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Spielerei mit Worten

Es ist Zeit, meinen Vorrat an Zitaten wieder einmal zu durchforsten. Sie begleiten mich durch den Tag, das Jahr, das Leben. Gehen wir es chronologisch an: «Morgenstund hat Gold im Mund». Das stimmt zwar selten, ist trotzdem unbestritten. Und ja, ich trug wirklich eine Goldplombe in meinem Gebiss. Bis sie durch modernen Kunststoff ersetzt wurde.

Soll ich nun meinen Tag unter das Motto: «Trau, schau, wem?» oder eher unter «Mit dem Hute in der Hand kommt man durch das ganze Land» stellen? Ersteres entspricht aktuell nicht meiner Gemütslage. Aber mit dem Hut ist es auch so eine Sache, ich besitze kein einziges Exemplar. Doch, einen Regenhut. Blick durch das Fenster: die Sonne scheint schon am frühen Morgen milde vom Himmel. Regenhut? Lieber nicht!

Mein erster Gang führt ins Kaffeehaus. Da las ich einmal eine hübsche Episode, die in einem Wiener Kaffeehaus spielte, von Alfred Polgar (1873 -1955), einem österreichischen Autor. Ich erzähle sie, wie ich mich erinnere. Ein stadtbekannter Vielredner und Schönschwätzer störte Polgar beim Zeitunglesen. Der ungebetene Gast trug einen topmodischen Reitdress. Alle wussten, dass er mit Pferden und Reitsport gar nichts am Hut hatte. Polgars Reaktion: «Ich habe ja auch kein Pferd. Aber so kein Pferd wie der habe ich dann doch nicht». Genial! Es lohnt sich, im Internet Zitate von Alfred Polgar nachzulesen.

Nach dem Besuch im Kaffeehaus fahre ich mit dem Bus an den Schwanenplatz. Von der Sicht auf See und Berge bin ich jedes Mal überwältigt. Und schon kommt mir der Beginn des Rütliliedes in den Sinn: «Von ferne sei herzlich gegrüsset, Du stilles Gelände am See.» Komponiert von Georg Krauer (1792-1845), nach dem Text von Josef Greith (1799-869).

Von Stille kann natürlich keine Rede sein. Über die Seebrücke donnert, rauscht, fliesst pausenlos der private und der öffentliche Verkehr. Der Schwanenplatz ist von morgens bis abends Treffpunkt von Touristengruppen und Einheimischen. Das Gelände am See ist auch nicht ferne, sondern nur einen Fussgängerstreifen breit entfernt und asphaltiert. Trotzdem, der Text will mir nicht aus dem Kopf.

Er erinnert mich übrigens an den Schweizer Psalm. Und ich bin heilfroh, dass noch niemand auf die Idee einer «modernen» Fassung gekommen ist. Denn der Intensität, die sich in der letzten Strophe spiegelt, sind wir ja heute gar nicht mehr fähig: «Drum Grütli sei freundlich gegrüsset; Dein Name wird nimmer vergeh`n, So lange der Rhein uns noch fliesset, So lange die Alpen bestehn.»

Man muss sich das im Zeitalter der Digitalisierung einmal vorstellen, dass das Fliessen des Rheines und das Bestehen der Alpen Zeitreferenzen sein konnten.

Und weil der Schwanenplatz genau so gut auch Bankenplatz heissen könnte, gebe ich auch noch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) die Ehre: «Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!». Da schliesst sich dann nahtlos der Song von Ruedi Walter (1916-1990) aus der kleinen Niederdorfoper an: «De Heiri hät es Chalb verchauft, de Heiri wott, dass öppis lauft..!» Dieses «Gold» oder Geld landet allerdings ganz sicher nicht in der Bank!

Luzern ist eine weltläufige Stadt. Bei uns hört man auf den Strassen unzählige Sprachen. Fast wie in der Geschichte des Turmbaus zu Babel im Alten Testament. Deshalb schicke ich jetzt noch einen Gruss in Englisch an meine neunzigjährige Freundin, mit der ich mich immer wieder über Zitate austausche: «I am what I am». Aus einem Lied von Gloria Gaynor (1949), einer US-amerikanischen Disco-Sängerin, die auf ein Leben voll Höhen und Tiefen zurückschaut. Am siebten September wird sie siebzig Jahre alt: Happy Birthday!

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