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Von Laufenburg zur Chly Rhy Aue

Die Auenlandschaft «Chly Rhy» ist ein Renaturierungsprojekt bei Rietheim. Hier darf sich der Rhein ausbreiten und schafft ein kleines Naturparadies für Flora und Fauna. «Fluss aufwärts» heisst die Fahrt von Laufenburg zum Auengebiet, organisiert von «Aargau Tourismus». 

Mit Erlebnisfahrten quer durch den Kanton bietet Aargau Tourismus gemeinsam mit Post Auto Schweiz Entdeckungsreisen zu Orten an, die man vielleicht vom Namen her kennt, aber kaum je besucht. Die Tagesreise Fluss aufwärts führt über die sanften Hügelzüge des Juraparks Aargau bis nach Laufenburg am Hochrhein gegenüber der Zwillingsstadt in Deutschland.

Die Brücke verbindet das Aargauer Laufenburg mit Laufenburg (Baden) in Deutschland.

Laufenburg zählte früher zu den bedeutendsten Salmfangplätzen Europas. Noch heute wird auf beiden Seiten des Rheins mit den Salmwochen die Salmfischerei in Erinnerung behalten. Auch die Flösserei, der Wassertransport mit Holzflossen über die wilden Wasserfälle der Laufen, die 1911 gesprengt wurden, spielten eine wichtige Rolle. Die Führung durch die Altstadt und der Besuch im Ortsmuseum gibt Einblick in den einstmals blühenden Berufsstand der Fischerei. Darüber berichteten wir.

Das bevorzugte Wetter der Auen ist der Regen und mit dem Regen kommen wir an und staunen über die urchige, saftige Natur.

Die Reise geht flussaufwärts weiter nach Leuggern, das für sein Spital und die Lourdesgrotte bekannt ist. Nach dem Mittagessen im Restaurant Sonne bringt uns der Bus über eine schmale Naturstrasse – die noch vor kurzem nach den starken Regenfällen überschwemmt und unpassierbar gewesen wäre – ins Naturschutzgebiet. Obwohl es immer noch regnet, ist das Wasser zurückgegangen, doch sieht man dem Rhein entlang auch überflutete Gemüsefelder. Der Park Ranger Ambros Ehrensperger, verantwortlich für Information und Aufsicht am Chly Rhy, begleitet uns mit spannenden Geschichten und Informationen durch die Aue.

Aussichtsplattformen geben den Blick frei auf die Natur abseits der begehbaren Wege, wie hier vom Beobachtungsturm aus, der mit aus dem Boden spriessenden Weidenruten aufgebaut ist. Foto: Tschubby, wiki commons.

Der Rhein fliesst in Europa durch neun Länder, den Aargau passiert er als Grenzfluss auf rund siebzig Kilometern. Noch vor hundertfünfzig Jahren gab es hier fünfzehn Prozent Auen. Auch zwischen Bad Zurzach und Koblenz wurde regelmässig Nutzland überschwemmt, wurden Saaten vernichtet und Böden gedüngt. Um den Fluss in die Schranken zu weisen, trennte man um 1920 den Seitenarm vom Rhein ab, hob das Umland an und gewann Ackerland, das intensiv bewirtschaftet wurde. 1960 schüttete man zusätzlich die Mündung des Chly Rhy für ein geplantes, aber nie realisiertes Kraftwerk auf.

Der Auenschutz ist seit 1994 ist in der Verfassung des Kantons Aargau verankert. So umfassen heute Auenschutzgebiete am Rhein, an Aare und Limmat wieder rund ein Prozent der Kantonsfläche. Die grosse Wirksamkeit bestätigte sich jüngst wieder bei der extremen Hochwassersituation. Der Auenschutzpark Chly Rhy bei Rietheim erstreckt sich über rund fünfunddreissig Hektaren auf anderthalb Kilometer Länge. Um dieses Gebiet zu renaturieren, erwarben der Kanton und Pro Natura das Land.

