FrontGesellschaftEchter Bündner Granit

Echter Bündner Granit

Im Graubünden gibt es nur an einer Stelle echten Granit: im untersten Puschlav. Ihn zu bearbeiten braucht Fingerspitzengefühl. Denn jeder Block ist ein wenig anders. Das fasziniert Alessio Paganini, Inhaber einer kleinen Steinbearbeitungsfirma.

«Stein kann man nicht beliebig schneiden, er hat eine innere Struktur. Die muss man beachten, sonst zerspringt er. Also auch bei dem einzigen echten Bündner Granit, dem Campascio», erklärt Alessio Paganini. Den Granit und den Zalende, einen grünlich schimmernden, von haarigen Strukturen durchsetzen Metabasit, baut die Familie Paganini seit bald 70 Jahren in eigenen, nahe gelegenen Steinbrüchen ab. Darum befinden sich die Werkstätten für die Steinbearbeitung auch in Zalende, kaum zwei Kilometer von der italienischen Grenze entfernt und durch den Berninapass vom Rest der Schweiz getrennt. Der Grossvater hatte mit einigen Maschinen angefangen, nach und nach konnte er Gelände und weitere Maschinen dazu kaufen. Vom gut drei Meter Durchmesser grossen Fräsblatt bis zu winzig kleinen Schleifköpfen findet sich hier alles, um Steine in alle erdenklichen Formen zu bringen.

Alessio Paganini im Reich seiner Steine. Er führt die Firma Paganini Crap SA in dritter Generation.

Die Werkstatt von Alessio Paganini in Zalende. 

Schwächelinien erkennen ist zentral

«Natürlich bieten wir auch viele ausländische Steinsorten an – Granite, Gneise, Marmor. Aber für mich ist es das Schönste, den Stein vom Abbruch bis zum fertigen Produkt bearbeiten zu können», sagt der Mittdreissiger. «Der wichtigste Schritt passiert nämlich gleich beim Sprengen selber. Wir benutzen dafür beim Granit Schwarzpulver, nicht Dynamit. So verläuft der Bruch entlang der natürlichen Schwächelinien im Fels. Dann muss man sofort schauen, wo diese sind und sie am Block markieren.»

Frisch aus dem Steinbruch: Alessio Paganini zeigt auf eine feine Risslinie. Dieser Block taugt leider nicht für grosse Platten.

Wenn der Block nachher beim Verladen gedreht wird, sei es bei echtem Granit fast unmöglich, diese Linien zu erkennen. Und wenn man dann in der falschen Richtung fräse, könne man die Platte nachher nicht für jede Arbeit verwenden. «Jeder Block ist wieder ein bisschen anders, mal weicher, mal härter als erwartet. Wenn ich den Stein schon als Rohblock bearbeitet habe, kann ich die Maschinen nachher richtig einstellen», erklärt Paganini. Jemand, der eine Platte einfach so unter die Fräse lege, ohne auf die Steinart und Steinbeschaffenheit zu achten, stelle die Maschine auf Standard. «Und dann gehen entweder der Stein oder die Maschine irgendwann kaputt», so Paganini.

Vielfalt wurde zum Problem

Die Firma kann fast alles aus Naturstein herstellen, was man sich wünscht; das fasziniert den jungen Firmenchef. Die Vielseitigkeit sei selten geworden in der Schweiz. Am häufigsten werden aber Küchenabdeckungen bestellt. Dabei muss das Loch und die Aussparung für den Falz bei der flächenbündig zu montierende Herdplatte millimetergenau ausgefräst werden. Dafür werden Schablonen eingesetzt. Bis vor etwa zehn, fünfzehn Jahren gab es pro Hersteller drei bis vier Herdmodelle.

Oben: Schritt zwei: Die Ecken ausbohren. Mitte: Schritt drei: Der Versatz wird eingeschliffen und das Loch fürs Waschbecken gefräst. Unten: Schritt vier: Jetzt ist millimetergenaue Handarbeit gefragt: Alessio Paganini fräst und schleift die Ecken aus. Die neue CNC-Maschine wird alle Schritte selbständig ausführen können.

Heute sind es laut Paganini 40 bis 50, und es kommen jedes Jahr zwei bis drei Modelle hinzu. «Die Schablonen müssen wir teuer herstellen lassen und die alten regelmässig erneuern. Bei vielen Modellen braucht es sogar zwei Schablonen.» Da begannen er und sein Vater zu rechnen. Ihnen wurde klar: Entweder, sie investieren, oder sie müssen bald schliessen. «Der Konkurrenzdruck aus Italien ist riesig. Wir sind wegen der Handarbeit oft 10 bis 15 Prozent teurer. Nicht viel – aber das gibt meist den Ausschlag.» Kunden, die «Made in Switzerland» über alles stellen, seien selten. Und so entschieden sich Vater und Sohn, eine CNC-Fräse zu kaufen.

Die Königin der CNC-Maschinen soll helfen

Unter den CNC-Fräsen sind jene für Stein quasi die Königinnen, sie müssen äusserst stabil gebaut sein. Und keine kann alles. Paganini muss gut überlegen, für was er sie braucht. Denn die rund vier mal sechs Meter grosse Maschine kostet an die 100’000 Franken. Aber nicht nur der hohe Preis, auch dass sie die traditionelle Handarbeit ersetzt, bedeuten einen grossen Schritt für Paganini: «Ich war immer gegen solche Automaten, aber Schweizer Handarbeit ist einfach zu teuer. Die CNC-Maschine wird – wie wir auch – etwa vier Stunden brauchen, um die Aussparung in die Küchenabdeckung zu fräsen und Abtropfwannen zu polieren. Aber einmal richtig programmiert, macht sie alle Arbeitsschritte selbständig. In der Zeit können wir andere Sachen machen und hoffentlich grössere Aufträge annehmen.»

Titelbild: Ungefähr 10 Arbeitsschritte, vier Stunden und fünf verschiedene Maschinen braucht es, bis eine Küchenabdeckung fertig ist. Schritt eins: Form mit der Schablone einzeichnen. Fotos: Yannick Andrea


Der Betrieb von Paganini Crap SA befindet sich in einer Bergzone. Deshalb unterstützt die Schweizer Berghilfe den Kauf der Maschine. Mehr über die Schweizer Berghilfe erfahren Sie hier.

3 Kommentare

  1. Sie sagen: «Im Graubünden gibt es nur an einer Stelle echten Granit: im untersten Puschlav.» Und was ist dann mit dem grünen Andeer-Granit?

  2. Der grüne Andeer-Granit ist ein Orthogneis, also ein metamorphes Gestein. Gneise haben wohl granitähnliche Eigenschaften, sind aber in der Struktur anders aufgebaut. Die Wasseraufnahme der Gneise ist grösser als die der Granite, dafür sind die Biegezugwerte besser.

    • Danke für die fachkundige Belehrung. Ich bin trotzdem stolz, in meinem Ferienhaus im Schanfigg (Baujahr 1933) bei der Sanierung der Küche Andeer-Granit für Boden und Arbeitsfläche verwendet zu haben.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel