FrontKolumnenWas die Krise alles bewirkt

Was die Krise alles bewirkt

Die guten Wünsche zum Jahreswechsel waren wohl noch nie so ehrlich gemeint wie dieses Jahr. Wir wünschen uns alles erdenklich Positive, vor allem dass wir hoffentlich weiterhin verschont bleiben vom heimtückischen Virus, das sich jetzt auch noch zu mutieren erlaubt. Dass die erschreckenden Todesfallzahlen vorab älterer Menschen endlich ein Ende nehmen und nicht noch weitere Hiobsbotschaften auf uns zukommen.

Die Pandemie hat bei allem Leid und allen täglichen Sorgen aber auch viel Heilsames und Erstaunliches gezeitigt. Ein eigentlicher Ruck ging durch breite Bevölkerungskreise. Dazu zählt die Nachbarschaftshilfe, das uneigennützige Beistehen vieler Jugendlicher, welche gefährdeten Mitbewohnern unter die Arme griffen. Aber auch eine wachsende Solidarität, die Bedürftigen mit dem Notwendigsten zu versorgen oder Hilfswerke zu unterstützen. 

Die Corona-Krise habe das Vertrauen in den Staat gestärkt, stellt der ehemalige Preisüberwacher und SP-Nationalrat Rudolf Strahm in seinem Jahresrückblick fest. Das wird sich noch weisen müssen, denn die Bewährungsprobe hat das labile Gleichgewicht zwischen Exekutive und Legislative, zwischen den die Hoheit fordernden und handkehrum überforderten Kantonen offengelegt. So viel Sand im Getriebe gab es im courant normal noch nie. GLP-Fraktionschefin Tiana Moser und CVP-Präsident Gerhard Pfister fordern „eine Allianz der Mitte – das sind wir dem Land schuldig.“ Sie möchten damit dem Bundesrat den Rücken stärken und fahren der SVP und der FDP an den Karren, welche ihre Bundesräte in Entscheidungsfindungen im Regen stehen liessen, als der Schulterschluss gefragt war. Es ächzt also im Gebälk der Parteienlandschaft, was auch sehr heilsam sein kann. 

Matthias Hüppi, Präsident des FC St.Gallen und gleichsam das fussballerische Gewissen der Ostschweiz, hofft, dass die Schockstarre der leeren Arenatempel die Balltreter etwas weniger egoistisch gemacht hat. Wenn es finanziell ums nackte Überleben geht, müssen alle den Karren aus dem Dreck ziehen. Das wird sicher auch die superreichen Goldfüsse der Spitzenclubs in ihrem Höhenflug bremsen. Auch die Eishockey-Cracks, die Tennis-Götter und Golf-Heroes werden um einen finanziellen Aderlass nicht herumkommen, und das ist gut so. 

Ob damit auch eine neue Bescheidenheit Einkehr hält? Die Sensibilisierung gegenüber der Klimaerwärmung, der Biodiversität und Artenvielfalt, der Überfischung der Meere, des hemmungslosen Fleischkonsums, der Massentierhaltung, der verheerenden Plastk-Müllhalden und weiterer Wohlstandssünden scheint zuzunehmen. Dazu gehört auch die Vielfliegerei, die nun praktisch zum Erliegen kommt. Einbussen von gut 80 % zwingen die Airlines an die staatlichen Futterkrippen, während der reduzierte C02-Ausstoss davon profitiert. Ohne den tödlichen Winzling wäre der Saus- und Braus-Mentalität nicht Einhalt geboten worden, hätten die Raffiger und das Nach-uns-die Sintflut-Harakiri weiterhin fröhliche Urständ gefeiert.

Daniel Koch, das sympathische und kauzige Gesicht der ersten Epidemiewelle, ist als Mr. Corona für viele zur Kultfigur geworden. Die Schweizer Illustrierte und der Blick haben ihn bereits zum Mann des Jahres gewählt. Didier Pittet, Professor am Universitätsspital Genf und weltweit renommierter Infektiologe, würdigt ihn wie folgt: „Zwischen ­Januar und Mai 2020 arbeitete ­Koch unermüdlich im Dienste unseres Landes. Aktiv an allen Fronten und präsent an allen Presse­konferenzen des Bundesrats sowie an weiteren 21 Presse-Informationen. Immer ruhig, gelassen, pädagogisch, transparent, beruhigend, ganz ohne Demagogie, manchmal mit einem ganz eigenen Humor. So wird er uns in Erinnerung bleiben. Viele danken ihm für seinen Einsatz, viele werden es noch lange tun. Ich kenne Daniel Koch seit vielen Jahren. Daher erstaunte mich seine korrekte Haltung in der Bewältigung der Covid-19-Krise nicht. Dieser Mann war dank seiner Natur, seiner Güte, seiner Offenheit und Intelligenz sowie seiner Erfahrungen für eine Aufgabe wie diese geschaffen.“

Dankbarkeit sei am Jahresende aber auch all jenen bezeugt, welche mit grosser Aufopferung und bewundernswertem Einsatz im Dienste der Allgemeinheit ihr Bestmögliches unter Beweis stellten, das Pflegepersonal, die Ärzte, die Epidemiologen, die Covid-Krisenstäbe, die Taskforce, der Bundesrat, der Zivilschutz, das Militär und Herr und Frau Jedermann, die ihre Hilfsbereitschaft nie an die grosse Glocke hängten und scheinbar selbstverständlich nur ihre Pflicht wahrnahmen. Den Worten dürfen ruhig Taten folgen – materielle und ideelle, die Schweiz soll sich das leisten können und die Krise gestärkt meistern. So steht es in der Bundeshauskuppel festgeschrieben: „Unus pro omnibus, omnes pro uno“, auf Deutsch „Einer für alle, alle für einen.“        

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