FrontLebensartEndlich wieder richtig Winter

Endlich wieder richtig Winter

So viel ist in diesen Tagen nicht möglich, geschlossen, untersagt, nicht in Betrieb. Aber das Wetter, das lässt sich nichts vorschreiben. So viel Schnee wie in diesen Tagen gab es seit Jahren nicht mehr. Also geniessen wir sie doch, diese weisse Pracht!

Ein bisschen seltsam sind wir Menschen schon. Vor Weihnachten legten die Meteorologen in Radio und TV ganz viel Bedauern in ihre Stimmen: «Leider wird weisse Weihnachten ein Wunschtraum bleiben». Der Jetstream, die Weihnachtsdepression (meteorologendeutsch), das Klima, alles wollte nicht mitspielen im grossen Theaterstück, das «Weisses Weihnachtswunderland» heisst. Gut, ein bisschen flöckelte es dann in einigen Regionen trotzdem, aber so richtig «White Christmas» jubilieren mochte im Flachland eigentlich niemand.

Und jetzt ist er da, der weisse Traum. Und man mag sich gar nicht ausmalen, was los wäre, wenn jetzt die Feiertage anstünden: Mehr als prekäre Strassenverhältnisse, Zug, Tram, Bus zum Teil stillgelegt, Parkplätze, die zu Schneedeponien umfunktioniert wurden, Bäume, die unter der Schneelast zu brechen und auf Strassen zu fallen drohen – ich glaube, in diesen Tagen müsste Weihnachten, so weiss sie auch wäre, abgesagt werden.

Fitness durch Schnee schaufeln

Aber es ist ja Mitte Januar, dazu Home Office-Pflicht, also nicht so viel Pendlerverkehr. Strassenverkehrsämter geben ihr Bestes und wer zu Hause ist, kann die weisse Pracht voll und ganz geniessen. Gut, ab und zu mit der Schneeschaufel in der Hand. Aber da Fitnesscenter und Hallenbäder geschlossen sind, kann Schnee räumen durchaus als Fitnessprogramm an der frischen Luft durchgehen.

Denn Gartenarbeit ist jetzt gar nicht möglich. Wer im Herbst seine Büsche und Sträucher zusammengebunden hat, kann nicht mal etwas Schnee schütteln gehen. Was bei fast einem Meter Schnee ohnehin nur nasse Füsse bringen würden.

Wenn aus einem eingepackten Strauch eine modernen Plastik wird, ist das auch ein Wintermärchen.

Also findet Gartenarbeit im Kopf statt. Oder mit einem Buch in der Hand. Ich suche einen ganz alten Ratgeber hervor, der zum Glück 2019 in einer erweiterten Fassung neu aufgelegt wurde. Geschrieben hat ihn eine Gartenpionierin, die sich in ihren Anfängen nicht um bio oder ökologisch kümmerte, sondern einfach «nach der Natur» und aufgrund eigener Beobachtungen gärtnerte: Gertrud Franck (1905-1996). Die Bäuerin entwickelte ein einzigartiges System mit Flächenkompostierung und Mischkultur mit einer ganzheitlichen Sicht auf die biologischen Vorgänge im Garten.

Zuerst planen, dann pflanzen

So verzichtete sie zum Beispiel auf Gartenwege. Spinatreihen, im frühen Frühling im Halbmeter-Abstand in den noch gefrorenen Boden gesät, bildeten die Grundlagen. Dazwischen wurden im Laufe der Saison die Gemüse- und Salatreihen gesät und gepflanzt. Ich habe diese Art Kultur in meinem früheren grossen Garten einmal ausprobiert. Es braucht einiges an Gedankenarbeit und dann als Einsatz, um die Kulturen richtig anzulegen.

Üppig grün und mit vielen verschiedenen Pflanzen – das ist ein Mischkultur-Garten.

Aber im Sommer hatte ich ein grünes, wucherndes Gartenparadies mit so ergiebigen Ernten, dass unsere Familie in Sachen Gemüse zum Selbstversorger wurde und ich noch mit vollen Händen verschenken konnte. Als im Herbst das restliche, immer noch üppige Grünzeug abgeräumt wurden, konnten ganze Körbe voller dicker Kartoffeln ausgegraben werden. Und all das, ohne während der sehr trockenen Sommerwochen auch nur einmal zum Gartenschlauch zu greifen.

Der Platz reicht nicht aus, um das ganze Konzept genau zu beschreiben. Aber etwas ist mir bis heute geblieben und das wende ich immer noch an: den Einbezug einjähriger Gewürze und Blumen. So wächst bei mir neben dem Kopfsalat immer auch Kerbel, neben Bohnen das Bohnenkraut und bei den Gurken Dill und Basilikum. Ringelblumen und Basilikum beschützen auch die Tomaten in den Töpfen und ich bin überzeugt, dass mein Gemüse dank dieser Partnerschaften so gesund wächst. Nur gegen die Schnecken habe ich noch kein Kraut gefunden, auch nicht im Gartenratgeber von Gertrud Franck.

Gesunder Garten durch Mischkultur. Gemüse, Blumen, Kräuter, Obst. Neuausgabe: oekom Verlag, München 2019, ISBN 978-3-96238-101-1.

 

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel