FrontGesellschaftDie Zuversicht dominiert (noch) die Angst

Die Zuversicht dominiert (noch) die Angst

Die Finanzmärkte befinden sich immer noch im Bann der Corona-Pandemie. Daran hat sich im Vergleich zu den vorausgegangenen Monaten nichts geändert.

Die wärmeren Temperaturen haben nicht zur erhofften Eindämmung der Viruserkrankung geführt. Im Gegenteil. Vielerorts steigen die Infektionszahlen wieder. Die Furcht vor einer zweiten Welle nimmt zu. Vor allem die USA präsentieren nach wie vor ein wenig überzeugendes Krisenmanagement. Die bevölkerungsreichen Gliedstaaten im Süden und Westen sind von einer deutlich steigenden Anzahl von Coronafällen betroffen. Einzelne Lockerungsmassnahmen mussten wieder rückgängig gemacht werden.

Auch an den Finanzmärkten ist die Unsicherheit spürbar. Die Tagesschwankungen haben zugenommen. Der erhoffte Erholungsprozess der globalen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wird durch die jüngste Pandemieentwicklung in Frage gestellt. Nach den ersten Lockerungen der eindämmenden Massnahmen hat vor allem der Konsum deutliche Nachholeffekte gezeigt. Eine V-förmige Erholung der Konjunktur schien sich zu bestätigen. Mittlerweile steigen die Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung. Das Konsumentenvertrauen nimmt insbesondere in den USA bereits wieder ab. Neben den gesundheitlichen Vorbehalten ist es vor allem die Situation am Beschäftigungsmarkt, welche die Ausgabelust dämpft. Die Arbeitslosenzahlen steigen weiterhin und es gibt keine Garantie, dass sämtliche Entlassungen tatsächlich wieder rückgängig gemacht werden.

Zu reden gibt die Stärke des Euros. Das freut speziell die SNB. Sie muss momentan nicht durch direkte Eingriffe am Devisenmarkt gegen eine Frankenaufwertung ankämpfen. Besonders eindrücklich ist die Kursentwicklung gegenüber dem US-Dollar. Seit Mitte Mai wertet sich die europäische Einheitswährung zum

Greenback stetig auf und hat mittlerweile das höchste Niveau seit September 2018 erreicht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits macht Europa in der COVID19-Bekämpfung eine deutlich bessere Falle als die USA. Es steigt damit die Chance auf eine raschere Erholung der Wirtschaft. Andererseits hat die jüngste Einigung auf einen Wiederaufbaufonds das Risiko eines Zerfalls der Währungsunion deutlich reduziert. Zum ersten Mal in der Geschichte der EU werden Schulden mit einer solidarischen Haftung begeben. Ein wichtiger Schritt in Richtung der stetig geforderten Fiskalunion. Angesichts der vielen anderen Schwachstellen Europas sowie der anstehenden politischen Herausforderungen wie dem Brexit bleiben aber berechtigte Zweifel an der Nachhaltigkeit der Eurostärke.

Die Empfehlung an die Anleger bleibt im Vergleich zu den Vormonaten unverändert. Es gilt trotz der positiven Marktstimmung die Risikofaktoren nicht auszublenden. Dazu gehören neben dem Pandemieverlauf auch die politischen Unsicherheiten wie die sino-amerikanischen Spannungen oder die kommende US-Präsidentschaftswahl. Ein breit aufgestelltes Portfolio berücksichtigt deshalb neben Renditetreibern wie Aktien oder Immobilien auch defensive Bausteine wie Anleihen oder Gold.


Marco Fink, Regionalleiter Olten der Aargauischen Kantonalbank

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