FrontKolumnenGanz nah dran ist auch daneben

Ganz nah dran ist auch daneben

Begriffe können manchmal so nah nebeneinander liegen und sind sich doch so fern. Deshalb ist «der Spur nach schreiben» in vielen Fällen keine so gute Idee.

Es gibt da einen Witz: Weshalb schreiben Sie Fysik?, fragt der Professor den Studenten. Das «V» auf meiner Tastatur funktioniert nicht mehr, antwortet dieser. Ihm viel auf, dass er Talent hatte, ist auch so ein Fall. Fragen sie doch einen Drittklässler, möchte man da raten. Der wird aufzählen, wie viele schon schlechte Noten bekommen haben wegen dieser Frage: Fögeli- oder Visch-F oder -V – oder so.

Wenn jemand einem anderen Geld abknüpft mit falschen Angaben, dann muss das ein Teppichhändler sein. Der einen Bettvorleger als geknüpft verkauft, obwohl er gewoben ist. Wenn aber einer dem anderen Geld abknöpft für nicht erbrachte Leistungen, dann muss der höllisch aufpassen. Dass er der Justiz nicht ins – fein geknüpfte – Netz geht.

Zur Abwechslung einen ressourcenschonenden Recyclingtipp: Wem sein langweiliges weisses Shirt verleidet ist, kann es samtrot färben. Ist doch eine gute Idee. Ginge auch polyestergrün, seidenblau, leinenweiss oder wollgelb? Stylistinnen sollten nicht nur von Mode, sondern auch von Sprache eine Ahnung haben.

Dazu passt der Begriff «(Wol-)lust», was ein Laster sein soll. Und ich weiss nun nicht, ob dieses Laster etwas mit Wolle oder doch eher mit Wollen zu tun hat.

Eine gar nicht so kleine Gemeinde hat Ambitionen: Sie will zur Wohlfühlgemeinde werden. Dazu möchte sie, mittels Informationsanlass, der Bevölkerung den Puls fühlen. Rund ein Dutzend Interessierter kamen, heisst es im Zeitungsbericht. Was mich stört, ist nicht nur die beschämend geringe Anzahl der Beteiligten, sondern der Begriff «rund». Der wird ja gebraucht, um etwas zu schätzen: Rund 500 Personen, rund 80 Schafe… . Aber bei «rund» zwölf Leuten? Die können doch gezählt werden! Es sagt ja auch keiner, er habe rund zehn Finger an beiden Händen.

Nächste Woche muss ich mein Auto vorführen. Deshalb bin ich etwas erschrocken über diese Pressemeldung: Die Ställe haben nun Zeit, ihre Tierbestände auszuwechseln. Die Ställe? Hoffentlich macht das in der Praxis nicht Schule. Nicht auszudenken, wenn meine Garage beschliesst, mein Auto zu entsorgen.

Auf dem Dach sind Solarzellen fixiert, heisst es im Text über einen Neubau. Mit Klebeband oder Nägeln? Oder wurden diese Panels vielleicht richtig installiert? So, dass sie die Sonnenwärme nicht nur aufnehmen, sondern über Leitungen in ein Stromsystem leiten können?

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