FrontKulturUnbekannte Briefe von Annemarie Schwarzenbach

Unbekannte Briefe von Annemarie Schwarzenbach

Im Nachlass des Journalisten und anthroposophischen Verlegers Willy Storrer (1895–1930) und der Übersetzerin Florianna Storrer-Madelung (1902–1997) sind rund 40 unbekannte Briefe Annemarie Schwarzenbachs aus den Jahren 1937–1942 aufgetaucht. Der Nachlass wurde von der Kulturabteilung der Stadt Zürich übernommen und diesen Sommer dem Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) als Schenkung übergeben. 

Das Kernstück des Doppelnachlasses bildet der umfangreiche und literatur- und geistesgeschichtlich aufschlussreiche Briefwechsel Willy und Florianna Storrers mit bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern ihrer Zeit wie Karl Ballmer, Hermann Hesse, Heinrich Mann, Walo von May, Jakob Schaffner, Annemarie Schwarzenbach oder Robert Walser. Der Nachlass befindet sich bereits im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern und wird derzeit erschlossen. Es handelt sich um eine Schenkung der Stadt Zürich aus dem von ihr übernommenen Besitz des 2016 verstorbenen Bildhauers Peter Storrer.

Willy Storrer war von 1921 bis 1925 Sekretär von Rudolf Steiner und an der Planung der ersten Rudolf-Steiner-Schule der Schweiz in Basel beteiligt. Später gründete er den Verlag für freies Geistesleben und gab die kulturphilosophische Zeitschrift «Individualität» heraus, worin Autoren wie Hermann Hesse oder Robert Walser publizierten. Der begeisterte Sportpilot Willy Storrer verunglückte bei einem Flugzeugabsturz 1930 im Alter von nur 34 Jahren.

Briefe und Dokumente einer Freundschaft 

Willy Storrers Frau Florianna Storrer-Madelung arbeitete als Übersetzerin und in den 1930er- und 1940er-Jahren als Hilfsredakteurin im Feuilleton der Basler National-Zeitung unter Otto Kleiber. Dort lernte sie Annemarie Schwarzenbach kennen, die zahlreiche ihrer Reisereportagen im Feuilleton der National-Zeitung veröffentlichte. In den Jahren 1937 bis 1942 (Schwarzenbachs Todesjahr) entwickelte sich eine enge Freundschaft der beiden Frauen, den die nun zum Vorschein gekommenen Briefe (und weitere Dokumente) Schwarzenbachs gut dokumentieren.

Die Schriftstellerin berichtet in diesen rund 40 Briefen aus insgesamt vier Kontinenten sowohl über ihre Reiseeindrücke und ihr Schreiben fürs Feuilleton als auch über Politisches und Privates, etwa ihre leidvollen Drogenentziehungskuren. Der vorliegende Fund ist bedeutsam, weil ein Grossteil der Briefe von und an Schwarzenbach nach ihrem Tod vernichtet worden ist.

Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) ist eine Sektion der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB) und wurde 1991 auf Anstoss von Friedrich Dürrenmatt gegründet. Es betreut zahlreiche literarische Nachlässe, Archive und Autorenbibliotheken des 20. und 21. Jahrhunderts.

Titelbild: Jacobia Dahm

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel