FrontLebensartWie können sich Ältere in den Medien mehr Gehör verschaffen?

Wie können sich Ältere in den Medien mehr Gehör verschaffen?

Im Rahmen des CAS «Gerontologie heute» der Uni Zürich zum Thema «Sich öffentlich Gehör verschaffen – mediale Umsetzung gerontologischer Themen» führte Seniorweb ein Interview mit der Journalistin und Buchautorin Barbara Lukesch (Bild).

Frau Lukesch, Sie sind soeben 66 geworden. Werden Sie weiterhin als Journalistin tätig sein oder beginnt für Sie jetzt das «Rentenalter»?

Barbara Lukesch: Einen Bruch zwischen bisherigem Erwerbsleben und Rentenalter gibt es bei mir nicht. Ich werde weiterhin Artikel schreiben und vielleicht auch wieder mal ein Buch machen. Zudem werde ich wie bis anhin Seminare geben, Coachings usw. Aber klar, und das ist ein grosser Genuss, alles in reduzierter Form. Mal schaffe ich 100%, mal 30%, mal 60%, ich bin da sehr flexibel und betrachte das als grosses Privileg.

Ja, das ist wohl ein Privileg von künstlerisch und selbständig Arbeitenden, dass sie keine Pensionierungsguillotine kennen, sondern einfach weiterarbeiten können, wie sie dies wünschen.

Das stimmt.  Mit der Geburt unseres Sohnes habe ich begonnen, frei zu schaffen. Das ist jetzt dreissig Jahre her, und ich bin wirklich gemacht für das selbständige Arbeiten. Das ist meine berufliche Form, und ich glaube, ich habe das ganz gut hingekriegt. Das kommt mir jetzt zugute: Kein abruptes Ende der beruflichen Phase, sondern ich kann in Freiheit und mit Freude weiter schaffen, wie’s mir passt.

Sie haben ja wohl auch die Fähigkeiten gehabt, mit diesen Freiheiten umzugehen und Zeitmanagement und Selbstdisziplin praktiziert.

Ja, das kann ich gut. Ich hatte immer problemlos Themen, zu denen ich Lust hatte, etwas zu schreiben. Dann konnte ich mir Redaktionen suchen. Die Disziplin war eine Folge der Lust, die ich an der freien Arbeit hatte. Mich schon um 8 Uhr morgens ans Pult zu setzen, gelang mir mühelos.

Was ist für Sie persönlich wichtig, um diese Lebensphase ab 66 möglichst erfüllend zu gestalten?

Solange ich eine Aufgabe habe, die mir sinnvoll erscheint, find ich es einfach toll. Wir machen viel Sport und gehen wandern, machen Veloreisen, spielen Tennis usw. und solange ich gesund bin und all das tun kann, empfinde ich es als Riesengeschenk. Dann machen natürlich die Kontakte zu meinem Mann, meinem Sohn und meinen Freundinnen und Freunden das Leben jeden Tag reicher.

Einige Altersthemen wie die «Überalterung» der Gesellschaft, AHV-Revisionen, das Leben in Altersheimen, Altersdiskriminierung, Leiden und Freuden des Alterns und Tipps, wie man im Alter möglichst gesund bleiben kann, werden in den Medien immer wieder mal behandelt. Welche Altersthemen werden aus Ihrer Sicht im Moment tabuisiert und sollten stärker medial bearbeitet werden?

Ich habe ja immer auch über Sexualität geschrieben. Aber das Thema «Sexualität im Alter» findet keinen besonders grossen Anklang. Viele wollen davon nichts hören und nichts sehen. Redaktionen mögen zwar Artikel über Sex –  «Sex sells» -, aber beim Thema «Sex im Alter» gibt es ziemlich viel Widerstand. Ein anderes Thema, das ich im Moment spannend finde, ist die Frage: Wie hat die Corona-Krise die Beziehung zwischen den Generationen beeinflusst? Inwiefern ist sie hässiger, inwieweit solidarischer geworden. Ich glaube nicht, dass dieses Thema tabuisiert wird, man müsste einfach mal den entsprechenden Aufwand treiben und die bereits vorliegenden Studien aufarbeiten.

