Kultur

Farbenprächtige Süsswasserwelten

Schildkröten, Bären und Krokodile. Tropische Wälder, tiefe Höhlen und kantige Eismassen. Dies alles erscheint in den Unterwasserwelten von Michel Roggo. Der Schweizer Fotograf hat den Globus bereist und mit seiner Kamera alle wichtigen Süsswassertypen festgehalten. 900 Fotos werden nun im Zoologischen Museum der Universität Zürich gezeigt.

In der Sonderausstellung konkurriert die Schönheit des Flusses Sense mit jener des Baikalsees, der Iguazú-Wasserfälle, des Ross-Schelfeises und zahlreicher weiterer Orten mit fremdartig klingenden Namen. Was die gezeigten Fotografien verbindet, ist die Wasserthematik: Um sie zu ergründen ist Michel Roggo während sieben Jahren um die Welt gereist und hat in seinem Freshwater Project Bäche, Flüsse und Seen vor die Linse genommen.

Vom Meer her dringen im kalten Winterhalbjahr die Karibik-Manatis in die warmen Quellflüssen Floridas ein.

Sein Ziel: Möglichst alle wichtigen Süsswassertypen der Erde zu dokumentieren und zwar auch unter Wasser. Dafür sprang der heute 69-Jährige mit Tauchmaske und Schnorchel ins Nass. «Wir wissen zwar, wie Korallenriffe aussehen», sagt er, «aber was ist mit den Gewässern vor unserer Haustür? Ich suche stets nach Szenen mit dramatischem Licht – in den Algen eines Teichs oder unter dem Eis eines Bergbachs. Diese Lebensräume sind unglaublich schön, aber kaum je zu sehen.»

Abenteuerliche Bedingungen

Das Naturhistorische Museum Fribourg konzipierte aus Roggos Fotografien eine Ausstellung mit 900 Fotografien, die nun im Zoologischen Museum der Universität Zürich gezeigt wird. Sie lässt die Besucherinnen und Besucher in magische Wasserlandschaften eintauchen und über exotische Tier- und Pflanzenwelten, Eis- und Felsformationen staunen. Making-of-Filme verdeutlichen die oft langen Reisen des Fotografen und die extremen Arbeitsbedingungen, die er und seine Helfer antrafen.

An der Pazifikküste Kanadas schwimmen alle vier Jahre Millionen von Rotlachsen über den Fraser River bis zum Adams River, um dort zu laichen und zu sterben.

Für sein Freshwater Project arbeitet Roggo meist mit lokalen Führern zusammen, darunter Angehörige der indigenen Bevölkerung, Biologen, Tauchguides, Bootsführer und Piloten. «Michel Roggo hält auf beeindruckende Weise die wichtigsten Süsswasserbiotope unseres Planeten fest», sagt Isabel Klusman, Leiterin des Zoologischen Museums, «ein wichtiger Schritt, um diese sensiblen und oft gefährdeten Habitate sichtbar und bekannt zu machen.»

Tiere, Pflanzen, Eis, Gestein und Quellen

Die Ausstellung folgt den fünf Hauptthemen Tiere, Pflanzen, Eis, Gestein und Quellen. Wasser als dynamischer Lebensraum fordert von Tieren grosse Anpassungsleistungen. Schwierige Bedingungen wie trübe, lichtarme Verhältnisse, eisiges, saures oder sauerstoffarmes Wasser treffen aber auch Pflanzen an, die dennoch zu regelrechten aquatischen Paradiesgärten heranwachsen.

Die Sense ist ein wilder Voralpenfluss und der letzte Schweizer Fluss ohne Kraftwerk.

Gletscher und Eiskappen der Polarregionen, in denen zwei Drittel allen Süsswassers gefroren lagert, greift die Ausstellung ebenso auf wie Gesteinsformationen, die durch Wasser geschaffen und durch Erosion geformt werden. Und schliesslich widmet sich Roggo den Quellen, Orte, an denen Grundwasser innerhalb des Wasserkreislaufes an die Oberfläche tritt. Reines Wasser ist lebensnotwendig, so sind denn auch fast alle Quellen der industrialisierten Welt gefasst. Prachtvoller präsentieren sich die Unterwasserwelten jener Quellen, die noch unberührt sind.

Eisberge, die von grönländischen Gletschern abgebrochen sind, treiben hinaus ins Meer.

Der Freiburger Michel Roggo ist ein international anerkannter Spezialist für Fotografie im Süsswasser. Seine auf über 130 Expeditionen produzierten Bilder wurden weltweit ausgestellt, ausgezeichnet und publiziert. Mit AQUA werden die Bilder von Michel Roggo zum ersten Mal in Zürich präsentiert.

Beitragsbild: Das tropische Pantanal in Brasilien ist das weltweit grösste Feuchtgebiet. Zwischen den Wasserhyazinthen lauern Piranhas und Kaimane.
Alle Bilder: © Michel Roggo / roggo.ch
Bis 5. Januar 2020
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