FrontKulturSchellen-Ursli als Familienoper

Schellen-Ursli als Familienoper

Das tief verschneite Guarda im Bündnerland und ein Kindertraum steigen fröhlich herab ins Theater Basel.

Längst sind sie schweizweit zur Legende, ja zum Allgemeingut geworden: Der kleine Bündner Bub Ursli (im Original Uorsin) und seine Schwester Flurina, erfunden vor über 70 Jahren von Selina Chönz und wunderbar illustriert von Alois Carigiet. Die Geschichte des kleinen Jungen, der für den Umzug zum Chalandamarz die grösste und lauteste der Kuhglocken vor allen Dorfjungen ergattern will. Denn bei diesem auch heute noch stattfindenden, traditionellen Cortège am 1. März soll mit mächtigem Geläute der Glocken (Plumpas) durch die Dorfbuben der böse Winter erschreckt und ausgetrieben werden.

Schimpfname Schellen-Ursli

Doch leider ist Ursli noch zu klein, um von der Dorfjugend akzeptiert zu werden, und wird wegen seiner kleinen Geissen-Schelle, die als einzige noch für ihn übrig bleibt, verhöhnt und ausgelacht: der Schimpfname Schellen-Ursli ist geboren. Ursli gibt aber, tapfer unterstützt von seiner poetisch ihr wildes Vöglein hütenden Schwester Flurina, nicht auf und begibt sich dabei in Gefahr, im grossen Schnee zu erfrieren.

Sahin, Potiekhin, Wise, Miftari   ©  Kim Culetto

Der Ausgangs-Erzählung  «Schellen-Ursli» folgten noch weitere Erzählungen. Insgesamt drei Bücher, nämlich «Schellenursli», «Flurina und das Wildvöglein» und «Der grosse Schnee», zusammengefasst unter dem Titel «Engadiner Trilogie», dienten dem bereits vielfach ausgezeichneten deutschen Komponisten Marius Felix Lange zur Vorlage seiner neuesten Familienoper, einem Auftragswerk des Theaters Basel.

Ein Erfolgsrezept

Eine Uraufführung zur Weihnachtszeit also, ein in der Umsetzung von märchenhaften Szenarien, aber auch in der Filmmusik erfahrener Komponist und Librettist; ein junger, einfühlsamer Regisseur (Tim Jentzen) und ein hochmotivierter Dirigent (Stephen Delaney), welcher seine sieben Instrumentalisten straff und dynamisch leitete; nicht zu vergessen die bemerkenswert gut geschulten und mit Freude spielenden Mädchen und Buben von der Basler Mädchen- und Knabenkantorei, engagiert unterstützt von drei Solisten in den Rollen der Erwachsenen: eine todsichere Erfolgsrezeptur!

Beglückende Momente

Auch wenn es im ersten Moment erstaunen mag, ein Familien-, ja, eigentlich ein Kinderstück als Oper herauszubringen, noch dazu in hochdeutscher Sprache und nicht auf Schweizerdeutsch: Was als Wagnis erscheinen mochte, führte schlussendlich zu einer Steigerung von Intensität und Spannung. Wer da im Zuschauerraum der Kleinen Bühne im Theater Basel gesessen hat und all die Spannung und das Mitfühlen der Kinder beobachten konnte, war wie ich sicher nicht nur gerührt, sondern auch beglückt.

Miftari, Wise, Feigel, Potiekhin, Sahin, Christ  Foto: © Kim Culetto

Einer der schönsten Momente für mich war – beim Einsatz des ersten Bühnenschneefalls – das wispernde, andächtige «Es schneit», das sich in einem grossen Aufatmen durch den ganzen Zuschauerraum hinzog. Seit «Peterchens Mondfahrt» in meiner Kindheit hat sich an der Faszination Theater für Kinder offenbar nichts verändert.

Und natürlich ist das Erleben dieser «Familienoper» auch für uns Erwachsene ein künstlerischer Gewinn.

Engagierte Theaterarbeit für Kinder

Das Theater Basel zeichnet sich durch ein ganz aussergewöhnliches Engagement für die junge und sogar jüngste Generation aus. So wurde letztes Jahr die Reihe «Murmeli» eingeführt, Musiktheater für Babys bis zu zwei Jahren und deren betreuende Bezugspersonen. Die Reihe hat grossen Erfolg und wurde inzwischen schon an die Elb-Philharmonie nach Hamburg und sogar ans Tokio Metropolitan Theatre eingeladen.

In der laufenden Saison bietet als Kinderbetreuung ein «Paralleltheater für Kinder» den Erwachsenen die Möglichkeit, im Grossen Haus ungestört und unbesorgt während der Sonntagnachmittagsvorstellungen grosse Oper zu geniessen. – Und der Theaterverein Basel organisiert spezielle Führungen für Kinder bis zu 12 Jahren.

Hardwick, Bleich, Rodríguez, Bauer  © Kim Culetto

Das Theater zieht solchermassen gezielt sein eigenes zukünftiges Publikum heran. Die folgenden Generationen dürfen sich freuen – sowohl die Theaterleute als auch ihr Publikum!

Nächste Vorstellungen im Theater Basel:

7., 11., 12., 13., 15., 16., 17., 19., 20., 21. Dezember (bis 7. Januar 2020)

Der Theaterverein Basel schenkt allen Kindern und Jugendlichen bis 12 Jahren freien Eintritt in «Schellen-Ursli». Schulvorstellungen sind davon ausgenommen.

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