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Wie man mit einem Dingsda umgeht

«So ein Dingsda, da!» Eine Anleitung für Grosseltern mit ihren Enkeln im Theater Matte, Bern.

Nein, natürlich hat das Theater Matte keineswegs die Absicht, irgendwelche Menschen zu irgendwas anzuleiten oder zu belehren gar. Schon gar nicht Grosseltern und Enkel! Mit ihnen spielen jedoch, das wollen alle die guten Geister des Mundarttheaters in der Berner Matte fürs Leben gern. Livia Franz und Markus Maria Enggist vor allem diesmal. Sie treten dazu – es braucht nicht viel Fantasie von Zuschauern, das nachzuvollziehen – sie treten dazu in den Gestalten einer Ameise und einer Maus auf.

Es ist wie so oft: Der eine hat einen lauschigen Garten und möchte darin frühstücken, die andere hat keine Ahnung und macht mit sich mit ihrem Gepäck am selben Ort breit und ist erst noch erfreut, wenn da schon Tee und etwas Gutes bereitsteht. Da holt man denn noch schnell den Rest hervor – doch da ist ja verschwunden, was schon da stand… Eine umwerfende Bewegungskomödie der besten Art, das beste, was Clownerie heute zustande bringt, läuft ab. Slapstick jagt Slapstick, und der Dialog spielt mit, einmal gemeinsam sozusagen zweistimmig, ein andermal verkappt streitsüchtig gegeneinander. Nicht nur Ameise und Maus werden sich allerdings gegenseitig immer sympathischer, nein, auch das Publikum nimmt Anteil an der Entwicklung der Ereignisse und fiebert liebevoll und begeistert mit.

Livia Franz, Markus Maria Enggist als Ameise und Maus

Das Publikum? Nein, es sind vor allem die Kinder! Doch wiederum nein: auch ihre Eltern oder Grosseltern lassen sich mehr als nur schmunzelnd anstecken. Bei den Kindern ist es noch anders: Sie spielen mit; sie verstehen sich als Helfer, Beschützer, Partner der etwas zögerlichen Ameise und der recht überzeugten Maus. Ein fröhlich lautes Lachen, überraschtes Kreischen, engagiert Rufen, Befeuern, auch Warnen – es erfüllt den ganzen Theaterraum. Die beiden Spieler auf der Bühne scheinen mit ihrem einstudierten Text gar nicht immer ungehindert und zielgerichtet durchzukommen.

Ein Stück für Menschen ab 3 Jahren. Ein Kindertheater also? Erneutes Nein! Die rund 45 Minuten laufen genau so ab, wie eigentlich Theater ablaufen sollte: Engagiertes Mitwirken des Publikums als Partner der Spielenden auf der Bühne, wechselseitiger Dialog, Mitfiebern, Mitfürchten, Mitjubeln. Auch wenn kaum manche schätzen würden, wollten an einem Theaterabend die mehr oder weniger gut gekleideten Damen und Herren, anständig erzogen und beherrscht, ihren Gefühlen äusserlich ebenso freien Lauf lassen wie hier die Kinderschar. Doch hinter der Erwachsenenfassade könnte ja auch eine ebenso teilnehmende Begeisterung herrschen.

Mit überraschend viel Fantasie und hie und da sogar Anflügen von Realismus leiten die Kleinen und Grösseren die Ameise und die Maus zum Bau der Rakete an, mit welcher sie zum Mond fliegen, um mit dem geheimnisvollen «Dingsda da» fertig zu werden. Denn gibt es ein poetisches Märchen oder eine von Poesie und überhöhtem Ulk gleichsam bewegte Clown-Nummer, die ohne den Mond auskämen? Ohne den Mond, der auch als Metapher steht für manches Unerreichbares, das vielleicht doch von ferne auf die Nüchternheit des realen Lebens zu strahlen vermag?

Die Ameise Livia Franz, die Maus Markus Maria Enggist, beraten von Marco Capellari (Academia Teatro Dimitri), in den Kostümen von Katrin Schilt, auf der Bühne von Fredi Stettler mit Illustrationen von Sara Gysin – sie alle haben nicht nur den vielen Kindern begeisterndes Theater geboten.

Alle Bilder: © Lea Moser

Aufführungen samstags und sonntags, 11 und 14 Uhr, bis 21. Dezember 2019.

Theater Matte

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