FrontKolumnenLiebäugeln mit der Diktatur

Liebäugeln mit der Diktatur

Während der Corona-Krise werden immer mehr Stimmen laut, die mit politischen Systemen liebäugeln, die von oben nach unten regieren. Sie würden in der Krise rascher Erfolge aufweisen und seien im Vergleich zu den Demokratien effizienter. Diese Stimmen weisen im Moment auf China, das von einem einheitlichen Willen geleitet wird, um das Land an die Weltmachtspitze zu führen, und zwar mit der Idee «Wachstum und Fortschritt» unter pseudokommunistischem Gedankengut. In Wahrheit handelt es sich um die Idee eines Staatskapitalismus. Die Idee zieht die Menschen grundsätzlich magisch an. Wer in solch einem Staat die Idee aber nicht zu der seinen erklärt, wird ausgeschaltet und gilt als Verräter. Darin wird sichtbar, dass die oberste Staatsführung Menschen als auswechselbar betrachtet. Der Einzelne wird zur Nummer.

Systeme dieser Art haben immer Anhänger gefunden. So fand Stalins Marxismus-Kommunismus seine intellektuellen Bewunderer sogar in Frankreich, im Kreis um den Philosophen Sartre. Damit die reine Lehre durchgesetzt werden konnte, nahmen sie in Kauf, dass Millionen Menschen in den Gulag geschickt wurden. Gegenwärtig findet Erdogan viele fanatische Anhänger. Seine Idee der Schaffung einer starken Türkei in der  Nachfolge des osmanisch-muslimisches Reichs findet Begeisterung. Und Putins Position stärkt, dass er Grossmacht-Allüren verfolgt. Die Idee wird solange von den Massen getragen, wie sie Brot und Spiele liefert.

Wenn die obersten Verfechter der Idee beginnen, missliebige, kreative Köpfe zum Schweigen zu bringen, schwächen sie die Lebendigkeit ihres Staates. Es entsteht eine folgsame Massengesellschaft, die erst zu murren anfängt, wenn sie sich vom materiellen Abstieg bedroht sieht. Darum sind Krisen, wie die derzeitige, für führende Kreise sehr gefährlich, denn die Bürgerinnen und Bürger erwarten das Heil allein vom Staat. Sie selber tragen keine Verantwortung. Das Versagen des Staates ist das Versagen der diktatorischen Führung. Wichtige Exponenten im Staat schauen sich nach Alternativen um. Sie kennen die Idee der Demokratie. Sie ist von Perikles im 5. Jahrhundert v. Chr. zum ersten Mal verwirklicht worden. Während langer Jahre unter Diktaturen und Königen ist sie nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden. Geschichtsbücher erinnern, dass es sie einmal gab. Aus dem Versagen des autoritären Staates wächst der Wunsch, diese Staatsform zu leben. Es soll ein Staat sein, der die Rahmenbedingungen für freies und sicheres Handeln ermöglicht. Und das ist die Demokratie.

Alle politischen Systeme, die das Volk auf die Führeridee abzurichten versuchten, scheiterten. So wird auch China auf einen Prozess zusteuern, in dem die Menschen mehr Freiheiten verlangen. Die Chinesen werden sich nicht auf alle Zeiten gefallen lassen, durch digitale Überwachung als gute oder schlechte Bürgerinnen und Bürger eingestuft zu werden, mit den persönlichen Konsequenzen, die eine derartige Bevormundung mit sich bringt. Noch trägt offenbar die Idee, China zur Weltmacht Nummer eins zu machen. Was aber, wenn das Riesenland das gesetzte Ziel erreicht hat, bricht dann nicht ein neuer Wille auf, sich aus den Fesseln der Bevormundung zu befreien?

Darum scheint mir jenes Liebäugeln mit den starken Männern der politischen und gesellschaftlichen  Systeme verfehlt zu sein. Vielmehr muss es uns darum gehen, den Rechtsstaat zu erhalten und unter allen Umständen zu verteidigen. Ich glaube nicht, dass ein System mit Politikern an der Spitze, die sich herausnehmen, das Volk nach ihrem Willen zu dirigieren, auf Dauer überlebt. Mir ist mit dem Blick auf die Geschichte kein Land bekannt, das die Gewaltherrscher nicht vertrieb. Kaiser und Könige, Diktatoren und selbsternannte autoritäre Männer sind alle gescheitert. Dass unser Bundesrat sich danach sehnt, das Notrecht zugunsten der gesetzgebenden Gewalt aufzugeben, zeugt davon, dass wir in einer reifen Demokratie leben dürfen.

