StartseiteMagazinKolumnen(Fremd-)Wörter sind Glückssache

(Fremd-)Wörter sind Glückssache

Verstehen Sie immer alles, was in den Zeitungen steht? Oder was auf Reklametafeln zu lesen ist? Ja? Kompliment. Sie wissen also, wie es tönt, wenn jemand in hohen Oktaven spricht oder mit einem dumpfen Gegenstand verletzt wird. Oder was in der Werbung mit «taste the rainbow» gemeint ist?

In der neuesten Migroszeitung sind einige amüsante Begriffe aus dem Bereich Medizin aufgelistet. Eine Kollegin hat mich auf den Beitrag «Oraltropfen sind nichts für die Ohren» aufmerksam gemacht. Danke. Wer hat nicht schon im ersten Moment gestutzt, wenn die Ärztin von einem negativen Befund gesprochen hat. Weil der ja positiv ist, o.B. Was «ohne Befund» heisst.

Nachfragen hilft. Dann wird auch klar, das Oraltropfen besser geschluckt als in die Ohren geträufelt werden sollen. Oder dass ein Suppositorium nicht in den Mund, sondern in dessen Gegenteil gehört. Nein, nicht in die Ohren.

Auch mit deutschen Begriffen kann ganz schön jongliert werden. Da sind die Eiben, die wieder ausschiessen, wenn sie geschnitten werden. Wer nicht ganz so gefährliche Pflanzen in seinem Garten will, nimmt zahme Eiben, die nach dem Schnitt einfach wieder austreiben. Aber Achtung: Auch Kopfsalat kann gefährlich sein. Er schiesst auf, wenn er zu lange im Gartenbeet belassen wird.

Die künftige Parkgarage wird irgendwann mit Rasen überschüttet. Kommt dieser Rasen aus der Giesskanne oder dem Gartenschlauch oder direkt vom Himmel? Oder wird die Garage ganz einfach später mit Rasen überdeckt?

Beim Coronavirus zieht der Bundesrat die Führung an sich. Eine originelle Formulierung. Tönt ein bisschen nach Umarmung. Er könnte die Führung ja auch an sich reissen oder einfach übernehmen. Aber ersteres tönt vielleicht zu aggressiv oder, im zweiten Fall, zu brav. Aber «ziehen» das tönt aktiv und kraftvoll – und ziemlich falsch.

Die Winterstürme haben Schäden angerichtet. Und die Journalisten schilderten diese entsprechend dramatisch. Da gab es Bäume, die vom Sturmtief «Sabine» gefressen wurden, ja in einem Garten ist einer sogar verendet. «Mein Freund, der Baum ist tot», sang vor vielen Jahren eine Sängerin. War wohl auch verendet.

«Sie brauchen nur ein Smartphone oder ein Tablett, um den neuen TV-Sender zu sehen». Ich verstehe das nicht. Ein Serviertablett zum Fernsehschauen? Oder ging da ein «e» vergessen? Bräuchte man dann eine Schlaftablette oder eher eine zum wach werden?

Womit wir wieder bei der Medizin wären: Wenn ein Leiden idiopathisch ist oder essenziell oder kryptogen, heisst das einfach, dass der Arzt noch keine Ursache ausmachen konnte. Und manchmal wird auch etwas idiopathisch geschrieben: Man weiss nicht so recht, was der Schreibende sagen wollte. Meist nicht ganz das, was dann in der Zeitung steht.

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