FrontGesellschaftMobilmachung per SMS?

Mobilmachung per SMS?

Als längst (in Ehren) entlassener Wehrmann (mit vielen Diensttagen) macht man sich immer mal Gedanken zur Armee, gerade auch zur neuen Armeestruktur der sogenannten “WEA“. Und sehr erstaunt hat mich kürzlich ein Neffe mit der Aussage, er schliesse die Unteroffiziersausbildung mit der Beförderung zum Wachtmeister ab. «Zum Korporal», entgegnete ich spontan. Ich musste mich jedoch rasch belehren lassen, das sei früher so gewesen. Daraufhin begann ich mir erst recht Gedanken über unsere Armee von einst, jetzt und von der Zukunft zu machen.

Gedanken umso mehr, als in den Nachrichten gleichzeitig von unverhofften Söldnereinsätzen in Libyen und Syrien und den Vorbereitungen der Armee für die kommenden Skirennen und das WEF in Davos berichtet wurde. Auch die Erinnerungen an die Armeeabschaffungsinitiative führten zu interessanten Rückblickartikeln über die schrittweise erfolgten Armeereformen und -reduktionen. Seit dem Wegfall des sog. «Eisernen Vorhangs» bei der Landesverteidigung ist sehr viel passiert. Der Armeebestand ist nach der Auflösung des «Warschau Paktes» von gut 800’000 Armeeangehörigen schrittweise auf 140’000 Armeeangehörige im Jahre 2018 reduziert worden. Was heisst das jetzt, wenn man sich’s genauer überlegt, für die Sicherheitspolitik der Schweiz heute?

Der aktuell im Gang befindliche Reformschritt «WEA» heisst Weiterentwicklung der Armee. Die beschlossene «WEA» soll zu neuen Führungsstrukturen und weiter reduzierten Armeebeständen mit neuen Dienst- und Ausbildungsplänen führen. Und zwar mit einem stark beschränkten, aber stabilen Armeebudget. Sie soll mit der stufenweisen Einführung zur Armeestruktur gemäss «WEA» Ende 2022 abgeschlossen sein. «Sollte» müsste es heissen!

Nur schon das Thema Mobilmachung wird oft unterschätzt

Einige glauben daran, dass all diese Personal-und Materialreduktion dank technischem Fortschritt, Digitalisierung und Internet so genügen. Doch nur schon das Thema Mobilmachung wird oft unterschätzt! Es hat mit der Einsatzbereitschaft der Truppen zu tun. Im Zuge der früheren Reformschritte ist auch die bewährte Mobilmachungsorganisation aufgegeben worden. Diese braucht es jetzt aber bei der «WEA» wieder!

Vereinfachte Mobilmachung per SMS allein genügt nicht. Den besten Beweis dafür liefern die jeweiligen Ausfälle des Zahlungssystems gerade dann, wenn man eine Fahrkarte lösen sollte. Auch die neue Mobilmachungsorganisation braucht Raum, Zeit, Personal und Ausrüstung! (Bei der alten Mobilmachungsorganisation waren die aufgebotenen Truppen am Schluss der Mobilisation ausgerüstet und einsatzbereit.) Materiell ist das bei den verbleibenden 17 Infanteriebataillonen der «WEA» ab 2022 jedoch nicht der Fall. Drei dieser Bataillone sind ohnehin nur zur Unterstützung ziviler Behörden und zum Schutz von Infrastrukturen (z.B. Bondo, WEF) einsetzbar. Doch von den anderen 14 Bataillonen sind deren vier nur nach der Übernahme des schweren Materials von abzulösenden Formationen wirklich für den Verteidigungsfall voll ausgerüstet. Ob das im aktiven Dienst (z.B. bewaffneter Grenzschutz) wirklich so wie angedacht funktioniert?

Solche Fragen sollten im Zusammenhang mit der der Weiterentwicklung der Armee beim Projekt «WEA» in der Öffentlichkeit wieder mehr Beachtung finden. Die heutige Weltlage zeigt, dass Gewalt und Kriege sowie Natur- und technische Katastrophen für jeden Staat wieder zu einer grösseren Herausforderung geworden sind. Eine verlässliche Sicherheitspolitik liegt im Interesse aller!

Dr. oec. publ. Hans Rudolf Schuppisser ist Mitglied des Schweizerischer Seniorenrates SSR und Vorstandsmitglied des Zürcher Senioren- und Rentnerverbandes ZRV, war Mitglied in verschiedenen eidgenössischen Sozial-Kommissionen.

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