Den Eisvogel hört man an seinem kurzen scharfen Ruf ti-it, er fliegt bis 70 km/h und kann die Richtung rasch ändern. Foto: Joe Frei, wiki commons.

Die Hauptarbeiten zur Renaturierung der Aue fanden in den Jahren 2014/2015 statt. Viele Aufschüttungen, feste Wege und standortfremde Pflanzen wurden entfernt, Weiher und Tümpel neu ausgehoben und der Seitenarm Chly Rhy nach alten Plänen freigelegt. Aus den Äckern entwickelten sich artenreiche Wiesen und Weiden. Diese mageren Feuchtwiesen werden durch die Anlage eines fünfzehn Meter breiten Randstreifens vor dem Nährstoffeintrag des benachbarten, intensiv genutzten Ackerlands geschützt.

Der Schwarzmilan liebt Feuchtgebiete, brütet hier zwei bis dreimal und überwintert in West- und Zentralafrika. Foto: Fir0002/Flagstaffotos, wiki commons.

Durch die Renaturierung erlangt das Wasser seine gestaltende Kraft zurück und überflutet Kiesbänke, schwemmt Sand, Kies und Steine an, formt neue Inseln, gräbt Rinnen und füllt Tümpel mit frischem Wasser. Es türmt Schwemmholz auf, flutet den Wald, lässt Ufer einsacken und bringt Nährstoffe. Das Gebiet zieht Tier- und Pflanzenarten an, die in der intensiv genutzten Landschaft kaum mehr Platz finden. Auen bedecken schweizweit nur noch 0,3 Prozent der Landesfläche, beherbergen aber vierzig Prozent aller Tierarten und mehr als die Hälfte der über dreitausend Pflanzenarten, die in der Schweiz vorkommen.

In der Aue Chly Rhy finden sich auf kleiner Fläche besonders viele unterschiedliche Lebensräume. Das begünstigt die Entwicklung einer grossen Artenvielfalt. In den Feuchtwiesen blühen violetter Blutweiderich, Orchideen, Karden, auch Disteln. Weiden spriessen, dass sogar der Beobachtungsturm aus diesen aufgebaut werden konnte. Da Wasserbüffel den Boden nicht beschädigen, sollen sie die Feuchtwiesen beweiden.

Damit auch der Mensch von der Auenlandschaft Chly Rhy profitieren kann, wurde das Gebiet für Wanderer zugänglich gemacht. Zwei Holzbrücken überspannen den Seitenarm des Rheins.

Der Biber ist hier in seinem Element und formt die Landschaft. Kröten, wie die Gelbbauchunken oder Ringelnattern leben in den Teichen und sumpfigen Tümpeln, die Fische werden regelmässig bei Hochwasser aus dem Rhein in die Auengewässer geschwemmt und sind hier eine beliebte Beute der Vögel. Libellen und andere Insekten schwirren herum, sogar Braunbären trifft man an, aber als Nachtfalter. Glühwürmchen seien zwischen dem 20. Juni und 5. Juli nachts zu sehen. Vogelkenner entdecken hier etwa den Pirol, Eisvogel, Schwarzmilan, Baumfalke oder die Uferschwalben.

Die Chly Rhy Aue entwickelte sich in wenigen Jahren zu einem Paradies für Tiere und Pflanzen.

Fotos: rv

Den Chly Rhy Auenpark kann man individuell besuchen, verbunden mit einer Wanderung von den Bahnstationen Rietheim, Bad Zurzach oder Koblenz aus; ein kleiner Parkplatz vor Ort ist vorhanden.

Aargau Tourismus bietet zahlreiche Touren und Ausflüge preisgünstig an, mehr hier
Pro Natura bietet mit der App Flower Walks Wandervorschläge an, mehr hier

s.a. Ruth Vuilleumier Zwei Brücken für ein Laufenburg

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