FrontGesellschaftEine gigantische Schaumschlägerei

Eine gigantische Schaumschlägerei

Der Spuk ist vorbei. Trump mit seiner Armada längst wieder abgereist, das 50. Weltwirtschaftsforum Davos Geschichte. Was bleibt, ist ein sehr zwiespältiges Gefühl und eine Materialschlacht ohnegleichen. 

Das WEF zahlte 2,25 Mio. für den Schutz der illustren Gästeschar, Graubünden 9 Mio., der Bund 32 Mio. und die Kantone, welche ihre Polizisten zu Hunderten für die Sicherheit und Logistik delegierten, werden nicht um einen Solidaritätsbeitrag herumkommen, denn der Aufwand hat alles überstiegen, was approximative Schätzungen im Vorfeld ergaben. Die möglichen Gefährdungen der US-Delegation nach dem Iran-Konflikt erreichte eine neue Sicherheitsstufe – und unser Land liess sich nicht lumpen und war die sprichwörtliche Zuverlässigkeit.

Die USA haben übrigens für die knapp zwei Tage am WEF mit einem kaum zu überbietenden Aufwand an Flugzeugen, Helikoptern, Limousinen und Hotelbuchungen 1,5 Mio. Dollars verpulvert. Der eitle Geck mit der feurigen Haartolle benutzte, besser gesagt: missbrauchte, das Jubiläums-WEF für eine Selbstbepinselung widerwärtigster Art und hielt eine Wahlkampfrede, die er ebenso gut zuhause hätte in die Welt hinaus posaunen können. Das WEF als Wahlkampfarena, das ist schon ein starkes Stück. Da musste die hochkarätige Schweizer Delegation ebenso leer schlucken wie WEF-Gründer Klaus Schwab, dem die Klimafrage ein ebenso ernstes Anliegen war wie unserer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.  Die Hoffnung, dass das erwünschte Freihandelsabkommen mit den USA an Morgenröte gewänne, wurde vom Deal-Maker Trump auf die lange Bank geschoben – als Dank für die guten, allseits geschätzten Dienste der Schweiz im Iran?  

Laut dem Tagesanzeiger zieht Greta Thunberg eine ernüchternde Bilanz vom WEF: „Wir sehen weniger Menschen, die den Klimawandel leugnen, doch stattdessen leugnen Menschen, dass wir handeln müssen.« Ihr Aufruf ist an hartnäckiger Deutlichkeit nicht zu übertreffen: „Wir müssen Verantwortung übernehmen für unser Handeln und dürfen nicht länger warten. Vor allem aber können wir uns nicht auf die Politiker verlassen, denn sie lügen und versuchen, wissenschaftliche Erkenntnisse in den Dienst ihrer politischen Absichten zu stellen.“

Weniger negativ äusserte sich die deutsche Umweltschützerin Luisa Neubauer. Sie habe in Davos wahrgenommen, dass anders über das Klima gesprochen werde. «Das ist nett», sagt sie, «aber es brauche natürlich mehr. Wir streiken nicht, damit sich der Diskurs ändert, sondern das Handeln.» Die Welt könne nicht warten, bis die Apokalypse da sei

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel äusserte Zuspruch mit den besorgten Aktivisten und  stellte sich in ihrer Rede am WEF gegen Trump, der im Hinblick auf den Klimawandel von Schwarzmalerei sprach.

Die NZZ findet, Greta Thunberg und Donald Trump hätten mehr gemeinsam, als ihnen lieb sei und zeigten, was man zuletzt erwartete: nämlich Authentizität. „Der Nationalist und die Umweltaktivistin verkörpern zwei Massenbewegungen, die einiges gemeinsam haben und die etablierten Kräfte gleichzeitig herausfordern. Trump und Thunberg bilden das heimliche Traumpaar von Davos“, hält NZZ-Chefredaktor Eric Gujer in seinem aktuellen Leitartikel fest.

Ob das ein Trost ist für die Ikone der Umweltbewegung? Jedenfalls lässt sie sich vor keinen Karren spannen, wehrt sich gegen jegliche Gewalt und wirkt in ihrer kompomisslosen Haltung deshalb umso glaubwürdiger. Was man von der gewalttätigen Anti-WEF-Demo in Zürich nicht behaupten kann, die einmal mehr vom feige vermummten schwarzen Block unterwandert wurde und nur ein Ziel hatte: die Einsatzkräfte mit Pyrofackeln und Petarden gezielt anzugehen und zu verletzen. Wann hört das endlich auf? Kuscheljustiz löst das Problem garantiert nicht. Wir sind an allen Fronten gefordert.

 

 

3 Kommentare

  1. Ein grosses Bravo für Joseph
    Von A bis Z, finde ich, ist dein Kommentar zum WEF lesenswert, bedenkenswert, einfach ausgezeichnet. Es ist nicht der erste Text von dir, der mir ausgezeichnet gefällt. Schön, dass auch Senioren das Wort ergreifen und sich kritisch äussern zu Dingen, die schief laufen. Wer kann es denn besser tun als wir Alten. Nützen wir dieses Privileg – und unterstützen wir die Jungen.
    Nochmals herzlichen Dank, lieber Joseph, und herzliche Grüsse
    Hanspeter

  2. Das wirtschaftspolitische Hochwild der Welt trifft sich an der Tränke und übt sich mindestens zum Teil in Selbstbetonung. (Sehr frei nach Chr. Fry, Das Dunkel ist Licht genug, 1954)

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