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2 Kommentare

  1. Dieser Artikel strotzt nur so vom Schwarz-Weiss-Denken des kalten Krieges und vor Naivität gegenüber dem eigenen Staat. Mit solchen Artikeln läuft man wahrlich nicht Gefahr, ins Fadenkreuz der Staatsorgane zu gelangen. Würde sowas in China oder Russland veröffentlicht, der Westen würde aufschreien über diese Art von Staatspropaganda.

    Zur Erinnerung: Russlands Präsident wurde 2018 von über 75% der russischen Bevölkerung in freien Wahlen bestätigt. Die 90’000 Wahlurnen wurden von je 2 WebCams in Echtzeit überwacht. Der russische Staat ist nach dem Totalzerfall in den 90er Jahren zu einem gut funktionierenden Staat nach europäischem Vorbild geworden. Wer kann es Russland verdenken, dass sie nach den Nazi-Gräueln, denen 26 Mio. Sowjetbürger zum Opfer fielen, viermal mehr als jede andere Nation, den Ueberfällen von Napoleon, den Mongolen, Polen, Schweden, usw. nur noch auf ihre eigene Stärke vertrauen. Die Bevölkerung ist trotz aller erlittenen Leiden offen, warmherig und sehr gastfreundlich geblieben. Jedem unserer ignoranten Schreiberlinge täte ein Besuch im Friedenspark in Moskau, wo der 26 Mio. Opfer des 2-ten Weltkriegs gedacht wird und alle grossen Weltreligionen nebeneinander vertreten sind, oder am Europaplatz, wo alle europäischen Fahnen wehen, sehr gut. Nachdem die Oligarchen in den 90er Jahren das Land regelrecht geplündert hatten, alles danieder lag, war die Wahl von Wladimir Putin für Russland ein Glücksfall. Uebrigens, Russland besitzt knapp 30 Aussenposten in der Welt, die meisten davon in den ehemaligen Sowjetrepubliken, die USA über 550. Wer da wohl mehr Weltmachtsansprüche zeigt!

    Wir alle (ausser dem Bundesrat!) wissen seit über 20 Jahren, dass die «neutrale» Schweiz 50 Jahre lang aktiv mitgeholfen hat , über 100 Länder für die USA auszuspionieren, und damit üble Kriege ermöglicht. Wie die angeblich freie Welt mit ihren Kritikern umgeht, kennen wir an den Beispielen Eric Snowden, Julian Assange oder Chelsea Manning. Präsident Bush Sen. war übrigens Chef des CIA, einer Organisation, die sich vorallem für Staatsstreiche und Foltermassnahmen einen Namen gemacht hat. Barak Obama hat diverse neue Konflikte begonnen, mit seinen Drohnenkriegen viele Unschuldige umbringen lassen und die weltweite Ueberwachung in einem bis dahin unvorstellbaren Ausmass ausbauen lassen, und dafür den Friedensnobelpreis erhalten! So feiert man sich und seinen Kampf für Demokratie nach amerikanischem Muster.

    Offen gesagt, ich war geschockt, wie leicht sich die gesamte Bevölkerung in unserem Lande über Nacht vollständig hat entrechten lassen, durch Schreckensmeldungen und Panikmache im Staatsfernsehen. Man weiss, unserer Alltag wird genauso überwacht wie derjenige in China. Leere Strassen seien bei uns nicht nicht möglich, hiess es in der Presse, denn China sei eine Diktatur. Erinnert sich jemand an die Bilder unserer Strassen über Ostern? Nach der globalen Ueberwachung des Telefonverkehrs, des Finanzflusses, der vollständigen Kameraüberwachung des öffentlichen Raums (über 40 Kameras zeichnen beispielsweise jeden Schritt in der Lindenplatzunterführung in Baden auf), der Internetzensur (bei uns nennt man es ja «filtern»), dem Zwang, die Fingerabdrücke der gesamten Bevölkerung in einer zentralen Datenbank zu speichern, nun als letzten Schritt die Totalüberwachung aller unserer Schritte durch Handy-Ortung! Die Uebergabe unserer Petition nach mehr Rechtstaatlichkeit während der Corona-Krise wurde vom Regime in Bern verboten. Für mich erübrigt sich jeder Kommentar betreffend reifer Demokratie!

