FrontKulturMit Zuversicht in die neue Spielsaison 

Mit Zuversicht in die neue Spielsaison 

Der neue Spielplan 20/21 des Schauspielhaus Zürich sieht insgesamt 7 Uraufführungen (darunter ein Werkauftrag), 19 Inszenierungen und 11 Wiederaufnahmen vor, darunter “Das Weinen. (Das Wähnen)” von Christoph Marthaler, dessen Uraufführung im März wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste.  

In der ersten Spielzeit der neuen Intendanz von Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann mussten in diesem Frühjahr aufgrund der Corona-Pandemie mehrere Premieren abgesagt werden. Alle konnten – und darauf sind die beiden Intendanten besonders stolz – in die neue Spielzeit verschoben werden. Begründet wird das mit dem Modell der acht Hausregisseurinnen und –regisseure, “das sowohl das Kollektiv betont, als auch wirkliche Diversität zulässt”.  

Christoph Marthaler bleibt erhalten 

Eröffnet wird die neue Spielzeit am 12. September mit den dannzumal erforderlichen Sicherheitsanforderungen. Während einer Woche (12. – 18. September) wird der Choreograf Trajal Harrell mit zwei Zürcher Premieren (The Köln Concert, The Conspiracy  of Performance, The Return of La Argentina) den Pfauen bespielen und dabei selbst auf der Bühne sein. Am 19. September folgt Leonie Böhms Medea nach Euripides in der Schiffbau-Box. Dabei stellt die Regisseurin die Wut und Stimmen von Frauen ins Zentrum. Zum Abschluss der Spielzeit-Eröffnung wird am 20. September im Pfauen die verschobene Uraufführung Das Weinen. (Das Wähnen) von Christoph Marthaler gezeigt. 

Szenenbild aus «Das Weinen. (Das Wähnen)» von Christoph Marthaler (Foto: Gina Folly)

Wie an der Medienkonferenz zu erfahren war, bleibt Marthaler dem Schauspielhaus erhalten. Für Juni 2021 ist eine weitere Uraufführung von ihm geplant. Das Projekt nennt sich Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten, bei dem er Hölderlins Dichtung mit der Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach verbinden will. Mit von der Partie ist auch Milo Rau, der seine Stücke Familie (24. Oktober, Pfauen) und Antigone im Amazonas (15. Mai, Pfauen) zeigen wird. Der 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt wird am 5. Januar mit einem grossen Fest und am 5. Februar mit einer Neuinszenierung von Der Besuch der alten Dame gefeiert, 65 Jahre nach der Uraufführung durch Oskar Wälterlin. Co-Intendant Nicolas Stemann beabsichtigt, den Stoff mit seinen Faust-Darstellern im Zusammenhang mit der Me Too-Bewegung “neu zu betrachten”.  

Abgesagte Premieren werden nachgeholt 

Die coronabedingt abgesagten Neuinszenierungen werden in der neuen Spielzeit nachgeholt. Es sind dies: Frühlings Erwachen von Frank Wedekind, inszeniert von Suna Gürler als generationenübergreifendes Projekt (Uraufführung 2. Oktober, Pfauen), Mein Jahr der Ruhe und Entspannung nach dem gleichnamigen Roman der amerikanischen Schriftstellerin Ottessa Moshfegh in der Regie von Yana Ross  (22. Oktober, Pfauen), Einfach das Ende der Welt von Jean-Luc Lagarce, inszeniert von Christoph Rüping (3. Dezember, Schiffbau-Halle). Choreograf Trajal Harrell wird in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Zürich seine Produktion The Beathbed of Katherine Dunham zur Uraufführung bringen (März 2021, Kunsthalle Zürich).  

Nach seinem Erfolg mit Schneewittchen Beauty Queen plant Co-Intendant Nicolas Stemann für diesen Winter eine weitere generationenübergreifende satirische Märcheninszenierung: König der Frösche nach dem Märchen der Gebrüder Grimm (Uraufführung 14. November, Pfauen). Leonie Böhm wird als erste Pfauen-Produktion Drei Schwestern von Anton Tschechow inszenieren (16. Januar). Aufgespürt werden sollen persönliche und gesellschaftliche Utopien, die um das Thema der Handlungsmacht kreisen. Yana Ross zeigt in der Schiffbau-Halle Kurze Interviews mit fiesen Männern nach dem gleichnamigen Erzählband des US-Autors David Foster Wallace (12. Februar). Und Christopher Rüping nimmt sich zusammen mit dem Autor Necati Öziri Wagners Oper Der Ring der Nibelungen vor (Uraufführung 27. März, Pfauen). Erwähnenswert ist noch die Rückkehr von Sebastian Nübling, der als Zürcher Premiere sein Stück Netflix & Chili als Koproduktion mit dem jungen Theater Basel, Kaserne Basel und Hellerau, dem Europäischen Zentrum der Künste in Dresden, zeigen wird (6. Mai, Schiffbau-Halle).  

“Das Theater hat immer mit dem Unvorhergesehenen zu tun”, überschreibt die neue Intendanz den künftigen Spielplan. Und siehe da: Die neue Spielsaison verspricht durchwegs künstlerische, teils gewagte Experimentierfreude, die neugierig macht und zum Besuch einlädt.  

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