Gesellschaft

7000 Wasserbotschaften auf dem Lago della Piazza

Das Alpine Museum der Schweiz hat auf dem «Gotthardsee» eine rote Boje mit über 7000 Botschaften an die Zukunft ausgewassert. Als Symbol für die notwendige Sorge um das Wasser bleibt sie dort bis ins Jahr 2051.

Der Zeitpunkt könnte kaum besser passen: Die Schweiz hat eine erste Hitzeperiode hinter sich. Bereits werden Vergleiche gezogen zu den Jahren 2003 und 2015, in denen die Grund- und Seewasserspiegel aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit bedrohlich sanken.

Die signalrote «Zeitkapsel», die seit gestern auf dem Lago della Piazza schwimmt, stammt aus der preisgekrönten Ausstellung «Wasser unser. Sechs Entwürfe für die Zukunft» (27.10.2016 bis 7.1.2018), mit der das Alpine Museum der Schweiz die Auswirkungen des Klimawandels auf die Verfügbarkeit von Wasser in der Schweiz zum Thema machte. Noch im Vorfeld der heutigen weltweiten Schülerstreiks wählte die Schau die Perspektive des Jahres 2051 – und damit der Generation junger Menschen, die von den Auswirkungen der heutigen Klimapolitik am stärksten betroffen wird.

Die rote Boje mit den 7000 Botschaften auf dem Gotthardsee mit imposanter Bergkulisse.

In einer eigens für diesen Zweck gebauten Boje konnten Besucherinnen und Besucher persönliche Wünsche, Fragen und Erkenntnisse rund ums Wasser an die Nachgeborenen weitergeben. Sie taten dies engagiert, persönlich, appellativ:

  • «Mathias, ich möchte wissen, ob du auch 2051 noch Skifahren kannst. Gab es in den letzten Jahren noch Schnee im Winter? Deine Mutter.»
  • «Ich bin heute 70 Jahre und denke nicht, dass ich 2051 erleben  werde. Den Nachgenerationen wünsche ich, dass noch gutes Wasser vorhanden ist. So lange ich lebe, werde ich mich einschränken und sorgsam damit umgehen in Gedanken an euch.» 
  • «Lernen Sie aus den Fehlern der Vergangenheit! Wir sind gescheitert in einer globalisierten Welt, gemeinsame Lösungen zu finden oder sie schnell genug umzusetzen.» 

Symbolträchtiger Ort

Das Gotthardmassiv trägt ganz wesentlich zum Ruf der Schweiz als «Wasserschloss» Europas bei. Hier entspringen die Flüsse Reuss, Ticino, Rhone und Rhein. Diese Fülle an Wasser führt aber auch zu einer gewissen Sorglosigkeit. So formulierte Rolf Weingartner, Hydrologe am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern vor drei Jahren provokativ: «Wir leben in einem Paradies. Uns stehen theoretisch pro Jahr rund 5 Millionen Liter Wasser zur Verfügung. Davon verbrauchen wir aktuell nur 2%, also rund 100’000 Liter pro Person und Jahr. Wo also liegt das Problem?»

Doch natürlich haben auch wir ein Problem oder vielmehr: Wir werden eines haben. So wird etwa das rasante Schwinden der Gletscher unter Experten als «Umkippen eines Dominosteins im Wassersystem» gewertet. Was heute ein extremes Wetterereignis ist, das alle fünfzig oder hundert Jahre eintritt, dürfte in Zukunft um das Jahr 2050 herum alle drei bis fünf Jahre auftreten.

Das Setzen der Boje an diesem symbolträchtigen Ort erfolgte mit Bewilligung und unter dem Patronat der Kantone Uri und Tessin. Mauro Veronesi, Leiter des Büros für Wasserschutz und Wasserversorgung: «Wasser ist ein wichtiges Gut, das Schutz und Wertschätzung verdient. Heute mehr denn je. Deshalb unterstützt das ‘dipartimento del territorio’ die Platzierung der Boje auf dem Lago della Piazza im Gotthardmassiv. Sie lädt die Bevölkerung ein, über die Bedeutung des Wassers nachzudenken und sparsam mit dem ‘blauen Gold’ umzugehen – damit auch für zukünftige Generationen eine nachhaltige Wasserzukunft gewährleistet ist.»

Neues Gotthardmuseum in Planung

Der Lago della Piazza ist bereits der zweite Ort auf dem Gotthard, an dem das Alpine Museum der Schweiz mit seinen aktuellen Themen rund um die Beziehung von Menschen und Bergen präsent ist. Direkt am Ufer des Sees liegt das seit 1986 existierende Museo Nazionale del San Gottardo (Gotthardmuseum), das zurzeit neu ausgerichtet wird. An der Neukonzeption und künftigen Bespielung ist das Alpine Museum der Schweiz aktiv beteiligt.