Gesellschaft

Milizarbeit war Thema auf dem Rütli

Die diesjährige 1. August-Feier auf dem Rütli hatte grosse symbolische Kraft: Mehr als 2200 Miliztätige aus Feuerwehren und Gemeindebehörden nahmen am bisher grössten Anlass des «Jahrs der Milizarbeit» teil und bildeten so eine Art «Landsgemeinde der Miliztätigen». Ständerat Hannes Germann erklärte, weshalb die Milizarbeit für die Schweiz unverzichtbar ist.


Über 2200 Gäste nahmen an der 1. August-Feier auf dem Rütli teil

«Engagement für die Gesellschaft/Milizarbeit» lautete das Motto der Bundesfeier. Passend dazu hatte die organisierende Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft den Schweizerischen Gemeindeverband (SGV) und den Schweizerischen Feuerwehrverband, der heuer sein 150-Jahre-Jubiläum feiert, eingeladen.

Ständerat Hannes Germann fordert Sinn für die Gemeinschaft

SGV-Präsident Hannes Germann (SVP) hob die positiven Aspekte der Milizarbeit hervor. Sie eröffne – ob in der Politik, in Vereinen oder anderen Organisationen – neue Horizonte. Und sie bringe, gerade in einer Zeit der zunehmenden Individualisierung und des Rückzugs in «Social-Media-Parallelwelten», neue und verlässliche Freundschaften.

Die Milizarbeit fördere den Zusammenhalt und den Sinn für das Gemeinwohl. Sie sei auch die einzige Antwort auf den immer stärker bürokratisierten Staatsapparat. «Den Hunderttausenden Schweizerinnen und Schweizern, die in der Milizarbeit engagiert sind, gebührt unsere Dankbarkeit und Wertschätzung.»

Regierungsrätin Heidi Z’graggen hielt die Festrede

Heidi Z’graggen wies auf das grauenhafte Unwetter am 31. Juli vor 42 Jahren  im Kanton Uri hin.  «Von den Bergen donnerten riesige Steinlawinen ins Tal. Das ohrenbetäubende Grollen der Steine, flankiert von Donnerhall, machte uns Angst.» Ihr Vater war mit anderen Männern in die schreckliche Nacht gegangen und habe Hunderte von Autos mit Menschen aus allen Ländern auf der Strasse in Sicherheit gebracht. «Ich danke Ihnen, den Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern, im Namen der ganzen Bevölkerung für diesen heldenhaften Einsatz und gratuliere dem Schweizerischen Feuerwehrverband zum 150-Jahr-Jubiläum.»

Das Milizsystem zeichnet die Organisation der Schweizer Gemeinden aus. 81 Prozent der Gemeinderäte in den Gemeinden sind ehrenamtlich tätig, 17 Prozent nebenamtlich und nur zwei Prozent vollamtlich. In der Schweiz sind auf kommunaler Ebene insgesamt 100’000 Personen in einem politischen Amt (Gemeinderat, Gemeindeparlament, Kommissionen) tätig.  Das Milizsystem ist wesentlich kostengünstiger als die Beschäftigung vollamtlicher Behördenmitglieder.

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Die Alphorn-Virtuosin Lisa Stoll  begeisterte die Zuhörer

Neben den Reden und musikalischen Beiträgen sorgte die inzwischen weltbekannte Alphorn-Virtuosin Lisa Stoll für gute Stimmung. Und mit der Eintrittskarte wurde auch ein Mittagessen serviert. Moderiert wurde die Feier von Esther Girsberger und nach neun Jahren nahm der Präsident der SGG, Jean-Daniel Gerber, Abschied.


Das Mittagessen wird serviert

Das Rütli ist ein Ort der Geschichte und der Geschichten, der Historie und der Mythen. Ein Denkmal ohne Denkmal, ein Ort der Integration, ein Lernort der Geschichte, ein Ort der Identität und des Zusammenhalts, ein Land von verschiedenen Kulturen, Sprachen, Religionen, sozialen Schichten und Wertesystemen.

So wundert es nicht, dass auch in letzter Zeit einige Gruppierungen den geschichtsträchtigen Ort für ihre Zwecke missbraucht haben. Es gab vor einigen Jahren Rechtsradikalen-Radau, worauf die 1. August-Feier seither nur noch mit einem speziellen Ausweis besucht werden darf.

Zum Rütli schaut die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft SGG. Die ehemalige Präsidentin Judith Stamm schrieb in einem Gastbeitrag in der Luzerner Zeitung: «Danken wir der SGG, dass sie das Rütli von politischen, kommerziellen, ideologischen oder weltanschaulichen Vereinnahmungen bewahrt. Nur so kann das Rütli auch künftige Generationen als Symbol unseres Landes erhalten bleiben.»

Auch an diesem 1. August lud die geschichtsträchtige Wiese zum Verweilen und zum Überlegen ein. Als die Regierungsrätin Heidi Z’graggen insbrünstig den Rütlischwur sprach, erinnerte man sich daran, wie wir die Geschichte überliefert bekamen.

Und so soll sich die Geschichte zugetragen haben

Am 1. August 1291 auf dem Rütli. Der Mond stand hoch in den funkelnden Sternen. Ringsum war alles still. Mensch und Tier schliefen. Nur auf der waldumsäumten Rütliwiese brannte ein kleines Feuer. Dort wachten ein paar Männer im flackernden Lichtschein. Die Kapuzen der Hirtenhemden hatten sie über den Kopf gezogen.

Werner Stauffacher stieg auf einen Stein und sagte: «Brüder, im Namen Gottes stehen wir hier und reichen einander die Hände. Ein Wille, ein Ziel einigt uns: Frei wollen wir sein! In tiefster Not versprechen wir, einander zu helfen, im Kampf gegen die Vögte zusammenzustehen und uns vor keiner Gewalt zu beugen. Ist einer unter euch, der nicht bereit ist, sein Leben, sein Gut und sein Blut zu opfern, so verlasse er den Kreis.»

Anschliessend standen die drei Eidgenossen Werner Stauffacher von Schwyz, Walter Fürst von Uri und Arnold von Melchtal aus Unterwalden auf der sattgrünen Rütliwiese zuammen, hoben die rechte Hand hoch und schworen:

Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
in keiner Not uns trennen und Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

Fotos: ZVG und Josef Ritler

Und hier ein humorvoller Beitrag von Christa Rigozzi zum 1. August auf Facebook

https://www.facebook.com/christa.rigozzi.9/videos/2153782668082646/

Die Rütli-Feier vor zwei Jahren:

https://seniorweb.ch/2016/08/02/die-1-august-feier-auf-dem-ruetli/