FrontGesellschaftDie Kreuzspinne wird ein seltenes Tier - eine specie rara

Die Kreuzspinne wird ein seltenes Tier – eine specie rara

Die Grossen Radnetzspinnen sind im schweizerischen Mittelland in den letzten 40 Jahren in ihrer Häufigkeit drastisch zurückgegangen. Als Hauptgrund dafür gilt das sinkende Nahrungsangebot für diese insektenfressenden Tiere. Eine Studie von Forschern der Universitäten Basel und Gent zeigt diesen Trend auf.

Die rund 48‘400 bekannten Spinnenarten gehören weltweit zu den wichtigsten insektenfressenden Tieren auf der Erde. Eine Gruppe davon, die Kreuzspinnen, bauen auffällige Radnetze. Als die vermutlich bekannteste und bisher sehr verbreitete Kreuzspinnenart in Europa gilt die Gartenkreuzspinne Araneus diadematus. Ihre bevorzugten Lebensräume sind neben Hausgärten Parks, Friedhöfe, Hecken, Waldränder und Waldlichtungen.

Adulte Kreuzspinne wickelt ein Insekt ein. (Foto: David Hill)

Leicht erkennbar ist die Gartenkreuzspinne durch die helle, kreuzförmige Zeichnung auf der Oberseite ihres Hinterleibs. Die Weibchen dieser Spinnenart, die ausgewachsen und ohne Beine 10 bis 18 Millimeter lang werden kann, bauen Netze mit einem Durchmesser von rund 30 Zentimetern. Nun haben die Insektenforscher im Spätsommer 2019 in zwanzig repräsentativen Lebensräumen die Populationsdichte der Gartenkreuzspinnen im schweizerischen Mittelland ermittelt: Auf Probeflächen von 200 bis 1000 Quadratmetern zählten sie die Spinnennetze und rechneten sie auf die Anzahl Netze pro Quadratmeter um.

Die Ergebnisse: Im Vergleich mit Daten aus den 1970er- und 1980er-Jahren zeigte sich, dass die Häufigkeit dieser Spinne in alarmierendem Mass abgenommen hat. Die mittlere Populationsdichte in der Schweiz liegt zum Beispiel um 140 Mal niedriger als der frühere europäische Mittelwert. In zwei Dritteln der untersuchten Probeflächen wurden überhaupt keine Spinnennetze mehr gefunden. Die Netze enthielten im Vergleich zu früheren Studien signifikant weniger Insekten. Zudem erweisen sich die untersuchten Netzfäden als deutlich weniger stark, was auf eine Unterernährung der Spinnen deutet.

Gartenkreuzspinne Araneus diadematus – adultes Weibchen. (Foto: Rainer Altenkamp)

Die meisten Kreuzspinnenarten ernähren sich beinahe ausschliesslich von kleinen Fluginsekten wie Fliegen, Mücken und Blattläusen, die am meisten vom Insektensterben betroffen sind. Dass die Populationsdichte der Gartenkreuzspinne in neuerer Zeit auf sehr tiefe Werte gesunken ist, hat auch eine Studie in Nordbelgien ergeben. Nicht nur die Gartenkreuzspinne, die im schweizerischen Mittelland noch beinahe überall existiert, findet sich in wesentlich niedriger Populationsdichte. Auch andere netzbauende Spinnenarten werden heute weniger häufig nachgewiesen als im letzten Jahrhundert.

Die Brückenkreuzspinne Larinioides sclopetarius ist die einzige einheimische Radnetzspinne, die bei der Erhebung im Schweizer Mittelland 2019 noch häufig angetroffen wurde. Die nachtaktive, in Wassernähe lebende Art spinnt ihre Netze häufig an Strassenlaternen und beleuchteten Brückengeländern, wo das Licht viele Insekten anzieht. (Foto: Rainer Altenkamp)

Diese Spinne, die ihr Netz am Fenster einer Ferienwohnung gebaut hatte,  fütterten wir notfalls auch selbst mit Fliegen. Foto: E. Caflisch

«Die Resultate unserer Studie sind ein starker Hinweis auf ein Insektensterben in weiten Teilen Europas», sagt Privatdozent Martin Nyffeler von der Universität Basel. Die Untersuchung lasse auch darauf schliessen, dass davon zusätzlich andere Tiere betroffen sind, die sich wie die Spinnen von Insekten ernähren: «Wenn Insekten und ihre natürlichen Feinde in ihrer Häufigkeit stark zurückgehen, hat dies eine Verarmung der Ökosysteme zur Folge, was irgendwann zum Kollaps führen kann.»

Beitragsbild: Gartenkreuzspinne Araneus diadematus – adultes Weibchen. (Foto: Rainer Altenkamp)
Die Studie zum Rückgang der Radnetzspinnen der Biologen Martin Nyffeler aus Basel und Dries Bonte aus Gent ist in der Fachzeitschrift «Insects» erschienen.

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