Kolumnen

Gestern, heute, morgen oder so

Gestern Nacht brannte es in einem Industriebetrieb. Und die Zeitung war vor Ort, berichtete bereits am Morgen über den Brand. Weit gefehlt! Bei genauerem Lesen wird klar, dass der Brand erst einen Tag später vermeldet wurde. Ist ja auch klar. Nach Mitternacht ist in der Regel Redaktionsschluss, denn dann wird gedruckt. „Gestern Nacht“, das galt nur für den Journalisten, der tags darauf die Meldung verfasste. Gestern war also vorgestern.

Auch hier stimmt die Zeitangabe nicht: Am Wochenende fand das Zürifäscht statt. Rund zwei Millionen Besucher werden erwartet – stand in einer Sonntagszeitung. Da war heute gestern, denn der grosse Besucheraufmarsch war am Samstag.

Eigentlich gehört es zum kleinen Einmaleins im Journalismus, dass die Zeiten mit dem Erscheinungsdatum der Zeitung übereinstimmen müssen. Also nicht „Morgen Samstag beginnt das Fest“ in der Samstagausgabe. Gute Journalisten sind vorausdenkend, hören das Gras von morgen wachsen! Ein kleiner Zusatz zur Brandmeldung: Im Provisorium sei die Kapazitätsgrenze limitiert, wird der Gemeinderat zitiert. Dass eine Grenze, ja eben Grenzen setzt, ein Limit definiert, dürfte nach dieser „doppelt-gemoppelten“ Meldung ja klar sein.

Bleiben wir beim Thema Zeit. Ein Rücktritt bis 2021, das muss man sich mal vorstellen. Da tritt einer zurück und zurück und zurück – bis endlich 2021 ist. Hoffen wir, dass die Demission kurz und schmerzlos erfolgt – und spätestens 2021 stattfindet.

Und auch hier spielt der Zeitfaktor eine Rolle: Die zweite Bauphase steht in den Startlöchern. Leider fehlt das Bild: Eine Bauphase in Sprinterstellung am Start – der Bauleiter schiesst in die Luft und dann rennt die Bauphase davon. Vielleicht sogar ein Hürdenlauf? Das wäre ein sensationelles Foto gewesen.

Auch Alter ist eine Zeitfrage. Laut Zeitungsbericht wünscht sich ein Trainer für seine Fussballmannschaft möglichst viele junge Kinder. Und die alten Kinder? Spielen die Sitzball?

An einen Anlass sind sämtliche ehemalige Bundesräte, die noch am Leben sind, geladen. Ja, das muss schon betont werden. Nicht auszudenken, wenn auch die verstorbenen Magistraten mit von der Partie gewesen wären. Seit 1848. Das wäre ein schönes Gedränge geworden.