ziel dieses Projektes hingearbeitet. Und der Erfolg hat sich eingestellt. Nicollier meinte in seinen Ausführungen im Verkehrshaus, wir könnten auch die laufende Zerstörung unseres Planeten stoppen, wenn wir nur alle wollten. Das würde heissen, dass Millionenen von Menschen weltweit sofort vielfältigen Verzicht leisten müssten. In meinem Umfeld herrscht die Meinung vor, dass die Erdbewohner dazu nur durch eine grosse Erschütterung, eine grosse Katastrophe gezwungen werden könnten.

Schwimmen, Wandern und Carl Spitteler

Kehren wir vom Mond auf die Erde zurück. Das „via““ bietet uns auch eine Reportage über Flussschwimmbäder. Sie ist so abwechslungsreich bebildert, dass wir sofort in den nächsten Fluss springen möchten. Wäre vielleicht noch etwas kalt und deshalb eher unangenehm.

Die Autorin des Beitrags, Judith Stamm, liest „via“, das Magazin der SBB, immer dann, wenn sie unterwegs ist. (B.R.)

Aber auch dem Wandern wird das Wort geredet. Verpackt in eine Erzählung über das „Wandern auf Spittelers Spuren“. Unser Literaturnobelpreisträger hat um 1896 auch einen Gotthard-Wanderführer verfasst. „via“ ist ein Stück dieses Weges nachgewandert. Und führt im Anschluss daran noch viele Highlights für das Wanderjahr 2019 an. Ich wusste gar nicht, dass hier zwischen „Genusswanderern“ und „ehrgeizigen Fernwanderern“ unterschieden wird.

Auch einzelne Regionen melden sich zu Wort. Vom Kanton Neuenburg erfahren wir, dass er als „als erste touristische Region einen Pass anbietet, der die kostenfreie Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und den Zutritt zu 29 Museen und touristischen Attraktionen einschliesslich Schifffahrten kombiniert“. Und dies bereits ab einer im Kanton gebuchten Übernachtung. Ein vielversprechendes Angebot!

Besonders hat es mir aber bei dieser Ausgabe von „via“ die aktuelle Beilage angetan. Diese liefert in Bild und Wort eine Übersicht über 18 Schweizer Pärke, die als kleine Weltwunder bezeichnet werden. Auch hier werden wir nicht ohne Erklärungen gelassen. Es wird unterschieden zwischen Nationalpark, Regionalem Naturpark, Naturerlebnispark. Und mit Zahlen, Fakten und Adressen wird uns das Planen einer Wanderung, eines Ausfluges erleichtert.

„via“ macht uns in sympathischer Art mit der Vielfalt unseres Landes vertraut. „via“ erweckt Lust auf Schweiz!