FrontKolumnenFertig lustig!

Fertig lustig!

Nun haben wir die Quittung. Ein hoffentlich heilsamer Kater hat das Land erfasst und die Angst geht um, dass die etwas gar spät verordneten nationalen Covid-Massnahmen nicht genügen könnten, dass der Wirtschaftsmotor noch ganz ins Stottern gerät, viele Betriebe in den Ruin getrieben werden, die Arbeitslosigkeit rasant steigt, die Wirtschaft unwiederbringlichen Schaden nimmt und die Kapazitäten in den Spitälern und Altersheimen bald erschöpft sind.

Es wäre nun aber wohlfeil, als Laie über die Gründe des rasanten Infektionsanstiegs zu spekulieren. Aber dass eine kleine Minderheit von Uneinsichtigen, Sorg- und Rücksichtslosen ihrem Egoismus frönt und damit die sich verantwortungsvoll und diszipliniert verhaltende Mehrheit gefährdet, macht schon nachdenklich. Es ist vorab eine jüngere Generation, die nicht weiss, was verzichten heisst, es auch nie lernen musste, die auf der Wohlstandswelle reitet und jede persönliche Einschränkung als blosse Zumutung von sich weist. Es ist kein Zufall, dass die Clubszene, private Partys oder, wie in Schwellbrunn, eine Superspreader-Hochzeit zu Risiko-Hotspots wurden. Unter den feiernden Gästen sei sogar vereinbart worden, sich nicht testen zu lassen, um eine allfällige Quarantäne zu umgehen. Die angedrohten Bussen von bis zu Fr. 10’000 sind in solchen Fällen lächerlich und verharmlosen die Tragweite der Verfehlungen, wenn dadurch Schaden entsteht, der in die Hunderttausende geht.

Die aktuellen Zahlen des BAG sind alarmierend: Die Schweiz und Liechtenstein verzeichneten am Donnerstag 9’386 Neuinfektionen für die vergangenen 24 Stunden. Es wurden 35’230 Tests ausgewertet. Zudem mussten 287 weitere Covid-19-Patienten ins Spital eingeliefert werden, 31 starben in Zusammenhang mit der Erkrankung. Die Positivitätsrate für die letzten 14 Tage liegt bei 22,7 Prozent. Wir liegen damit an der Spitze Europas.

Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen hat auch in Deutschland mit 16’774 Infizierten innert eines Tages einen neuen Höchststand erreicht. Aber da unser nördlicher Nachbar zehnmal mehr Einwohner zählt als die Schweiz, müsste er folglich auch zehnmal mehr Ansteckungen registrieren, aber es ist weniger als das Doppelte. Trotzdem sind die Einschränkungen rigoroser als hierzulande. Es wäre demzufolge nicht verwunderlich, wenn Deutschland die Pandemie-Folgen schneller überstehen würde und damit die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Einbussen erfolgreicher in den Griff bekäme als die etwas gar bedächtig reagierende Schweiz.

Die Herausforderungen der Pandemie zeigen deutlich, dass der Schönwetter-Föderalismus in Zeiten der Krise seine Bewährungsprobe bisher schlecht bestand, denn der Kantönligeist holte sich erst einmal die Meinungshoheit vom Bundesrat zurück, um dann ernüchtert festzustellen, dass das Hü und Hott sich widersprechender Anordnungen ein Chaos anrichtete und den Bundesrat wieder auf den Plan rief, um die verlorene Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen. Gut so, dass Bundesrat Berset das Heft wieder in die Hand genommen hat. Er bietet Garant für die bitter notwendige Gradlinigkeit.

Wie weiter im Verwirrspiel? Dass nun in der zweiten Welle alle die hohle Hand machen und die Existenzsicherung vom Staat einfordern, ist einerseits verständlich, lässt anderseits aber ausser Acht, dass im Wohlstand eine Vergnügungsindustrie und Luxus-Verlustierungen entstanden sind, welche die Spassgesellschaft als selbstverständliches Kulturgut betrachtet. Dazu zählt auch der Spitzensport, wo z.B. im Fussball, im Eishockey oder auch im Tennis exzessive Traumsaläre ausbezahlt werden, die mit keiner Leistung zu rechtfertigen sind.

