FrontGesellschaftGute Betreuung im Alter ermöglichen

Gute Betreuung im Alter ermöglichen

Die Betreuung und die Pflege älterer Menschen rücken zunehmend in den Mittelpunkt sozial- und gesellschaftspolitischer Debatten, verstärkt noch durch die aktuelle Corona-Pandemie. Eine Stiftungskooperation hat einen Wegweiser mit konkreten Hinweisen herausgegeben, der eine gute Betreuung für alle Betagten in der Schweiz ermöglichen soll.

Demographische Veränderungen, veränderte Familienstrukturen, ein prognostizierter wachsender Pflege- und Betreuungsbedarf erfordern eine neue Positionierung der Betreuung im Alter. Der 2018 veröffentlichte Recherchebericht “Gute Betreuung im Alter – eine Bestandsaufnahme für die Schweiz” hatte deutlich gemacht, dass die Betreuung älterer Menschen neu überdacht werden muss. Der jetzt vorliegende “Wegweiser für gute Betreuung im Alter” liefert entsprechende Erklärungen und Antworten, wo Lücken in der Betreuung bestehen und welche Rahmenbedingungen zu erfüllen sind, um den Anforderungen an eine gute Betreuung gerecht zu werden.

Ganzheitliche Betreuung im Visier

Bei der Betreuung im Alter geht es um vielfältige Unterstützung, damit ältere Menschen trotz Einschränkungen ihren Alltag selbständig gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Dabei spielt das psychosoziale Wohlbefinden eine wichtige Rolle, das es zu erhalten und zu stärken gilt. Der Wegweiser listet eine Reihe von Leitlinien auf, die für eine gute Betreuung unumgänglich sind, unter anderem, dass gute Betreuung ganzheitlich und eine gemeinschaftliche Arbeit ist, dass gute Betreuung sich an der Lebensgeschichte, der Lebenssituation, den Bedürfnissen und dem Wohlbefinden der betagten Person orientiert.

Sodann führt die Schrift mehrere Qualitätsmerkmale an, die für die Institutionen erforderlich und von den professionellen Akteuren zu berücksichtigen sind, darunter eine verbindliche strategische Ausrichtung in Form eines Leitbilds oder Mission, Personal mit geeigneter Ausbildung und entsprechend fachlichen und persönlichen Kompetenzen, eine Infrastruktur mit geeigneten Räumen und Rückzugmöglichkeiten, einen betriebsübergreifenden Vergleich der Qualitätssicherung und der Messung der Zufriedenheit der betreuten Personen.

Flache Hierarchien und hohes Mass an Selbstorganisation

Interessant sind die Anforderungen, die unter dem Kapitel “Ausblick” aufgelistet sind. Um die Anerkennung auf institutioneller Ebene zu erreichen, seien flexible betriebliche Strukturen und Prozesse erforderlich, „die nach flachen Hierarchien und einem hohen Mass an Selbstorganisation verlangen“. Die Arbeit in fachlich gemischtem Team mit weitreichenden Kompetenzen der Arbeitsgestaltung sei das Gebot der Stunde. Damit die Betreuung auch gesellschaftlich anerkannt wird, soll neben geregelten Anstellungsbedingungen der Zeitaufwand der Betreuenden in geeigneter Form abgegolten werden. Ein besonderes Augenmerk gilt den Arbeitsverhältnissen der Angestellten in privaten Haushalten, die sich noch viel zu oft im Graubereich bewegen.

Weiter soll die Betreuung für alle zugänglich gemacht werden. Alle sollen bezahlbare Betreuung in Anspruch nehmen können. Um dies zu ermöglichen, sollte die Betreuung gesetzlich geregelt werden. Schliesslich soll ein Finanzierungsmodell angestrebt werden, das Betreuung im Alter für alle gewährleistet. Entscheidend dabei sei die Frage, wie weit die Betroffenen – zum Beispiel über eine obligatorische Versicherung – selber Vorsorge zu leisten haben und wie weit die Betreuung im Alter über allgemeine Steuern ermöglicht werden soll.

Enthalten sind im Wegweiser mehrere Kurzreportagen über den Betreuungsalltag, wie er sich im häuslichen Umfeld, in der Nachbarschaft und in Heimen präsentiert. So betreibt der Verein Vicino Luzern im Stadtteil Littau einen Treffpunkt, wo ältere Menschen sich austauschen und beraten lassen können. Das Kompetenzzentrum Schönbühl in Schaffhausen lebt vor, wie Neuankömmlinge im Zentrum mit Empathie aufgenommen und betreut werden.

Herausgeber des Wegweisers ist eine Stiftungskooperation mit Age-Stiftung, Beisheim-Stiftung, MBF Foundation, Migros-Kulturprozent, Paul Schiller Stiftung und Walder Stiftung, die die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW mit der Abklärung der Voraussetzungen und Bedingungen für eine gute Qualität der Betreuung beauftragt hat. Der Wegweiser richtet sich vorab an die Akteurinnen und Akteure, die sich in der Betreuung und Pflege engagieren.

Hier finden Sie eine Video-Zusammenfassung und eine PDF-Version des Wegweisers. Die Seite gutaltern.ch bietet zudem einen attraktiven Newsletter, der regelmässig über Bemerkenswertes zu guter Betreuung im Alter berichtet.

Der „Wegweiser für gute Betreuung im Alter“ kann unter betreuung-im-alter@weissgrund.ch bezogen werden.

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