FrontKolumnenAuch Bläss und Schnurrli altern, aber schöner

Auch Bläss und Schnurrli altern, aber schöner

Corona bewegt viele Menschen, sich Haustiere anzuschaffen. Schnurrli und Fido sollen die Isolation vermindern. Oft sind es überstürzte Käufe. Die neuen Besitzer sind überfordert. Ein weiteres Tierdrama beginnt. Doch nicht davon soll die Rede sein, sondern von Erfreulicherem.

Jeder zweite Hund ist pensioniert. Nicht nur wir Menschen werden immer älter, sondern auch unsere Haustiere. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat vor einigen Jahren deutsche Zahlen veröffentlicht, die wohl auch für die Schweiz gelten. Berücksichtigt man die überlieferte Regel, wonach ein Hund siebenmal schneller altert als sein Besitzer, ist die Hälfte aller Hunde im Rentenalter. Vor 60 Jahren waren es bloss 20 Prozent.

Jedes zwanzigste Büsi ist ein Greis. Je nach Rasse altern die Vierbeiner allerdings sehr unterschiedlich. Überzüchtete Hunde vergreisen schon mit 6, ihre naturbelassenen Kollegen können mit 15 noch fit und und munter sein. Wenn Katzen den Autoverkehr überstehen, werden sie meist älter als Hunde. Die Statistiker schätzen, dass 4 bis 5 Prozent unserer Büsi über 20 Jahre alt und damit hochbetagt sind. Vor einem halben Jahrhundert waren es nur 0,2 Prozent.

Moderne Medizin hilft Fido und Mitzi. Früher schafften die Halter ihre gebrechlichen Hausgenossen einfach ab. Heute sind alte Tiere für alte Menschen Lebenspartner, die so lange wie medizinisch möglich gepflegt und versorgt werden.

Zügeln, um Barry zu retten. Ein Tierarzt, der nicht namentlich erwähnt werden will, erzählt von einer Frau, die ihre schöne, günstige Wohnung in der Berner Altstadt aufgab. Das neue Logis ist weit teurer, hat aber einen Lift. Sie zügelte, weil es ihrem alten Bernhardiner immer schlechter gelang, den zweiten Stock zu erklimmen. Und die Besitzerin schaffte es nicht mehr, den schweren Hundegreis die Treppen hochzustemmen.

Keine Runzeln, keine Falten. Alte Hunde und Katzen leiden unter den gleichen Gebresten wie wir. Ja, ja, auch Inkontinenz. Doch sie altern schöner. Wir hatten eine Katze. Änneli starb mit 22. Abgesehen von einem etwas unvorteilhaften Schwabbelbauch sah sie bis in dieses biblische Büsialter durchaus präsentabel aus. Kuscheliger Pelz und Haare, wohin man blickte. Ach, wenn wir Menschen doch Katzen wären.

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