FrontKolumnenAlte weisse Männer - unersetzlich?

Alte weisse Männer – unersetzlich?

Es wird immer mehr zur Gewissheit: Die USA werden bis Ende 2024 von einem alten weissen Mann regiert. Entweder von Donald Trump, heute 74, dann 78, oder von Joe Biden, heute 77, dann 81, bei einer zweiten Amtszeit gar 85. Ein leise Hoffnung hat noch ein Älterer: Bernie Sanders, der dieses Jahr 79 wird, dann 83 oder eben 87 Jahre alt, wenn er beide Amtsdauer überstehen würde.

Russlands Wladimir Putin brachte das Kunststück fertig, dass er unter gütiger Mithilfe des Parlaments, der Duma, die russische Verfassung ändern konnte und nun bis 2036 regieren könnte. Am 7. Oktober wird er 68 und regiert nun schon seit 20 Jahren als Präsident Russlands, zeitweise als Ministerpräsident, als seine Amtszeit schon einmal abgelaufen war. Im Jahre 2036 wäre er 86 Jahre alt. Durchaus denkbar, dass er Russland bis zu diesem Zeitpunkt immer autokratischer zu regieren versteht. Es sei denn, die russische Bevölkerung hat genug von ihm, stoppt ihn, löst sich von diesem Autokraten und findet zu mehr Demokratie.

Alle vier gehören jetzt bei der aktuellen Corona-Krise der Risikogruppe an. Bei Biden und Sanders weiss man zudem, dass sie nicht immer auf der Höhe sind. Biden hat oft Lücken in der Erinnerung. Sanders erholte sich zwar von einem Herzinfarkt, wirkt bei seinen Auftritten aber oft fahrig und trotzt jetzt trotzdem Biden, obwohl er bei den aktuellen US-Vorwahlen bei den Demokraten weit hinter ihm, dem ehemaligen Vizepräsidenten, liegt.

Donald Trump, der notorische Lügner, gibt sich derweil siegessicher, verweigerte zunächst gar einen Corona-Test, nachdem er mit Infizierten in Berührung kam, weil er sich topfit fühlt und weil er die wichtigste, die stärkste Nation der Welt auch in den nächsten vier Jahren in die Zukunft, in seine Zukunft führen will. Auf Druck der Öffentlichkeit machte er den Test dann doch noch. Resultat negativ.

Aber bezeichnend ist eines: Alle drei US-Amerikaner wollen sich mit jungen Frauen umgeben. Trump setzt auf seine 38jährige Tochter Ivanka, die er schon jetzt als „Botschafterin“ einsetzt. Seinen aktuellen Vize Mike Pence will er anscheinend mit der ehemaligen UNO-Botschafterin, der 48 jährigen Nikki Haley ersetzen, einer Frau indischer Abstammung.

Joe Biden versucht die 47jährige Afroamerikanerin Stacey Abrams als mögliche Vizepräsidentin zu verpflichten. Steacy Abrams gilt als grosses Talent. Und Bernie Sanders umgibt sich interessanterweise mit der Jüngsten in der Reihe, der 30jährigen linken Abgeordneten aus New York, Alexandria Ocasio-Cortez.

Nicht viel anders in Russland. Über Wladimir Putin, der am 7. Oktober auch schon 68 Jahre alt wird, weiss man wenig, sein Privatleben schirmt er konsequent ab. Von seiner ersten Ehefrau ist Putin geschieden. Seit zwölf Jahren soll er mit der 35jährigen Olympiasiegerin Alina Kabajewa liiert sein. Sie soll sich sozial sehr stark engagieren. Bekannt ist, dass sie als Schirmherrin von Veranstaltungen wichtige Funktionen wahrnimmt, aber sehr selten in der Öffentlichkeit auftritt. Und Putin selbst tritt auch im Ausland meistens alleine auf, obwohl sich bei diesen Treffen die meisten Staatschefs mit ihren Frauen schmücken.

Und siehe da, es war interessanterweise eine Frau, die 84jährige Valentina Tereschkowa, Abgeordnete der Kreml-Partei, erste Frau im Weltall, die in der Duma den entscheidenden Antrag einbrachte, Putin weitere Amtsdauern zu sichern. Am 22. April will Putin das Volk über die neue Verfassung abstimmen lassen. Fällt das Resultat positiv aus, was zu erwarten ist, kann Putin bis ins Jahr 2036 im Kreml residieren und wäre dannzumal genau so alt wie seine Promotorin, 84jährig.

Werden also die USA und Russland in den nächsten Jahren, gegen ein Jahrzehnt und mehr, von alten weissen Männern regiert, die in der aktuellen Corona-Krise zur Risikogruppe gehören? Von einem Donald Trump, der jetzt in der Krise irrlichtert, zuerst verharmlost, dann andern, den Europäern, die Schuld in die Schuhe schiebt und nun plötzlich doch noch den zwingend notwendigen Notstand in den USA ausruft?

Und aus Russland hört man zur Corona-Krise verdächtig wenig, weil nicht sein darf, was ist? Genauso wie in China, wo erst vier Wochen nach Ausbruch des Virus die Folgen vom Regime in Peking zur Kenntnis genommen wurden.

Die alten weissen Herren zieren sich reihum mit talentierten Frauen. Der Welt wäre gedient, wenn sie zugunsten „ihrer“ Frauen verzichten, sich in den Ruhestand verabschieden würden. Oder das Regieren Jüngeren überliessen, wie dies Frankreich mit Emmanuel Macron (42) tut oder Österreich mit Sebastian Kurz (34), beide können regieren und gehören nicht der Risikogruppe an.

2 Kommentare

  1. Nicht alles was die «alten weissen Männer» machen ist schlecht.
    Sonst könnte man auch sagen Herr Macron und Herr Kurz sind persé schon ein Risiko.
    Da braucht es gar nicht erst ein Virus.

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