Es ist schon erstaunlich, dass es die Pandemie brauchte, um diesbezüglich zum gesunden Menschenverstand zurückzukehren. Die Saläre dürften in der Sportwelt ihren Zenit überschritten haben, hoffentlich auch in den Chefetagen. Auch der Mobilitätswahn ist eingebrochen, die Flugzeuge stehen mehrheitlich am Boden. Dafür ist in vielen europäischen Ländern der Veloboom ausgebrochen, auch bei uns. Grün ist auch politisch in aller Munde, ein Weckruf geht durch die Parteien. Musste uns also ein Virus-Winzling zur Räson bringen? Das wäre wenigstens eine positive Erkenntnis: Rückkehr zur Vernunft, zur Besinnung und endlich zur viel beschworenen Eigenverantwortung, die als Worthülse ausgedient hat.

3 Kommentare

  1. Lieber Josi, danke für Deine wie immer scharfsinnige Anslyse und treffenden Beobachtungen. Auch ich habe mich lange über die sport- und partybegeisterte Spassgesellschaft aufgeregt – bis ich nun merken musste, dass ich mich als Chorleiter mit mehrheitlich gesetzter Kundschaft nun in einer ähnlichen Ecke wiederfinde… abgesehen von einigen schwarzen Schafen haben sowohl die Clubs als auch Sportveranstaltunger genau wie wir Schutzkonzepte aufgestellt und mehrheitlich durchgesetzt. Wo würdest Du das besonnene, gesunde Mass ansetzen, das der Situation gerecht würde?

  2. Lieber Herr Auchter, Sie haben es wieder einmal auf den Punkt gebracht. Da kann man nur noch hoffen, dass die Uneinsichtigen endlich aufwachen!

  3. Die Jungen müssen in der Welt leben und klar kommen, welche die vorangegangene Generation hinterliess. Dafür bezahlen sie einen hohen Preis, in Form einer nicht enden wollenden Kostenspirale und unsicheren zukünftigen Renten. Leider werden sie wie auch in diesem Beitrag wieder einmal bestätigt, zu den Superspreadern abdegradiert, zu Memmen der Wohlstandsgeneration, ohne Pflichtbewusstsein nur dem Party feiern verpflichtet. Es gibt im Alltag viele Beispiele auch für ältere Semester, die sich um die empfohlenen Massnahmen futieren nach dem Motto: nach mir die Sinnflut. Kein Wunder, denn der Lebensstandart eines Rentners kann auch in Zeiten von Corona beibehalten werden, es gibt keine Rentenkürzung, analog der Kurzarbeit. Die sich schon abzeichnenden und zukünftigt sich mehrenden wirtschaftlichen, sozialen und psychischen Kollateralschäden entstanden, gerade zum Schutze dieser Bevölkerungsgruppe muss auch nicht von ihnen in irgendeinerweise finanziert oder sonst wie bewältigt werden. Das liegt in der Natur der Sache, dass das Leben nun mal auch ohne Corona am Lebensende definitiv endlich ist. So hinterlässt man den jüngeren Generationen, die sowieso schon vor Corona nicht in eine rosige Zukunft blicken konnte einen riesigen weltweiten Scherbenhaufen, der die Gräben zwischen den Generationen noch vertiefen wird zu Ungunsten der Nachbabyboomer und deren Kinder. Ich höre schon jetzt die Rufe der Politik nach weiteren Sparmassnahmen, gemäss BR U.Maurer die fetten Jahre vorbei sind. Die Hoch-Zinsjahre von denen die heutigen Rentner profitieren sind definitiv vorbei. Ist es den jungen Menschen dann wirklich so zu verübeln wenn sie im hier und jetzt leben wollen? Waren Sie auch mal jung Herr Auchter?

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