    Für jede Regierung ist es ein unvorhersehbares Risiko, das eigene Land in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben. Denn dann gibt es nur noch Verlierer. Aber das hat mit Demokratie nichts zu tun.

  2. Unterschiedliche menschliche Individualitäten und deren Einfluss auf
    Politik und Weltanschauung, bestimmen seit Urzeiten das Sein.
    Verschiedenste Fähigkeiten sind in allen Völker vorhanden. Mit den vererbten Grenzen und ihrer Entwicklung gestalten alle Lebewesen ihr Sein. Eigenschaften spiegeln sich in Gestalten und Gesichtern. Die Verschiedenheiten und ihre Veränderungen, auch eine zur Friedensgestaltung unabdingbare Liebesfähigkeit sind hier analysierbar.

    Menschen organisieren unser Leben!
    „Der Grund für differenzierte Ansichten und dem heutigen, dringend zu verbessernden Zustand unserer Welt, ist der Mensch mit seinen ererbten vielfältigen Fähigkeiten und ihrer Entwicklung. Um eine friedliche und nicht im Gewalttätigen oder im Genuss ausufernden Zukunft zu erreichen, ist bei den Führenden Intelligenz, verbunden mit umfassender Bildung und tiefer Liebesfähigkeit unabdingbar!“
    Ohne Definition der besten Fähigkeiten für Führende, die zu einem friedlichen Miteinander unabdingbar sind und der bewusste Einsatz solcher Menschen, werden wir keinen Weltfrieden und kein offenes, positives Zusammenarbeiten, keine friedliche Zukunft erreichen. Politisch unabhängige, neutrale Menschenkenntnis ist dazu dringend nötig.

    Russland war, als Beispiel, unter der Führung vom ausgeglichenen Gorbatschow offen und dank ihm, mit der ganzen Welt kommunikationsfähig. Solche und ähnliche Führer sollten wir suchen und wählen. Gorbatschow wurde 1991 auf harte Art gezwungen, als Präsident zurückzutreten. Heute regiert der hochintelligente, jedoch eiskalte Wladimir Putin mit harter Hand. Ihm fehlt genügend innere, ausgleichende, Liebesenergie. Diese könnte mit geeigneten Mitarbeiter erreicht werden.
    Menschen, die aus eigenem Talent eine Entwicklung mit friedlichen Mitteln ermöglichen, sind vorhanden. Das lehrt uns die Geschichte. Nur das bewusste Erkennen und Einsetzen von solchen Fähigkeiten wird zu einer neuen ausgleichenden Machtphilosophie und Zusammenarbeit führen. Das ist für einen Fortschritt im menschlichen Zusammenleben unabdingbar. Menschen mit grossem humanistischen Fühlen und realistischem Denkvermögen, sind in der Lage, uns in eine Zukunft des friedlichen Zusammenlebens zu führen. Nur wenn es uns gelingt, solche Talente für Frieden und Zusammenarbeit zu erkennen und zur Macht zu bringen, erreichen wir dieses von jedem Volk erwünschte Ziel.
    Milliarden werden heute für die Rüstungsindustrie, angeblich zur Verteidigung der über Frieden sprechenden, sich aber blutig bekämpfenden Staaten und Ansichten ausgegeben, oder zu unvernünftig gewordenem, überbordendem, gewinnbringendem Vergnügen verjubelt. Dieses Geld könnte für einen friedlichen, vernünftigen Ausbau der Tätigkeiten und einer humanistischen Bildung unserer Gesellschaft eingesetzt werden. Vielseitige Fähigkeiten, die heute im Wesentlichen zur unerbittlichen Machterhaltung durch eine riesige Rüstungsindustrie, oder zum ausufernden Vergnügen dienen, könnten für einen, die Natur schützenden Einsatz genutzt werden.
    Ohne Persönlichkeiten, Männer und Frauen gleichberechtigt, die aus Talent und Entwicklung friedensfähig, weil vernunftbegabt sind, erscheint dauernder Frieden in Freiheit kaum möglich. Solche Menschen, könnten beispielsweise mit der physiognomischen Psychologie des genialen Autodidakten Carl Huter, 1861-1912, http://www.poldi.ch erkannt werden, oder mit grundlegend neu zu definierenden Eigenschaften für Friedensfähigkeit ermittelt und eingesetzt werden.

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