In Radio und Fernsehen gibt es viele Sendegefässe für Kinder und Jugendliche. Braucht es aus Ihrer Sicht spezielle Sendungen für Seniorinnen und Senioren?

Ich habe generell Mühe mit altersspezifischer Monokultur. Ich denke da auch an Altersheime: Ausschliesslich alte Menschen, die dort zusammenleben – das kann doch nicht besonders anregend sein. So gesehen, muss man auch keine altersspezifischen Sendegefässe machen. Ältere sollen sich in allen möglichen Gefässen zeigen und das Wort ergreifen. Wer etwas zu einem Thema zu sagen hat, ob Jung oder Alt, soll zu Wort kommen. Sicher darf es keine Diskriminierung geben aufgrund des Alters.

In welchen Medien könnten sich Ältere noch mehr Gehör verschaffen oder sollen sie eher in sich gehen, im kleinen Kreis kommunizieren und dort Geborgenheit, Austausch und Anregung suchen?

Je nach Vorlieben. Wer sich lieber im kleinen Kreis bewegt, soll das tun. Aber warum sich nicht mal mit Social Media wie Facebook vertraut machen? Für Leute, die viel zu Hause sind, ist das sicher eine zusätzliche gute Form zu kommunizieren.

Finden Sie das Schreiben von Leserbriefen eine gerade für Ältere attraktive Form der Partizipation in der Gesellschaft?

Ich vermute, dass sowieso viele Ältere Leserbriefe oder Online-Kommentare schreiben, Leute, die zuhause sitzen und sich die Zeit vertreiben wollen. Warum auch nicht? Schön wäre, wenn das Gemotze und Gemeckere nicht so dominant wären, sondern Leute schreiben würden, die was zu sagen haben.

Die Social Medias sind für Ältere ja noch nicht eine stark genutzte Kommunikationsplattform. Sollen Weiterbildungsinstutionen für Ältere oder Pro Senectute hier stärker aktiv werden?

Das Angebot soll da sein, Face Time, Skype, Zoom u.a. sollen in Reichweite sein.  Unter dem Druck des Lockdowns habe ich diesbezüglich viel gelernt. Ich habe gerade drei Tage eine Schreibwerkstatt per Zoom geleitet. Dass ich das lernen musste, ist für mich eines der grössten Geschenke in diesem Jahr. Meine Lernkurve ging geradezu senkrecht nach oben und das hat mich wirklich glücklich gemacht. Natürlich haben mir Leute anfänglich geholfen und mich «schlau» gemacht, aber vieles kann man auch intuitiv lernen. Es ist ziemlich einfach und nachvollziehbar. Ich denke, wir älteren Menschen sollten uns digital nicht abhängen lassen, sondern am Ball bleiben.


Barbara Lukesch: Freiberufliche Journalistin BR und Buchautorin, Mitglied der Zürcher Bürogemeinschaft Presseladen, Dozentin am Medienausbildungszentrum MAZ Luzern und verschiedenen Fachhochschulen. Arbeitsschwerpunkte: Journalismus zu den Themen Frauen, Gesellschaft, Psychologie und Medizin. Weiterbildungsseminare zu Themen wie Schreiben, Interviewführung und Medienarbeit.

1 Kommentar

  1. Liebe Frau Lukesch
    Aus Ihren Antworten schliesse ich, dass Sie vermutlich zwei Plattformen von und für Senioren aber auch für Junge nicht kennen: das Seniorama vom Radio Stadtfilter und und das Generationentandem.
    Werfen Sie mal einen Blick und ein Ohr auf : www. stadtfilter.ch/sendungen/33-seniorama (z.B. die Sendung: Sex im Alter) und http://www.generationentandem.ch
    Mit freundlichen Grüssen – Ursula Eisenring

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