5 Kommentare

  1. Einmal mehr: Sich entschuldigen geht weder sprachlich noch ethisch. Sich selber kann man nicht entschulden. Vielmehr wäre sinnvoll: Es tut mir leid, ich bitte um Entschuldigung.
    Schade, dass selbst Bundesräte in solch bedeutenden Situationen noch immer nicht „um Entschuldigung bitten“, sondern fälschlicherweise „sich entschuldigen“. Sehr geehrte Frau Stamm! Mich hätte gefreut, so sie ihren Eingangssatz „Andere müssen mich also entschuldigen, selbst kann ich das nicht!“ inhaltlich und sprachlich konsequent weiter geführt hätten… Selbst wenn die umgangssprachliche Anwendung „Ich entschuldige mich!“ alltäglich ist. Ein Ueberdenken von Schuld und Sühne lohnt sich; Sorry!

  2. Frau Stamm, Sie schreiben in Ihrem Artikel: „Wir haben in unserem Lande verschiedene offizielle Entschuldigungen erlebt. Bundesrätin Simonetta Sommaruga entschuldigte sich 2013 im Namen des Bundesrates für das grosse Leid, das in unserem Lande Verdingkindern und Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen angetan worden war.“ Damit tappen selber gerade in die von Ihnen erörterte Falle. Frau Sommaruga entschuldigte sich eben gerade nicht. Sie hat (wie es sich gehört) um Entschuldigung gebeten.

  3. Zum Entschuldigen gehört gezwungenermassen das Verzeihen. Auch für mich persönlich war Kaspar Villigers Rede damals wertvoll. Zum Verzeihen möchte ich folgende Geschichte erzählen. Mein Vater, im 2. Weltkrieg Präsident der jüdischen Gemeinde St. Gallen und stark mit den Geflüchteten vor Hitler involviert, war auch Soldat in der Armee. Als General Guisan sich in der ganzen Schweiz verabschiedete, durfte ich mich als 8-jährige in St. Galler Tracht mit einem Blumenstrauss auf Französisch bei ihm bedanken! Ein erstes Highlight in meinem jungen Leben und unvergesslich.

  4. Die viel zu späte Einführung des Frauen-Stimm- und Wahlrechts bleibt ein Schandfleck in unserer Geschichte. Da hilft jetzt eine Entschuldigung auch nicht mehr viel. Die Schweiz hat ihre Geschichte sonst eher überpenibel aufgearbeitet und sich eher zuviel entschuldigt und auch bezahlt. Man hätte teilweise meinen können, wir seien Schuld an den Kriegsverbrechen der Deutschen und dem Holocaust, wie sich die Schweiz entschuldigt hat. Die Milliardenzahlungen für sog. namenlose Konten wurden bis heute nicht mal zur Hälfte eingefordert und der Restbetrag geht auf das Konto des World Jewish Congress. Die Aufgabe des Bankgeheimnisses, ohne jegliche Reziprozitätsforderungen, war ein weiterer Akt aufgrund von Druck, vorallem der Amis, einzuknicken. Die Angelsachsen selber sind die Hauptprofiteure unseres „selbstreinigenden Mea Culpa“ und GB allein betreibt 20 unregulierte Offshoreplätze. Auch von der EU kam nie Druck, als sie noch Mitglied waren. Weltweit gibt es weiterhin ca. 70 unregulierte Offshorecentren, die schon lange all das tun, was die Schweiz vor Jahrzehnten mal gemacht hat. Wir können uns auch weiter für jede kleine Ungerechtigkeit selber hauen und aus der Schweiz einen „unbefleckten Jungfrau Maria Staat“ machen. Stichwort: KVI usw. Nur wird die Welt dadurch kein Mü besser und andere viel undurchsichtigere Mächte und Player reiben sich ab der Naivität der Schweizer die Hände. Deutschland hat sich kaum je genügend für die Kriegsverbrechen entschuldigt und entschädigt. Von den Kolonialmächten und den arroganten Amis ganz zu schweigen, welche sich für die enorme Ausbeutung, Ermordung von Indigenen und die Versklavung von Menschen nie richtig entschuldigt haben. Entschädigt wurde sowieso nie!

  5. Ja, ich teile die Ansicht des obgenannten Herren Andreas. Die Schweiz ist auf jeden Fall Weltmeister, wenn es um Klotz, sprich Geld geht. Oft hege ich den Verdacht, dass es sich um mangelndes Selbstvertrauen handelt, statt Position zu beziehen. Das sieht man ja in den tagtäglichen Medien zur Genüge. Darüber könnte man ein Buch schreiben.

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